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Mannesmann-Prozess: Sekretärin weicht von alter Aussage ab

Im Mannesmann-Prozess kam es Mittwoch zu einem Eklat: Eine ehemalige Vorstands-Sekretärin des Konzerns übte scharfe Kritik am Vorgehen der Staatsanwaltschaft.

Erhebliche Erinnerungslücken von Zeuginnen haben am Mittwoch den Fortgang des Mannesmann-Prozesses gebremst. Die beiden Sekretärinnen des früheren Mannesmann-Chefs Klaus Esser erklärten, sie könnten sich kaum noch an die Ereignisse rund um die Vergaben der umstrittenen Millionenprämien vor vier Jahren erinnern. Im Mittelpunkt der Vernehmung stand die Frage, warum das Aufsichtspräsidium eine ursprünglich nicht vorgesehenen Prämie in Höhe von 4,5 Millionen Euro für Aufsichtsratschef Joachim Funk beschloss. Eine 59-jährige Sekretärin berichtete, sie erinnere sich lediglich, dass Funk sie an diesem Tag gebeten habe, in die Konferenzetage des Mannesmann-Hochhauses zu kommen. Dort seien ihr von Funk oder dem mitangeklagten Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ein oder zwei Sätze diktiert worden.

Widersprüchliche Aussagen

An den Inhalt könne sie sich aber nicht mehr erinnern, sagte sie. Ebenso wenig habe sie eine Erinnerung daran, die im Computer gespeicherten Beschlussvorlage entsprechend geändert zu haben. Doch müsse nach den vom Landeskriminalamt durchgeführten Auswertungen der Computerdateien wohl sie die entsprechenden Passagen in das Beschlussprotokoll eingefügt haben. In einer Zeugenvernehmung der Staatsanwaltschaft hatte sie dagegen erklärt, sie habe erst aus der Presse von den Zahlungen an Esser und andere Mannesmann-Topmanager erfahren.

Essers Sekretärin erinnert sich kaum

Essers zweite Sekretärin, die noch immer für den Manager arbeitet, erinnerte sich lediglich daran, nach dem Diktat Essers die Beschlussvorlage für das Aufsichtsratspräsidium geschrieben zu haben. Die 44-jährige Sekretärin räumte ein, wiederholt mit Esser über das Verfahren gesprochen zu haben. "Wir arbeiten zwölf Stunden am Tag zusammen und haben die Ermittlungsakten im Büro. Wir sprechen oft über das Thema", sagte sie. Doch habe sie mit ihrem Arbeitgeber nicht über ihre Zeugenaussage geredet. "Er darf das nicht. Ich darf das nicht. Darum tun wir das nicht", sagte die Sekretärin.

Vorgehen der Staatsanwaltschaft kritisiert

Beide Esser-Mitarbeiterinnen übten scharfe Kritik am Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Die 59-Jährige berichtet, die Staatsanwaltschaft habe sie im Juli 2001 in ihrem Büro bei Vodafone angerufen und von jetzt auf gleich zu einer Vernehmung vorgeladen. Als sie um eine Verschiebung gebeten habe, sei ihr mit einer Zwangsvorladung gedroht worden. Dann habe ihr der Staatsanwalt gesagt, zwei LKA-Beamte seien bereits unterwegs, um sie abzuholen. Sie habe den Staatsanwalt noch gefragt: "Heißt das, dass ich jetzt in Handschellen vorgeführt werde", erinnerte sich die Zeugin. Die 44-Jährige berichtete, der Staatsanwalt habe sie schon am Morgen der Vernehmung am Telefon angeherrscht. "Das war für mich eine sehr stressige Situation."

Prozess geht weiter

Esser muss sich vor dem Düsseldorfer Landgericht zusammen mit dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, dem früheren Mannesmann-Aufsichtsratschef Funk, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und zwei weiteren Managern wegen des Vorwurfs der "gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall" beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 benutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben.

DPA