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4,2 Prozent mehr Lohn: VW-Blitzabschluss gibt Marschroute vor

Kompromiss nach nur drei Verhandlungsrunden: Die rund 100.000 Beschäftigten der westdeutschen VW-Werke erhalten ab Mai insgesamt 4,2 Prozent mehr Lohn. Der Blitzabschluss dürfte den Gewerkschaften Rückenwind für die anstehenden Tarifverhandlungen in anderen Branchen geben.

Mit kräftigen Lohnaufschlägen gibt der VW-Konzern den Ton für die Tarifverhandlungen in anderen Branchen vor: Der Wolfsburger Autobauer einigte sich in der Nacht mit der IG Metall auf 4,2 Prozent mehr Lohn für die rund 100.000 Beschäftigten in den westdeutschen Werken. Mit dem bereits in dritter Verhandlungsrunde erzielten Kompromiss ist VW nach dem Teilabschluss bei der Deutschen Bahn und der Einigung beim Versorger RWE der dritte große Konzern im noch jungen Jahr mit einem Tarifergebnis.

Die schnelle Einigung gibt den Gewerkschaften in den anstehenden Tarifverhandlungen Rückenwind für die Forderung nach kräftigen Lohnerhöhungen - beispielsweise in der Hotelbranche, im Öffentlichen Dienst, im Baugewerbe oder bei der Deutschen Telekom. Die Gewerkschaft IG BCE etwa will zwischen sechs und sieben Prozent mehr Lohn herausholen und begründet dies mit der guten Geschäftslage in der Chemieindustrie.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat Forderungen in dieser Höhe allerdings bereits als "illusionär" zurückgewiesen. Die Bahn zahlt rund 135.000 Beschäftigten bis Ende 2012 ungefähr fünf Prozent mehr, RWE hatte mit einer Einigung auf 3,4 Prozent mehr Lohn Streiks abgewendet.

4,2 Prozent Aufschlag

Die IG Metall bezeichnete den VW-Abschluss als tragfähigen Kompromiss, der die gute Geschäftslage bei Europas größtem Autobauer berücksichtige. VW-Personalvorstand Jochen Schumm sagte: "Unternehmen und IG Metall haben einen fairen Abschluss erzielt, der eine ordentliche Lohnerhöhung mit dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit verbindet." Zu den Kosten des Abschlusses wollte er sich nicht äußern. Die VW-Mitarbeiter erhalten zum 1. Mai 3,2 Prozent mehr Geld. Zusätzlich bekommen sie einmalig ein Prozent ihres Jahresentgelts, mindestens jedoch 500 Euro. Damit liegt das Gesamtvolumen des Tarifabschlusses bei 4,2 Prozent. Der neue Haustarif hat eine Laufzeit von 16 Monaten.

Ursprünglich hatte die IG Metall angesichts sprudelnder Gewinne bei VW einen Lohnaufschlag von sechs Prozent mit einer Laufzeit von zwölf Monaten verlangt. VW bot zunächst 2,9 Prozent ab Juni und eine Einmalzahlung von 300 Euro. Bei der Laufzeit wollte sich Volkswagen am Branchentarif orientieren, der für 23 Monate gilt und für dieses Jahr eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,7 Prozent vorsieht.

Die IG Metall handelt bei Volkswagen traditionell einen Haustarifvertrag für die Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke aus. Der neue Abschluss soll auch für die Mitarbeiter bei mehreren Tochterunternehmen wie dem konzerneigenen Finanzarm gelten.

Geschäfte mit China und USA brummen

Den im Vergleich zur Metall- und Elektrobranche deutlich höheren Aufschlag begründete Schumm damit, dass der Flächentarifvertrag noch zu Krisenzeiten geschlossen worden sei. Inzwischen habe sich die Konjunktur erholt. Nach dem Flächentarifvertrag bezahlen die meisten anderen Autobauer und ihre Lieferanten ihre Beschäftigten. Hieran hatte VW erst 2006 mit der Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche wieder den Anschluss gefunden. VW steht derzeit gut da. Im vergangenen Jahr > erzielte Volkswagen einen Absatzrekord von über sieben Millionen Autos. Die Kasse ist gut gefüllt, es werden hohe Gewinne erwartet. Der Autobauer profitiert von der hohen Nachfrage vor allem in China und den USA, in Deutschland werden Sonderschichten gefahren.

joe/Reuters/DPA / DPA / Reuters