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#FragNestlé auf Twitter: Nestlé und der hausgemachte Shitstorm

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Doch Nestlé übernimmt es sogar selbst, sich die Häme ins Haus zu holen: Die virtuelle Fragerunde des Lebensmittelherstellers geht so richtig nach hinten los.

Von Larissa Schwedes

Schlaflose Nächte im Hause Nestlé: Die Social Media-Abteilung des Unternehmens hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun.

Schlaflose Nächte im Hause Nestlé: Die Social Media-Abteilung des Unternehmens hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun.

Man nehme: einen weltweit agierenden Konzern - am besten mit ein, zwei saftigen Skandalen in der jüngeren Vergangenheit. Diesen garniere man mit einer dicken Portion Aufmerksamkeit und salze ihn kräftig mit einer direkten Frage an die Kunden. Alles andere geht wie von selbst. Bis es anfängt zu sieden und zu brodeln, muss man nicht lange warten. Und tadaa, fertig ist er: der perfekte Shitstorm!

Unter dem Hashtag #FragNestlé hat Nestlé die Netzgemeinde dazu aufgerufen, Fragen an das Social Media-Team zu stellen. Das Image des Unternehmens ist seit Jahrzehnten angekratzt. Dieses will der Konzern nun aktiv wandeln. Dialogbereitschaft heißt der Schlüssel zum Erfolg, so dachten die PR-Strategen. Und Social Media genau die richtige Form, um mit Kunden und Kritikern ins Gespräch zu kommen.

Aber falsch gedacht: Kinderarbeit, die Privatisierung von Wasser und unzählige weitere Brennpunkte von Nestlé ließen nicht lange auf sich warten. Innerhalb weniger Stunden entlud sich die Wut tausender Twitter-Nutzer in aller Härte:

Auch der wohl größte Skandal der Unternehmensgeschichte wird noch einmal aus der Mottenkiste geholt:

Schon in den 70er Jahren musste der Lebensmittelhersteller die Kampagne "Nestlé tötet Babys" aushalten, die gegen vermeintlich schädliche Stoffe in den Babynahrungspulvern protestierte.

Positive Reaktionen findet man kaum, Spott und Häme umso mehr. Doch die große Aufmerksamkeit ist bewusst gewollt: Der Hashtag gehört schon seit zwei Tagen zu den prominentesten Begriffen auf Twitter. Der kleine Hinweis "gesponsert von Nestlé" verrät, dass für diese Position einige Euros an das soziale Netzwerk geflossen sind.

Das Netz fragt Nestlé. Und wie sieht es mit den Antworten aus? Davon gibt es jede Menge, klar. Doch der riesigen Masse an Fragen und Kommentaren hat der Konzern zu wenig entgegenzusetzen.

Und manch ein Twitterer wittert nach dem Desaster der Aktion schon personelle Konsequenzen - und wird darauf wohl lange warten müssen. Denn #FragNestlé scheint für den weltgrößten Lebensmittelkonzern eine sehr erfolgreiche Kampagne gewesen zu sein. Das Image aber bleibt ramponiert, und zu der langen Liste der Skandale reiht sich mit dem Hashtag wohl eine weitere Peinlichkeit. 

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