Lehrstellenmangel Wirtschaft warnt vor Folgen einer Zwangsabgabe


Angesichts der Forderung nach einer Ausbildungsplatzabgabe hat die deutsche Wirtschaft vor den Folgen dieser Zwangsmaßnahme gewarnt.

Angesichts lauter werdender Rufe nach einer Ausbildungsplatzabgabe hat die deutsche Wirtschaft vor den Folgen einer solchen Zwangsmaßnahme gewarnt. Sie befürchtet eine neue Kosten- und Pleitewelle, falls die Bundesregierung die Abgabe für Betriebe ohne Lehrlinge einführen sollte.

Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) berichtet, würde eine solche Zwangsabgabe die Verwaltungskosten der Unternehmen jährlich um mindestens zwei Milliarden Euro erhöhen. Der Hauptgeschäftsführer des DIHK, Martin Wansleben, rechnet deshalb mit negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. "Das führt zu noch mehr Pleiten und weiterem Jobabbau", sagte Wansleben der Zeitung.

Auch führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute sehen in der geplanten Ausbildungsplatzabgabe ein Konjunkturrisiko. "Eine solche Abgabe würde wie eine zusätzliche Steuer wirken und damit das sich gerade aufhellende Konjunkturklima wieder eintrüben", sagte Joachim Scheide, Konjunkturexperte des Instituts für Weltwirtschaft Kiel, der "Berliner Zeitung". Gebhard Flaig, Konjunkturchef des Münchner Ifo- Instituts, sagte dem Blatt, die Lehrstellenabgabe würde der Absicht der Bundesregierung widersprechen, die Lohnnebenkosten zu senken.

Ursachen der Lehrstellenmisere bekämpfen

Thomas Straubhaar, Präsident des HWWA-Institutes Hamburg, forderte die Politik auf, die Ursachen der Lehrstellenmisere anzugehen. "Offensichtlich rechnet sich für viele Firmen die Ausbildung nicht mehr, weil die Kosten zu hoch sind und zu viele Regulierungen den Einsatz der Lehrlinge im Betriebsinteresse verhindern", sagte er derselben Zeitung.

Weniger Gehalt, keine Übernahmeverpflichtung

Industriepräsident Michael Rogowski schlug eine Kürzung der Lehrlingsvergütungen vor. "Ich sehe nicht ein, dass ein Auszubildender in der Metallindustrie im ersten Lehrjahr, wenn er zur Wertschöpfung nicht beiträgt, 650 Euro pro Monat mit nach Hause nimmt", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) der Tageszeitung "Die Welt". Auch jede Form von Übernahmeverpflichtung halte die Unternehmen davon ab, über den Bedarf hinaus auszubilden, erklärte Rogowski.

Zwei Monate nach Beginn des Ausbildungsjahres in Deutschland fehlten Ende Oktober noch rund 24 000 Lehrstellen. Für 37 800 Bewerber habe es nur rund 13 800 Ausbildungsplätze gegeben, ging aus der am Donnerstag von der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg veröffentlichten Ausbildungsplatz-Bilanz hervor. Ein Kreis von Staatssekretären der Bundesregierung, Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern wird an diesem Freitag in Berlin erneut über eine Lösung des Problems beraten.


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