Modebranche Strikter Sparkurs bei Escada

Mit einem radikalen Sparkurses will der größte deutsche Damenmoden-Konzern Escada im nächsten Jahr wieder ein positives Ergebnis erreichen. 850 Stellen und 20 Escada-Shops bleiben auf der Strecke.

Deutschlands größter Konzern für Damenmoden, Escada, will mit einem massiven Stellenabbau und Ladenschließungen aus der Krise kommen. "Es bringt nichts, auf bessere Zeiten zu warten", sagte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Ley. Daher werden 850 Stellen gestrichen. Damit fällt jeder fünfte Arbeitsplatz weg. In Deutschland sind 300 Stellen betroffen. Mit dem Sanierungsprogramm sollen vom nächsten Geschäftsjahr an die Kosten um 60 Millionen Euro gesenkt werden. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2002/03 (31. Oktober) machte der Escada-Konzern einen Verlust von 51,5 Millionen Euro nach einem kleinen Gewinn im Vorjahreszeitraum. Auch der Konkurrent Gerry Weber hat angesichts der Konsumflaute mit Ertragsproblemen zu kämpfen.

Wegen des Sanierungsprogramms rechnet Escada im laufenden Quartal mit weiteren Verlusten. Die Restrukturierung werde zu Einmalbelastungen von bis zu 30 Millionen Euro führen. Die Rückstellungen dafür würden das Ergebnis weiter drücken. Das Unternehmen rechnet für das volle Geschäftsjahr mit einem Fehlbetrag "im mittleren zweistelligen Millionenbereich". Was das genau bedeutet, wollte Ley nicht sagen.

Schuldenabbau hat Priorität

Ziel sei es, mit Hilfe des radikalen Sparkurses bei gleichem Umsatz im kommenden Geschäftsjahr ein positives Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) zu erreichen, sagte Personal-Vorstand Beate Rapp. Dabei plant das Unternehmen, 20 Escada-Shops und 15 Einzelhandelsläden bei Primera und Laurèl zu schließen. Priorität habe der Schuldenabbau. Dabei soll vor allem eine Kapitalspritze von 45 Millionen Euro aus dem Einstieg der US-Beteiligungsgesellschaft HMD Partners helfen. Ende des ersten Halbjahres hatte Escada Finanzverbindlichkeiten von rund 300 Millionen Euro.

Im September erstmals wieder Zuwächse

Der bisherige Geschäftsverlauf sei vom Irak-Konflikt und der Lungenkrankheit Sars beeinträchtigt worden, sagte Ley. Im September habe es allerdings erstmals nach zwei Jahren anhaltender Umsatzrückgänge wieder zweistellige Zuwächse gegeben. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte Escada einen Umsatz von 139,6 Millionen Euro (Vorjahr: 161,1 Millionen Euro). Damit liegt der Umsatz der ersten neun Monate bei 446,3 Millionen Euro nach 571,6 Millionen Euro im Vorjahr. Den Verlust des dritten Quartals bezifferte das Unternehmen auf 44,2 Millionen Euro.

Auch andere Modekonzerne hatten in diesem Jahr mit sinkenden Umsätzen und Erträgen zu kämpfen. So sind die Gewinne des Modeherstellers Gerry Weber in den ersten neun Monaten um 30 Prozent auf 7,5 Millionen Euro gesunken. Der Umsatz schrumpfte um 9 Prozent auf 274 Millionen Euro.


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