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Müll als Lebensgrundlage Auf den Spuren der "Catadores": Warum sich in Brasilien die Ärmsten ums Recycling kümmern

Was in Deutschland in den Haushalten passiert, übernehmen Menschen in Brasilien und ganz Lateinamerika auf der Straße und auf Deponien: das Müllsortieren.
 
Teresa und Renata sind sogenannte "Catadores", also Müllsammler.
 
So wie etwa eine Million Brasilianer.
 
Eigentlich wollte die 18-jährige Renata Model werden, aber dann bekam sie ein Kind und Brasilien eine Wirtschaftskrise. Nun geht es nicht mehr um Träume, sondern ums Überleben.
In Brasilien hält sich der Staat raus


Unter Ex-Präsident Lula da Silva wurde 2010 ein Gesetz geschaffen, das Unternehmen verpflichtet, Müll zu trennen. Aber die meisten halten sich nicht daran.
 
Also fahren die Kooperativen in Lastwagen zu den Supermärkten und holen den Müll selber ab. Sie trennen ihn dann in großen Hallen und verkaufen ihn an Recyclingbetriebe.
 
Für ein Kilo Papier gibt es auf dem Markt 2 Cent, für ein Kilo Glas ebenfalls. Für ein Kilo weiße Plastiktüten 25 Cent, für dunkle Plastiktüten 20 Cent.
 
In Brasilien kümmern sich die Ärmsten ums Recycling – der Staat hält sich weitgehend raus.
Brasilien verliert Milliarden Euro im Jahr, weil nicht recycelt wird

 
Dabei scheint der Rohstoff Müll niemals knapp zu werden.
 
Brasilien produziert 240.000 Tonnen Müll pro Tag, nur 2 Prozent werden recycelt.
 
In Zeiten der schweren Wirtschaftskrise, die nun schon seit drei Jahren andauert, kommen immer mehr Müllsammler dazu.
 
Die Konkurrenz nimmt also zu, und der Verdienst der Catadores ab.
 
Früher hat Teresa 400 Euro pro Monat verdient, heute mit Glück 120 Euro.
 
Müll bedeutet in Brasilien also vor allem Überleben.
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In Brasilien arbeiten eine Millionen Menschen als "Catadores", also Müllsammler. Seit Jahren leidet das Land unter einer Wirtschaftskrise. Das Paradoxe: Je schlechter die Zeiten, desto mehr Müllsortierer, desto größer die Jagd nach Müll, desto besser für die Umwelt.

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