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Traumreise: Freiheit wie zuletzt mit 19

stern-Redakteur Rüdiger Barth hat's gewagt: Vier Monate lang bummelte er um die Welt - und kehrte gelassener zurück.

Von Rüdiger Barth

Im September 2006 brachen wir aus, fuhren in 120 Tagen einmal rund um die Erde: über Neuengland in die Karibik, nach Brasilien, auf die Osterinsel und nach Sydney, wo wir uns vier Wochen lang vom Reisen erholten.

Es war ein einziges großes Abenteuer, und ich kann jedem nur raten: Liebe Leute, nichts wie raus! Sie bleibt zurück, die ganze verdammte, zur Hölle fahrende Pflicht, so ähnlich hat es der Schriftsteller Jack London mal genannt. Stattdessen passiert etwas sehr Aufregendes: Man begegnet sich im Spiegel der Welt selbst.

Nach zehn Jahren im Berufsleben hatten meine Frau und ich uns ausgehöhlt gefühlt. Zu oft dachte ich morgens auf dem Weg zur Arbeit, ich würde zu Hause mein Leben zurücklassen. Und so war über die Jahre der Wunsch gewachsen, auszubüchsen, jener Wunsch, den auch viele unserer Freunde hegen. "Was geschähe mit uns?", fragen sie. Wir träumten genauso vor uns hin, aber wie das so ist: Wir nahmen den Traum nicht ernst. Bis eines Tages vor mir auf der Straße eine alte Dame umfiel, einfach so, mit dem Gesicht voran auf den Asphalt. Sie blutete aus Mund und Nase, ich fürchtete, sie stürbe, und hielt ihren warmen Nacken, bis der Krankenwagen kam. Abends sagte ich zu meiner Frau: Das alles ist vielleicht schneller vorbei, als uns lieb ist. Und so beschlossen wir, abzuhauen. Vier Monate haben wir uns schenken können, alter Urlaub, neuer Urlaub, Ausgleichstage. Vier Monate: Luxus. Aber wenn man seine Wochen über den Globus zu verteilen hat, zerstäubt die Zeit zwischen den Fingern. Fffft. Die Round-the-world- Tickets der Flug- Allianzen sind ab 2000 Euro zu haben, wir schöpften das Maximum aus: 39 000 Meilen für 4100 Euro. Zum Glück hatten wir einen finanziellen Puffer angespart, der ist ganz wichtig: der Puffer. Nach fünf Wochen begannen wir zu vergessen, dass es Urlaub ist, und nach sieben Wochen, dass wir jemals gearbeitet hatten. Eine solche innerliche Freiheit, eine so große Lust auf jeden neuen Tag hatte ich zuletzt mit 19 erlebt, nach dem Abi. Von den Menschen, die wir trafen, wollten wir wissen, wie sie das lösen: das kunstvolle Rätsel, wie man im Leben glücklich werden kann. Im gebeutelten New Orleans feierten wir mit dem jungen Chef der "Preservation Hall of Jazz", dass sein Haus wieder brummt. Auf der Osterinsel schwärmte uns der 17-jährige Surfchampion Aku von den Mädels aus Tahiti vor. In Valparaiso betranken wir uns mit einem Chilenen, der einst in Hamburg studiert hatte und nichts mehr hofft, als noch einmal die Elbe zu sehen - und jene Stadt, aus der wir geflüchtet waren. In dieser Nacht begriff ich endlich, dass alle Menschen, überall, an Fernweh, an Traumweh leiden. Träume sind Stachel, sie halten uns wach.

Was mit uns geschehen ist, in unserer Auszeit? Wir sind keine besseren Menschen geworden, aber gelassener. Ja: glücklicher. Die Fragen, die uns umtreiben, erscheinen uns einfach nicht mehr so drängend. Kann man sich mehr wünschen?

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Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(