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Erst Frankreich, dann Deutschland?: Kaufen wir bald in Amazon-Supermärkten ein?

In den USA hat Amazon die Bio-Kette Whole Foods geschluckt - und nutzt die Läden zunächst, um den Versand der eigenen Produkte zu erleichtern. Doch eine viel engere Verzahnung von Online-Handel und den Geschäften wird erwartet. Und jetzt nimmt Amazon Europas Supermärkte ins Visier.

Amazon nimmt französischen Händler ins Visier

Amazon könnte in Frankreich in den stationären Handel einsteigen.

Handel ist Wandel - diese alte Weisheit von Einzelhändlern gilt heute mehr denn je. Denn die Veränderungen auf dem Markt kommen schnell. Ladenbesitzer und Supermarktketten hatten sich damit arrangiert, dass Verkaufsgiganten wie Ebay oder ihre Branche durch den Online-Handel bedrohen. Eine friedliche Koexistenz wurde nie daraus, sondern die Kontrahenten versuchen seit Jahren, sich Marktanteile und Kundengruppen gegenseitig abzunehmen. Doch Amazon hat die Spielregeln verändert, als der Händler die amerikanische Bio-Supermarktkette Whole Foods für knapp 14 Milliarden US-Dollar schluckte. Denn der Zukauf war nicht nur eine simple Akquisition. Amazon schaltete sich sofort ins operative Geschäft ein.

Amazon verzahnt die Geschäfte

Zunächst senkte Amazon die Preise in den Filialen. Avocados kosteten plötzlich nur noch 1,49 statt 2,99 Dollar. "Ab Montag werden wir die Preise bei einer Auswahl an Bestsellern senken", ließ Manager Jeff Wilke wissen. Doch Amazon dreht weiter an der Preisschraube und plane kontinuierlich Produkte günstiger anzubieten - eine Kampfansage an die Konkurrenz. Der nächste Schritt: Amazon-Kunden können nun ihre Pakete bei zurückgeben. Die Strategie scheint klar: Amazon schrumpft die Preise und zwingt so Wettbewerber in die Knie und verzahnt Online- und Offline-Handel.

Amazons Pläne für Europa

Bislang passierte dies nur in den . Doch die Übernahme von Whole Foods eröffnet Amazon auch den britischen Markt. Das scheint dem US-Riesen jedoch nicht zu reichen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet mit Berufung auf Informationen der französischen Tageszeitung "Le Monde", dass Amazon Interesse an der Übernahme von französischen Supermarktketten habe. Interessant seien die Monoprix-Märkte von Casino, Intermarché oder Système U. Mehr als ein Dutzend stationärer Läden wolle Amazon in den kommenden zwei Jahren in Frankreich eröffnen, so die Agentur. Das Konzept dieser Shops sei an das kassenlose Verkaufsprinzip "Go" angelehnt, das der Konzern derzeit in der Heimatstadt Seattle erprobt.

Dieser Schritt geht über die bisherigen Aktivitäten in dem Bereich deutlich hinaus. Bislang hatte sich Amazon mit Kooperationen mit stationären Händlern wie Tegut oder auch Rossmann begnügt. Diese Partner ermöglichen dem Onlinehändler auch, seinen frischen Lebensmittellieferdienst Fresh zu etablieren. Die großen Player wie Edeka oder hatten eine Zusammenarbeit abgelehnt - aus gutem Grund.

Lieferdienste für Lebensmittel sind Verlustgeschäft

Der deutsche Lebensmittelmarkt wird auf rund 176 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Bislang liegt der Anteil der Online-Käufe bei rund einem Prozent. Doch Experten erwarten, dass sich dies bald ändern wird und die Lebenmitteleinkäufe im Netz spürbar zunehmen werden. Für wie Rewe oder Edeka sind das Hiobsbotschaften. Zwar erprobt gerade Rewe seit längerer Zeit schon das Bestellen im Netz und den Lieferservice - doch noch verdient der Händler damit kein Geld. Der Einkauf auf Rädern ist noch ein Verlustgeschäft. 

Der Markt könnte bald deutlich zulegen - wenn mehr Kunden das Angebot annehmen. Hier ist Amazons Marktmacht ein gewaltiger Hebel. Gelingt den Amerikanern, was deutschen Händlern bislang nicht gelang - nämlich das Online-Geschäft mit Lebensmitteln im großen Stil auszurollen -, dann drohen Rewe, Aldi und Co. herbe Einbußen.

Für deutsche Händler stellt sich also die Frage: Zusammenarbeiten oder ignorieren? Wer heute mit Amazon kooperiert, profitiert - wird aber auch schnell zu einem heißen Übernahmekandidaten. Händler, die Amazon den Rücken kehren und eine Zusammenarbeit vollkommen ausschließen, könnten schnell vom Markt gedrängt werden. Klar ist: "Amazon streckt in Deutschland die Fühler aus“, sagt Thomas Voß, Experte der Gewerkschaft Ver.di für den Versand- und Online-Handel, zur "Welt". "Es ist klar, dass der Konzern vorhat, den lukrativen Lebensmittelmarkt auch hier für sich zu erschließen."

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