Airbus Riskante Entscheidung für A350


Der europäische Flugzeughersteller Airbus startet im zweiten Anlauf seine neue Familie von Langstreckenmodellen A350 XWB. Mit Entwicklungskosten von gut zehn Milliarden Euro ist das Programm fast so teuer wie der Bau des Riesen-Airbus A380.
Von Gerhard Hegmann, München

Mit dem Start des A350 XWB will Airbus die Dominanz von Boeing mit seinem Modell 787 Dreamliner im Segment in der 250-bis-350-Sitze-Klasse brechen. Auf das Marktsegment entfallen 41 Prozent des Werts aller verkauften Flugzeuge.

Für Airbus bedeutet der Programmstart ein hohes Risiko: Das neue Modell kommt erst 2013 auf den Markt, fünf Jahre später als das Boeing-Konkurrenzmodell 787. Hätte Airbus aber noch länger gezögert, wären potenzielle Kunden wie die Lufthansa möglicherweise auch noch zu Boeing abgewandert. Durch die gefüllten Auftragsbücher bei Boeing bekommen 787-Neukunden ihre Maschinen derzeit auch nicht vor 2011/2012. Der A350-Programmstart hatte sich verzögert, weil ein im Oktober 2005 vorgestelltes A350-Modell nicht die Zustimmung von Schlüsselkunden fand und umkonstruiert wurde.

Vor allem deutsche Manager aus dem Airbus-Mutterkonzern EADS hatten davor gewarnt, dass sich der Flugzeugbauer mit dem A350-XWB-Start bei seinen finanziellen und technischen Ressourcen übernehmen könnte. So erfolgt jetzt der Programmstart, obwohl die konkreten Folgen aus dem Kosteneinsparprogramm Power-8 noch nicht feststehen. Das Programm wurde nach dem Desaster mit der Verkabelung des Riesenairbus A380 gestartet. Es soll bis 2010 die jährlichen Kosten um 2 Mrd. Euro senken. Außer Ankündigungen des Airbus-Chefs Louis Gallois, dass Einschnitte gleichgewichtig in Deutschland und Frankreich erfolgen sollen, sind bislang keine konkreten Ergebnisse bekannt. Vor den französischen Präsidentschaftswahlen im Mai sei dies auch nicht zu erwarten, heißt es.

Endmontage wahrscheinlich in Toulouse

Airbus-Insider gehen davon aus, dass die Endmontage des Modells A350 XWB am Sitz in Toulouse in Südfrankreich erfolgt. Wie ein Airbus-Sprecher am Sonntag sagte, soll rund ein Drittel der A350 XWB in Frankreich zusammengebaut werden, ein Drittel in Deutschland und das restliche Drittel in Großbritannien und Spanien.

Nach Angaben von Airbus-Kennern soll es diesmal gelingen, Russland als Risikopartner am Bau zu beteiligen. Bei der ersten A350-Variante hatte Russland dies abgelehnt. Zudem sollen China und möglicherweise der italienische Finmeccanica-Konzern, der seit Jahren Rumpfteile an Boeing liefert, am A350 XWB beteiligt werden. Airbus-Chef Gallois, der auch Co-Vorsitzender des Airbus-Mutterkonzerns EADS ist, sagte jüngst, dass Arbeiten im Wert von 1,8 Mrd. Euro an Risikopartner vergeben werden könnten. So könnte etwa die Hälfte der Rumpfproduktion abgegeben werden.

Weniger Treibstoff

Beim A350 XWB will Airbus erstmals den Rumpf aus Kunststoffmaterial fertigen, um Gewicht und damit Treibstoff zu sparen. Im Unterschied zum Verbundstoffrumpf bei Boeings 787 aus großen Einzelstücken will Airbus Kunststoffplatten einsetzen, die sich für Reparaturzwecke austauschen lassen. Im Internet-Fachforum Airliners.net wird über ein Multirisiko für Airbus diskutiert: Der Konzern sei mit den Problemen der A380 belastet, baue die Produktion für die Reihe A320 aus, müsse die Kosten senken und ein völlig neues Flugzeug mit neuer Produktionsmethode in den Griff bekommen.

Zu den Airbus-Problemen gehört auch der Militärtransporter A400M. EADS gab bekannt, dass bis zur Erstauslieferung 2009 noch "Herausforderungen zu bewältigen" sind. Ermittelt wurden "kritische Risikobereiche" bei der Systemauslegung, speziell der Verkabelung, Veränderungen am Triebwerk und Arbeiten an der Endmontagelinie. Zu den finanziellen Folgen gibt es keine Angaben. Die US-Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass bei dem 20-Milliarden-Projekt mit gut 1 Mrd. Euro Zusatzkosten zu rechnen ist.

FTD

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