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Uni oder Fachhochschule: Wissenschaft versus Praxisnähe

Wo soll ich studieren? An einer Fachhochschule oder einer Universität? Das ist nicht nur eine Frage des Fachs, sondern vor allem des Lerntyps.

Wer forschen will, kommt an der Universität nicht vorbei

Wer forschen will, kommt an der Universität nicht vorbei

Die Entscheidung FH oder Uni hängt zum einen vom Studienfach ab. Einige Fächer kann man an beiden Hochschultypen studieren: zum Beispiel Betriebs- und Volkswirtschaft, Maschinenbau, Elektrotechnik, Architektur, Journalistik oder Informatik. Manche werden nur an Fachhochschulen gelehrt, zum Beispiel Sozialwesen, Verfahrenstechnik oder Wirtschaftsrecht. Fächer wie Jura, Medizin sowie alle Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften kann man dagegen nur an Universitäten studieren.

Gut betreut an den Fachhochschulen

Zum anderen ist es auch eine Frage des Lerntyps. Denn obwohl die Abschlüsse der beiden Hochschultypen offiziell gleichwertig sind, unterscheidet sich der Studienalltag gewaltig. Wer es lieber klein und überschaubar mag, ist an einer Fachhochschule gut aufgehoben. Wer ein breites Angebot sucht und sich zutraut, sein Lernpensum selbst zu gestalten, der sollte sich die Universitäten anschauen.

Kristin aus Rostock studiert Maschinenbau an der FH Stralsund. Sie hat sich bewusst für ein Studium an einer Fachhochschule entschieden. "Wegen der Praxis", sagt sie. "Ich bin nicht so die Theoretikerin." Ganz anders Helena: Sie studiert in Köln Betriebswirtschaft. 44.300 Studenten haben sich an der Albertus Magnus Universität eingeschrieben, eine der größten Universitäten Deutschlands, davon fast 5000 allein in BWL. Helena schätzt an der Massenuni das breite Themenangebot, und dass es "sehr viele gute Professoren gibt."

Die Unterschiede:

Fachhochschule

Das Studium an einer FH ist in der Regel verschulter. Es wird mehr Wert auf Praxis gelegt. Viele Professoren haben vor ihrem Lehrauftrag in der Wirtschaft gearbeitet. Außerdem sind viele Fachhochschulen kleiner als Universitäten, weil sie weniger Fächer anbieten. Dafür ist die Betreuungsrelation an Fachhochschulen oft besser: In manchen Vorlesungen kennt der Professor jeden Studenten persönlich mit Namen. Es geht persönlicher zu. Voraussetzung für ein Studium ist die Fachhochschulreife auch Fachabitur genannt (bisher Abschluss nach der 12. Klasse) oder Abitur.

Universität

Das Studium beinhaltet mehr Theorie, traditionell legen die Professoren mehr Wert auf Forschung. Neben den öffentlichen Universitäten gibt es in München und Hamburg auch noch die Universitäten der Bundeswehr. Für das Studium braucht man Abitur, für einige Fächer, wie zum Beispiel Medizin, gibt es einen Numerus Clausus (NC).

Bisher hatten Studenten an einer Fachhochschule schneller einen Abschluss in der Tasche als ihre Kommilitonen von der Universität. Dafür stiegen die beim Gehalt höher ein als FH-Absolventen.

Zunehmende Angleichung

Durch die Bologna-Reform und die Einführung der neuen Abschlüsse Bachelor und Master verwischen die Unterschiede zwischen Fachhochschulen und Universitäten: Ein Bachelor-Studium dauert sechs bis sieben Semester - egal welcher Hochschultyp. Und auch die Universitäten sollen Studenten stärker aufs Berufsleben vorbereiten als bisher. Deshalb belegen nicht nur Ingenieure an der FH Praxissemester, auch für Historiker und Romanisten von der Universität werden Praktika zur Pflicht.

Der Wechsel zwischen FH und Uni soll leichter werden: Mit einem FH-Bachelor können beispielsweise Betriebswirte ihren Master in Zukunft theoretisch auch an einer Uni machen. In der Praxis wird es aber Zulassungsbeschränkungen geben, die jede Hochschule einzeln regelt.

Inzwischen können auch FH-Absolventen promovieren und immer mehr FH-Professoren forschen. Manche Fachhochschule reagieren auf diese Angleichung der Hochschultypen mit einer Namensänderung: Sie taufen ihre Fachhochschule in "Hochschule" um. So nennt sich die FH Darmstadt jetzt "University of Applied Sciences", was mit "Universität für angewandte Wissenschaften" übersetzt werden kann. Trotzdem herrscht nach wie vor eine andere Kultur an FH und Uni.

Catrin Boldebuck