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Wirtschaftsminister Guttenberg: Die Spur der Bilder

Wenn etwas wichtig ist in der Krise, dann die Wirkung der Bilder. Das hat Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg längst begriffen. Auch heute wird er bei der Vorstellung schlechter Prognosen eine gute Figur machen. "Man kann nicht nur in Sack und Asche gehen", sagt Guttenberg.

Von Andreas Hoffmann und Axel Vornbäumen

Der Kampf um die Deutungshoheit der Krise ist längst entbrannt. Geht's uns - den Umständen entsprechend - noch einigermaßen? Ist die Talsohle schon erreicht? Gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus? Letzteren zu verbreiten ist die originäre Aufgabe eines Bundeswirtschaftsministers - ganz egal, wie dramatisch die Lage auch ist. Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), gut zwei Monate im Amt, sieht das als eines seiner wichtigsten Ziele. Auch deshalb warnt er mit scharfen Worten davor, mit "dumpfem Gemurmel" soziale Unruhen in Deutschland herbeizureden. In einem Interview mit dem stern bezeichnet Guttenberg entsprechende Befürchtungen des DGB-Vorsitzenden Michael Sommer als "Aussetzer". Es sei "dumm und unpassend" vom Gewerkschaftschef gewesen, "solche Warnungen in die Welt hinauszuposaunen".

Doch Guttenberg weiß auch, dass die ökonomische Situation im Land noch düsterer werden wird. Er wird am heutigen Mittwoch die Wirtschaftsprognose seines Ministeriums veröffentlichen, das geschätzte Minuswachstum wird aller Voraussicht nach irgendwo um sechs Prozent betragen. Die Wirtschaftskrise wird Deutschland nach Guttenbergs Ansicht noch lange beschäftigen. "Wir werden noch bittere Momente erleben", sagte er im stern. "Firmen werden in die Insolvenz gehen, auch sehr bekannte."

Der Wirtschaftsminister rechnet deshalb auch damit, dass die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr stärker steigen wird als im laufenden. "Ob wir es schaffen, in diesem Jahr klar unter vier Millionen zu bleiben, hängt auch davon ab, wie hart der Winter werden wird." Ein Weg aus der Krise sieht Guttenberg nur über mehr Flexibilität. "Wir müssen uns klarmachen, dass wir die Krise nicht meistern, wenn wir nicht insgesamt flexibler werden. Das gilt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber."

Guttenberg wies Kritik daran zurück, dass er die ersten Wochen im Amt zu sehr für seine Selbstdarstellung genutzt habe. Entsprechende Fotos - etwa auf dem Times Square in New York - müssten erlaubt sein. "Man kann nicht nur in Sack und Asche gehen." Er sei der Meinung, "dass man trotz Krise gelegentlich mal ein Zeichen des Optimismus setzen kann". Anstatt sich während seiner USA-Reise auf dem Times Square fotografieren zu lassen, hätte er in den Augen mancher "das Bild wohl am Zentralfriedhof machen sollen".

Den eigenen Beitrag zur Lösung der Wirtschaftskrise schätzt der neue Wirtschaftsminister eher bescheiden ein; weit entfernt etwa von Äußerungen, wie sie der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einmal gemacht hatte, der an der Halbierung der Arbeitslosigkeit gemessen werden wollte. Mit solchen Vorgaben, so Guttenberg, "würde ich meine Funktion eitel überheben. Ich kann nur ein hoffentlich effektives Rad im Räderwerk sein".

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