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Arbeitskampf: Lufthansa trotzt Streik - noch

Arbeitskampf zur Hauptreisezeit: Seit dem Morgen streiken rund 5000 Lufthansa-Mitarbeiter an den größten deutschen Flughäfen. Die Lufthansa hält den Betrieb bislang mit einem Notfallplan aufrecht. Doch die Gewerkschaft Verdi ist sicher: Es wird noch zu Beeinträchtigungen kommen.

Der Streik Tausender Lufthansa-Mitarbeiter hat zunächst keine Folgen für die Reisenden gehabt. Bisher gab es weder Flugausfälle noch Verspätungen, wie das Unternehmen mitteilte.

Die Gewerkschaft Verdi wird ihren Arbeitskampf deshalb ausweiten. Danach seien die Mitarbeiter in Berlin zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, am Nachmittag würden dann Stuttgart und Nürnberg folgen, sagte Verdi-Sprecher Harald Reutter. Die übrigen Streiks mit Schwerpunkten und Frankfurt und Hamburg würden fortgesetzt. In den nächsten Tagen seien Flugausfälle und Verspätungen zu erwarten. "Die Auswirkungen werden mit Sicherheit zunehmen." Mit Notfallplänen könne Lufthansa nur zeitlich begrenzt den Flugplan aufrechterhalten.

Laut Verdi beteiligten sich bisher 4000 bis 5000 Mitarbeiter der Technik, der Frachtverladung (Cargo), der Passage und des Caterings am Streik. Schwerpunkte waren das wichtigste Drehkreuz der Kranichlinie in Frankfurt am Main sowie Hamburg mit jeweils rund 1500 Streikenden.

Verhandlungsführer Erhard Ott sagte im ZDF, Ziel sei nicht, "möglichst viele Flugausfälle zu produzieren, sondern das Unternehmen zu treffen". Der Ausstand sei so angelegt, dass die Auswirkungen für die Fluggäste zwar spürbar seien, sich aber in Grenzen hielten. Aktionen gab es der Gewerkschaft zufolge auch in München, Köln, Düsseldorf, Hannover und Leipzig.

Notfallplan greift

Eine Lufthansa-Sprecherin erklärte, bislang seien mehr als 900 der täglich 2000 Flüge problemlos abgewickelt worden. Die Kranichlinie bemühe sich darum, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten, unterstrich Konzernsprecher Klaus Walther. Der Notfallplan des Unternehmens an bestreikten Standorten greife, Walther. Man hoffe, das so möglichst lange durchhalten zu können. Die Lufthansa richtete für Passagiere eine Hotline unter der Nummer

0800/850 60 70

ein und informiert auch im Internet. Am Frankfurter Flughafen berichteten Passagiere von planmäßigen Flügen, alles laufe normal.

Verdi fordert für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Lufthansa hat 7,7 Prozent für 21 Monate angeboten - inklusive einer Einmalzahlung - und vorgeschlagen, den Konflikt mit einem Schlichtungsverfahren zu lösen. Verdi-Verhandlungsführer Ott rief das Management auf, mit einem verbesserten Angebot an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nachdem sie in einem Mitarbeiterbrief das jetzige Angebot als das Äußerste bezeichnet habe, sei die Tür zunächst zugeschlagen. Es sei nun Sache der Lufthansa, sich zu bewegen.

Viele Spezialgewerkschaften

LH-Sprecher Walther wies Verdi die Schuld am Streik zu. "Verdi hat den Verhandlungstisch verlassen", sagte er. "Wir sind dialogbereit." Es liege ein verhandlungsfähiges Angebot vor. Eine Art Dauerstreik wegen der Forderungen mehrerer Einzelgewerkschaften befürchte die Lufthansa nicht. Doch kritisierte Walther: "Wir haben viele Spezialistengewerkschaften, die auch noch zum Teil konkurrierende Forderungen stellen."

Verdi steht bei der Lufthansa beim Kabinenpersonal im Wettbewerb mit der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (UFO), die unter diesen Beschäftigten einen Organisationsgrad von mehr als 50 Prozent hat. Deren Kabinenpersonal beteiligt sich an dem Streik nicht. "Es gibt keinen Streik in der Kabine", sagte der Leiter Tarifpolitik und Recht der UFO, Joachim Müller. UFO zählt mehr als die Hälfte der rund 14.000 Lufthansa-Flugbegleiter zu ihren Mitgliedern. Sie kündigte an, 2009 eine Tariferhöhung um 15 Prozent und damit deutlich mehr als Verdi durchsetzen zu wollen. Ebenfalls vom Streik ausgenommen sind die Piloten, die zum größten Teil in der Vereinigung Cockpit organisiert sind.

AP/DPA / AP / DPA