Affäre Tatort: Chefetage


460 Seiten, 1.417 Fußnoten: Die Anklageschrift im Fall Mannesmann zeichnet exakt nach, wie und wo der Millionendeal zugunsten von Ex-Vorstand Klaus Esser und Kollegen eingefädelt wurde.

Dietmar Droste hatte gut zu tun in den ersten Monaten des Jahres 2000. Der promovierte Jurist, damals 40 Jahre alt, war in der Direktionsabteilung der Düsseldorfer Mannesmann AG für die komplizierten Verträge der Vorstandsmitglieder zuständig, zudem bereitete er die Sitzungen des "Ausschusses für Vorstandsangelegenheiten" vor: ein vierköpfiges Gremium des Aufsichtsrates, das diskret über die Einkommen der Mannesmann-Vorstände zu befinden hatte.

Es war die

Zeit des großen Börsenbooms - und es war die Zeit der spektakulärsten Übernahmeschlacht, die je die deutsche Wirtschaft in Atem hielt. Anfang Februar 2000 war der Kampf entschieden: Mannesmann fiel nach heftiger Gegenwehr für sagenhafte 180 Milliarden Euro an den britischen Konkurrenten Vodafone. Spätestens da müssen die Arbeitstage für Droste lang geworden sein.

Denn nun begann bei Mannesmann ein beispielloses Auf- und Abräumen. Verdiente Kollegen wurden noch schnell auf lukrative Vorstandsposten gehoben, amtierenden Vorständen wurde der Abgang mit großzügigen Abfindungen und Prämien versüßt. Andere Führungskräfte sollten durch üppige Boni zum Bleiben bewegt werden. Selbst längst pensionierte Vorstände, deren Witwen und Waisen wurden mit millionenschweren Abschlägen bedacht. Weit mehr als 200 Millionen Mark wurden in diesen Wochen unter dem Spitzenpersonal des Konzerns verteilt. Am meisten bekam der Chef: Klaus Esser erhielt rund 60 Millionen Mark an Abfindungen und Prämien. Und weil die Chefetage eines deutschen Konzerns keine Räuberhöhle ist, brauchte es einen wie Dietmar Droste, der den Geldsegen nach den Vorstellungen seiner Herren in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken hatte.

Sein Fleiß

dürfte Droste nun eine gewisse Prominenz und eine Menge Ärger einbringen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wirft ihm Beihilfe zur Untreue in sieben besonders schweren Fällen vor, und deshalb könnte der Jurist sich demnächst zwischen dem Führungspersonal der deutschen Wirtschaft auf der Anklagebank des Landgerichts Düsseldorf wiederfinden. Mutmaßliche Haupttäter sind aber Größere: neben Esser der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, IG-Metall-Boss Klaus Zwickel, der einstige Vorstandsvorsitzende und spätere Aufsichtsratschef von Mannesmann, Joachim Funk, sowie der frühere Konzernbetriebsratschef Jürgen Ladberg. Die vier zuletzt Genannten bildeten jenen exklusiven Aufsichtsratsausschuss, der die Millionen bewilligte. Den Herren droht, je nach individueller Schuld, wegen Untreue im besonders schweren Fall bis zu zehn Jahren Haft (stern Nr. 8/2003).

Ob es tatsächlich zum Justizspektakel kommen wird, muss Brigitte Koppenhöfer entscheiden, Vorsitzende Richterin an der zuständigen Wirtschaftsstrafkammer. Sie prüft in diesen Wochen die Anklageschrift und die Einlassungen der Angeschuldigten. Darum beneiden mag man sie nicht: Die Anklageschrift ist ein sperriges Werk von holziger Sprache - 460 Seiten, 1.417 Fußnoten, die auf über 60 "Hauptakten" und "Beweismittelordner", auf "Sonderhefte" und "Verlaufsordner" verweisen. Die mutmaßlichen schweren Straftaten verbergen sich hinter umstrittenen "Umlaufbeschlüssen", der zweifelhaften Berechnung von "Alternativpensionen", hinter der ganzen komplizierten Chronologie jener Wochen im Jahr 2000. Kein Lesestoff für laue Frühlingstage.

Der stern schildert

anhand der Anklageschrift erstmals einzelne Aspekte jenes Wirtschaftskrimis - wohlgemerkt aus der Sicht der Staatsanwaltschaft. Die prominenten Angeschuldigten und ihre Anwälte bestreiten bis heute vehement, dass es in der Affäre Mannesmann überhaupt zu irgendeiner Straftat gekommen sei. Ihre Darstellung und Interpretation der fraglichen Ereignisse widerspricht der Schilderung der Ankläger erheblich.

Warum aus Feinden Freunde wurden

Am 25. Februar 2003 saß der Leitende Oberstaatsanwalt Hans-Reinhard Henke, braun gebrannt vom Skiurlaub in den Schweizer Bergen, in seinem Düsseldorfer Dienstgebäude vor Journalisten und kam gefährlich ins Plaudern. Die Vorgänge um die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone hätten zwar "mit Korruption im strafrechtlichen Sinne nichts zu tun", ließen sich aber "durchaus unter dem allgemein gebräuchlichen Terminus der Käuflichkeit subsumieren", ließ der freundliche Herr Henke wissen. Was redete der Mann da? Der Verdacht, im Fall Mannesmann sei Bestechlichkeit im Spiel, war offiziell längst vom Tisch, und wegen des bisweilen lässigen Umgangs der Staatsanwaltschaft mit der Presse hat das Land Nordrhein-Westfalen bereits eine Zivilklage von Klaus Esser am Hals, die durchaus erfolgversprechend ist. Und nun das: Käuflichkeit.

Die Anklageschrift zeigt allerdings, dass Henkes Bemerkung ganz so beiläufig nicht war. Die Staatsanwälte sind überzeugt, dass so genannte Anerkennungsprämien von rund 31 Millionen Mark an Esser und insgesamt weiteren 31 Millionen an eine Reihe von Führungskräften nichts anderes waren als eine "Gegenleistung" dafür, dass die Herren am Ende doch einer Übernahme durch Vodafone zustimmten. Das ist eine Version, die Esser entschieden bestreitet. Er legt großen Wert auf die Feststellung, dass ihm diese Prämie vom Großaktionär Hutchison Whampoa aus Hongkong erst angedient wurde, nachdem die Niederlage im Abwehrkampf feststand. Die Chinesen wollten sich dafür erkenntlich zeigen, dass sie durch die Kurssprünge der Mannesmann-Aktie während des Übernahmekampfes mal eben um acht Milliarden Euro reicher geworden waren. Und als Esser die ihm angebotenen 31 Millionen Mark mit seinen engsten Mitarbeitern teilen wollte, legten die liebenswürdigen Asiaten noch einmal die gleiche Summe drauf.

Doch nach Meinung

der Staatsanwälte war Hutchison Whampoa ganz so selbstlos nicht. Denn das Unternehmen des schwerreichen Li Ka-shing hatte ein Problem. Zwar war der Wert ihrer Mannesmann-Beteiligung (zehn Prozent des Unternehmens) rapide gestiegen, doch davon hatten die Chinesen wenig, solange sie die Aktien nicht verkaufen konnten. An die aber waren sie erst kurz zuvor, im Herbst 1999, geraten. Damals traten sie ihre Anteile am britischen Mobilfunkunternehmen Orange an den expansionsfreudigen Esser ab - und ließen sich 60 Prozent des Kaufpreises von rund 30 Milliarden Euro in jungen Mannesmann-Aktien bezahlen. Der Vertrag enthielt allerdings eine wichtige Klausel: Hutchinson durfte die Papiere in den ersten 18 Monaten nicht weiterverkaufen - es sei denn, der Mannesmann-Vorstand gab eine Empfehlung ab, ein Übernahmeangebot wie das von Vodafone anzunehmen. Deshalb musste Klaus Esser nun mitspielen.

Auch Vodafone-Boss

Chris Gent hatte nach Meinung der Staatsanwälte ein massives Interesse daran, aus der siegreichen feindlichen Übernahme am Ende doch noch eine freundliche Übernahme zu machen. Ihm war aus verschiedenen steuer- und unternehmensrechtlichen Gründen daran gelegen, dass möglichst schnell möglichst viele Mannesmann-Aktionäre sein Kaufangebot annahmen. Das würde am ehesten geschehen, wenn Mannesmann-Chef Esser seine Zustimmung gab. Und auch Deutsch-Banker Ackermann sowie Metaller Zwickel zogen mittlerweile aus unterschiedlichen Gründen eine freundliche Übernahme vor. Nun mussten also noch die beiden Top-Leute des Unternehmens gewonnen werden: Esser und Funk, welche die Niederlage gegen den britischen Konkurrenten als schwere persönliche Schlappe empfunden haben mussten. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Grund für die von den beiden Managern angestrebten Zahlungen allein deren Befürwortung einer "freundlichen Übernahme" durch Vodafone gewesen sei - Käuflichkeit eben, im "allgemein gebräuchlichen" Sinn.

Chris Gent war allerdings nicht geneigt, seinen bisherigen Rivalen aus der eigenen Firmenkasse Geld hinterherzuwerfen. Er sicherte aber zu, Sonderzahlungen von Mannesmann an Esser und Co., die vor der endgültigen Übernahme beschlossen würden, nicht zu verhindern. Das erklärt auch die ungebührliche Hektik, die am 4. Februar 2000 entstand. Erst am Vorabend war zwischen den Spitzenleuten von Mannesmann und Vodafone ein "Agreement" über die Bedingungen der Übernahme zustande gekommen, schon am Mittag des 4. Februar sollte der Mannesmann-Aufsichtsrat den Deal endgültig absegnen. Also wurde um 12 Uhr desselben Tages eilig eine außerordentliche Sitzung des Ausschusses für Vorstandsangelegenheiten abgehalten. Betriebsrat Ladberg war krank, Zwickel stöberte man in Wolfsburg auf, er nahm nur telefonisch an der denkwürdigen Veranstaltung teil. In ihrem Protokoll, von dem die Ermittler nicht klären konnten, wann es genau entstand, und das Funk und Ackermann erst eine Woche später unterzeichneten, wird unter anderem festgehalten, dass Esser "eine Anerkennungsprämie von GBP 10 Mio", vulgo 10 Millionen Pfund oder 31 Millionen Mark, erhalten sollte. Aufsichtsratschef Funk wurde auf sein eigenes Drängen hin mit "GBP 3 Mio", also rund neun Millionen Mark bedacht. Darauf wurde später allerdings verzichtet - dass sich der Chef des Gremiums selbst beschenkt, ging dann irgendwie doch zu weit. Noch später, als er nicht mehr dem Aufsichtsrat angehörte, bekam Funk immerhin eine Prämie von sechs Millionen Mark zugeteilt.

Minuten nach

der Ausschusssitzung trat der Aufsichtsrat der Mannesmann AG zusammen, segnete das Agreement mit Vodafone ab und auch die Empfehlung des Vorstandes, das Angebot der Briten anzunehmen. Alle waren zufrieden. Aus Feinden waren Freunde geworden.

Cash und keine Fragen

Wer in den vergangenen Monaten mit Klaus Esser sprach, traf auf einen offensichtlich ehrlich empörten Mann, der sich nichts vorzuwerfen hat und schon die Ermittlungen gegen sich für illegal hält. Die einzige "Tathandlung", erzählte Esser noch vor ein paar Wochen, die die Staatsanwälte ihm vorhielten: dass er Geld bekommen habe.

Die Anklageschrift liest sich allerdings ganz anders. Da ist Esser der eigentliche Schurke im Stück - gemeinsam mit Joachim Funk, seinem Vorgänger als Mannesmann-Chef und damaligen Oberaufseher. Gemeinschaftlich hätten sie die kriminellen Taten geplant und ins Werk gesetzt. Schon am 31. Januar 2000, als sich die Niederlage in der Übernahmeschlacht abzeichnete, sollen die beiden übereingekommen sein, sich und andere auf Kosten der Mannesmann AG auch unrechtmäßig zu bereichern, behaupten die Ermittler. An diesem Tag sicherte Funk seinem Kollegen Esser schon mal schriftlich zu, dass der nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand Anspruch auf einen Wagen mit Fahrer und ein Büro mit Sekretärin habe - auf Lebenszeit. Dieses Recht ließ sich Esser später abkaufen: für zwei Millionen Euro.

Esser und Funk führten,

so liest sich die Anklage, im Aufsichtsratsausschuss (obwohl Esser dem nicht angehörte) ein straffes Regiment. Dem Gremium wurden im "Tatzeitraum im Regelfall" erst während der Sitzungen die Beschlussvorlagen präsentiert, die der Getreue Dietmar Droste nach den Anweisungen seiner obersten Chefs zuvor formuliert hatte. Nach den Sitzungen erhielt er das Originalpapier unterschrieben zurück, Kopien gab es nicht.

Probleme zumeist auch nicht. Funk und Esser handelten, schreiben die Ankläger, in dem Wissen, dass der Ausschuss grundsätzlich entsprechend ihren Wünschen beschloss, zumindest dem Sinn nach. Auch die Gewerkschaftsvertreter wussten durchaus zwischen ihrer Mitwirkung in diesem vertraulichen Gremium und ihrer offiziellen politischen Linie zu unterscheiden. Dabei half, dass Diskretion in diesen Kreisen und in diesen heiklen Fragen geübte Praxis ist. Ein geschlossenes System des Gebens und Nehmens, wo eigentlich gegenseitige Kontrolle vorgeschrieben ist. Auch bei den umstrittenen Millionenzahlungen ist ernsthafter Widerspruch im Ausschuss nicht dokumentiert. Dabei wussten die Beteiligten, dass diese Zahlungen ausschließlich den Begünstigten dienten und Mannesmann schädigten. Behaupten jedenfalls die Ankläger.

Die Zweifel der Prüfer und Zwickels "Nein, aber"

Doch dieses Mal ging es nicht so glatt wie gewohnt. Mitte Februar bekam erstmals ein Mitarbeiter der für Mannesmann zuständigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Wind von dem Beschlussprotokoll des 4. Februar. Er schaltete in den folgenden Wochen mindestens drei weitere Kollegen ein, welche die Beschlüsse des Ausschusses unter die Lupe nahmen. Die Experten bemängelten erst Formfehler und die geplante Millionenprämie an Aufsichtsratschef Funk, die der Ausschuss gar nicht hätte beschließen dürfen, dann die Höhe der Esser-Prämie, später diese Prämie insgesamt und monierten, dass es auch für teils bereits erfolgte Zahlungen an andere Führungskräfte gar keine Rechtsgrundlage gegeben habe. Die Prüfer drohten, offiziell gegen die Beschlüsse vorzugehen.

Zudem erfuhr die Öffentlichkeit von den üppigen Prämien an Klaus Esser: Vodafone musste diese Zahlungen in einem Börsenprospekt anlässlich der Übernahme offen legen, was Esser nach Meinung der Staatsanwälte überrascht hat. Das brachte vor allem IG-Metall-Chef Zwickel in Bedrängnis. Denn nun war seine Taktik geplatzt, die teuren Entscheidungen diskret mitzutragen und nach außen den kernigen Arbeiterführer zu geben. Am 18. Februar schimpfte er öffentlich, die Zahlungen an Esser seien "unanständig hoch", und log munter drauflos, er habe davon erst aus der Zeitung erfahren.

Nun hatten

die Mannesmann-Strategen ein ernsthaftes Problem. Die Anklageschrift dokumentiert auf Dutzenden von Seiten ihre Versuche, in den folgenden Wochen mit Hilfe eines bemerkenswerten Durcheinanders mal neuer, mal nachträglich geänderter, mal umdatierter Beschlussprotokolle beidem gerecht zu werden: den Zweifeln der Prüfer und den Zwängen Klaus Zwickels. Beides ist so recht nicht gelungen.

Der Gewerkschafts-Chef versuchte derweil, seinen Schlingerkurs zu perfektionieren. Dabei kam es darauf an, die Zahlungen zu tadeln und gleichzeitig zu ermöglichen. Also gab er fortan sein Missfallen zu Protokoll - er nehme die Beschlüsse nur "zur Kenntnis". Die Kollegen vom Kapital werteten das dankbar als Enthaltung - womit sich der Gewerkschafter an den Abstimmungen beteiligt hatte. Andernfalls wäre das Gremium nicht beschlussfähig gewesen. Zwickel hätte sich also noch nicht einmal zu einem mannhaften Nein durchringen, sondern sich nur an den Abstimmungen nicht beteiligen müssen, wollte er die Zahlungen verhindern. Wollte er aber nicht, denn er mochte kein Spielverderber sein und hatte gegenüber Esser und Ackermann auch deutlich gemacht, dass er mit dem Vereinbarten eigentlich "kein Problem" habe. So schildern es die Ankläger.

Die Renten sind sicher

Mitte Februar 2000, behaupten die Ermittler, begann Joachim Funk darüber nachzudenken, wie er doch noch an Geld kommen könnte, wenn ihm die lästigen Wirtschaftsprüfer seine Anerkennungsprämie endgültig vermasseln sollten. Bald kam er auf die Idee, sich seinen Anspruch auf eine so genannte Alternativpension abgelten zu lassen, der vermutlich ohnehin bald verfallen würde.

Der Hintergrund: Pensionierte Mannesmann-Vorstände verfügten über ein famoses Versorgungssystem. Sie hatten Anspruch auf eine Festpension, die bis zu 60 Prozent ihres letzten Festgehalts betrug, oder auf eine "Alternativpension", die sich an den Einkommen der aktiven Vorstände bemaß - einschließlich aller Boni. Dieses System hatte in den letzten, guten Mannesmann-Jahren zu so üppigen Ruhegeldern geführt, dass das Unternehmen erwog, diese "Überversorgung" zu beschneiden. Mit dem Ende der Selbstständigkeit von Mannesmann war allerdings abzusehen, dass Bedeutung und Einkommen der aktiven Spitzenleute sinken würden - das verhieß auch das Ende der lukrativen Alternativpensionen.

Also entwickelte

der findige Funk einen Plan: Die Differenz zwischen Festpension und Alternativpension sollte (auf der Basis des hervorragenden Jahres 1999) für die verbleibende Lebenszeit der Senioren hochgerechnet und bar ausgezahlt werden. Er ließ den wackeren Dietmar Droste rechnen, bis ein passendes Modell gefunden war. Dann lud er den Aufsichtsratsausschuss für den 27. März in die Räume der Deutschen Bank in Frankfurt ein.

Dort füllte der exklusive Herrenzirkel ein Füllhorn der besonderen Art: Mehr als 61 Millionen Mark wurden an 18 ehemalige Vorstände, deren Witwen und Nachkommen verteilt. Spitzenreiter war der einstige Vorstandschef Werner H. Dieter mit mehr als 10,8 Millionen Mark, gefolgt von Klaus Czeguhn mit fast 7 Millionen Mark (die im April noch einmal auf 7,7 Millionen aufgestockt wurden). Initiator Joachim Funk durfte sich über gut 5,3 Millionen Mark freuen (und bekam später noch zusätzlich seine heiß ersehnte Prämie von 6 Millionen). Wohlgemerkt: Der Anspruch auf eine Festpension war davon bei allen Veteranen unberührt.

Bei so viel

Freigebigkeit blieb auch noch Platz für den einen oder anderen Sonderwunsch. Etwa im beklagenswerten Fall des einstigen Arbeitsdirektors Josef Murawski, der sich mit gut 3,9 Millionen Mark bescheiden musste. Der wandte sich mit einem besonderen Problem an Dietmar Droste: Seine Gattin sei 20 Jahre jünger als er, das müsse bei der Kalkulation berücksichtigt werden. Da ließen sich die Ausschussmitglieder nicht lumpen und schossen mit einem Beschluss vom 12. April noch einmal gut 770.000 Mark nach. All diese Entscheidungen hat übrigens auch Klaus Zwickel mitgetragen. Sein Gewerkschaftergewissen wird das nicht gequält haben: In Fragen der Alterssicherung hat der IG-Metall-Chef schon immer wie ein Löwe für die Betroffenen gekämpft.

Arne Daniels/Richard Rickelmann print

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