Beschäftigung Frauen Führungspositionen überlassen


Noch nie gab es eine so gut ausgebildete Frauengeneration wie heute. Dieses Potenzial spiegelt sich jedoch nicht in der Beschäftigungsquote wieder.

Bundesfrauenministerin Renate Schmidt hat beklagt, dass Frauen trotz guter Bildungsabschlüsse häufig niedrigere Einkommen erhalten als Männer. Zum Auftakt der von ihrem Haus ausgerichteten Konferenz "Towards Power - Frauen in Entscheidungspositionen in der Wirtschaft" sagte sie am 17. Juni, bei den unter 30-Jährigen lägen Frauen und Männer bei Verdienst und Position nahezu gleichauf. "Danach klafft die Schere in den Erwerbsläufen immer weiter auseinander, bedingt unter anderem durch eine mangelhafte Balance von Familie und Arbeitswelt."

Auf der zweitägigen internationalen Konferenz wollen 220 Teilnehmer Strategien zur Gleichstellung entwickeln. Schmidt plädierte unter anderem für eine Verbesserung der Kinderbetreuung, vor allem bei den unter Dreijährigen. Sie warb für ein verstärktes Engagement der Väter. "Dass Frauen Kinder kriegen, wollen wir auch nicht ändern." Aber Männer sollten ihre Lebensmöglichkeiten auch über den Beruf hinaus entdecken.

In Deutschland gab es noch nie eine so gut ausgebildete Frauengeneration wie heute

Für die Wirtschaft sei es ein Gewinn, auch Frauen Führungsfunktionen zu überlassen, meinte die Unternehmerin Ingrid Hofmann, die dem Präsidium der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) angehört. Als Unternehmerin habe sie die Erfahrung gemacht, dass "junge Mütter sehr leistungsbereit" seien.

In Deutschland gab es laut Schmidt noch nie eine so gut ausgebildete Frauengeneration wie heute. 50,6 Prozent aller Studienanfänger und 56,7 Prozent der Gymnasialabsolventen seien weiblich. Allerdings spiegele sich dieses große Potenzial in der Beschäftigungsquote nicht wieder. Mit 11 Prozent Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft liegt Deutschland immer noch unterhalb des EU-Durchschnitts von 14 Prozent und deutlich unter der Quote von 46 Prozent in den USA.

Schmidt: Lebensläufe entzerren

Die Beschäftigungsexpertin bei der EU-Kommission, Luisella Pavan-Woolfe, sagte, Stereotypen und Diskriminierungen belasteten weibliche Karrieren.

Dass Frauen vor allem "in zukunftsträchtigen, zum Beispiel in technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungen und Berufen", unterrepräsentiert seien, liege aber auch an ihrer bescheidenen Angewohnheit, sich meist nur für die angeblich typisch weiblichen und schlecht bezahlten Arbeitsfelder zu interessieren, sagte die Familienministerin. Schmidt plädierte außerdem dafür, Lebensläufe zu entzerren. Es sei "ökonomischer Unsinn, spätestens bis zum 45. Lebensjahr alles erreicht haben zu müssen".

Das Familienministerium plant die Einrichtung einer nationalen Antidiskriminierungsstelle für Anfang 2005, die die bereits vorhandenen Einrichtungen unterstützen solle. Damit werden die EU-Gleichbehandlungsrichtlinien in nationales Recht umgesetzt.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker