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Müll-Wirtschaft: Der "Grüne Punkt" ist für alle da

Das Entsorgungsunternehmen "Duales System Deutschland" wird umgekrempelt. Nun soll sich auch mehr Konkurrenz um Verpackungen mit dem "Grünen Punkt" kümmern dürfen. Zur Freude der Verbraucher.

Lange Zeit hat der "Grüne Punkt" von einer politisch untermauerten Monopolstellung im Abfallgeschäft profitiert. Der Verbraucher musste zusätzliche Kosten schlucken, die beim Kauf von Joghurt- und Puddingbechern, Getränkekartons oder Produkten in Kunststoffhüllen auf ihn abgewälzt wurden. Außerdem sollte er seinen "Grünen-Punkt-Müll" gesondert in Gelbe Tonnen werfen. Das vom Dualen System Deutschland AG (DSD) gemanagte, einzigartige Modell funktioniert bis heute. Schon bald könnten sich bei der Entsorgung von Verpackungsmüll aber auch andere Formen durchsetzen.

Drohendes Aus abgewendet

Einen Meilenstein dafür setzte das DSD gezwungenermaßen jetzt selbst. Um ein drohendes Aus durch das Bundeskartellamt abzuwenden, entschloss sich das privatwirtschaftliche Unternehmen zu einem Radikalschnitt bei der Eignerstruktur. Großunternehmen aus Handel und Industrie sollen nicht mehr zugleich Aktionäre wie Kunden des DSD sein dürfen.

Künftig sollen die Interessen beim "Grünen Punkt" getrennt werden. Ein Streubesitz bei den Aktien und ein Gang an die Börse ist im Visier. Dies sei ein erster Schritt für mehr Wettbewerb, stellte auch die Konkurrenz zufrieden fest. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) verwies darauf, dass das DSD trotz des Umbaus aber zunächst weiter die Nachfrage- und Angebotsmärkte bündele.

Kartellamt: DSD war ein Kartell

Das Kartellamt hatte bereits seit längerem auch öffentlich keinen Hehl daraus gemacht, dass das DSD ein Kartell von Marktteilnehmern sei, das mit einem fairen Wettbewerb nichts zu tun habe. Aufsichtsratschef Erich Greipl sprach am Dienstag in Köln selbst von einer "kartellartigen Struktur" und von einem "Damoklesschwert", das die ganze Zeit über dem Unternehmen gehangen habe.

Das DSD kapitulierte mit der Aufsichtsratsentscheidung, das Konzept muss noch von einer Aktionärsmehrheit gebilligt werden, nach langem Zögern nicht nur vor dem Kartellamt. Es akzeptierte notgedrungen auch die Tatsache, dass Konkurrenten immer mehr in das Geschäft mit Verkaufsverpackungen einsteigen, dafür auf Länderebene Zulassungen erhielten und auch den Gang vor Richter nicht scheuten.

Zahl der "Selbstentsorger" dürfte steigen

Das Duale System war 1990 mit dem Segen der Politik, die beim neu entdeckten Umweltschutz auf eine Kreislaufwirtschaft mit Recycling setzte, als eine Selbsthilfeeinrichtung von Handel und Industrie gegründet worden. Es sollte eine flächendeckende, ökologisch anspruchsvolle Wertstoffsammlung aufbauen, wie DSD-Vorstandschef Hans-Peter Repnik sagte. Diese "Pionierphase" gehe ihrem Ende entgegen. "Es ist bereits heute Realität, dass Unternehmen des Handels und der Industrie sich zwischen unterschiedlichen Angeboten zur Erfüllung ihrer Pflichten aus der Verpackungsverordnung entscheiden können und dies in der Praxis auch tun."

Die Zahl solcher "Selbstentsorger" - kein Unternehmen ist zur Teilnahme am "Grünen Punkt" gezwungen - dürfte wohl steigen. Das DSD will nach dem Befreiungsschlag nun Konkurrenten wie Interseroh, Belland Vision oder Landbell, die regional Entsorgungsalternativen anbieten, allein mit wirtschaftlichen Mitteln "im freien Wettbewerb um Preis, Qualität und Zuverlässigkeit" schlagen, statt sie mit Klagen zu überziehen oder auf die Unterstützung der Politik zu bauen.

Greipl zeigte sich optimistisch, dass sich das Unternehmen auch künftig als klarer Marktführer behaupten werde. Eine große Kündigungswelle bei den Lizenznehmern erwarte er nicht. "Der Grüne Punkt ist eine starke Marke - wir werden mit dem Pfund weiter wuchern." (DPA)

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