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Bahn-Ticker: Gewerkschaft unterbricht Streiks

Drei Stunden lang streikten die Lokführer. Ein Unternehmenssprecher der Bahn bezifferte die Verluste durch den Streik auf eine Million Euro täglich. Vor weiteren Verlusten wird das Unternehmen bis Dienstag verschont.

Nach dem dreistündigen Bahnstreik können Reisende zumindest bis Dienstag kommender Woche aufatmen: Bis dahin will die Lokführergewerkschaft GDL nicht mehr in den Ausstand treten, wie die Arbeitnehmervertreter mitteilten. Die GDL forderte die Deutsche Bahn zugleich auf, ein Angebot über einen eigenständigen Tarifvertrag vorzulegen, und setzte eine Frist bis Dienstag, 13.00 Uhr. Sollte der Tarifvertrag eine tragfähige Grundlage für Verhandlungen sein, werde es auch während der Verhandlungen keinen Arbeitskampf geben. "Sollte der Arbeitgeber der GDL jedoch bis zu diesem Zeitpunkt kein Angebot vorlegen, provoziert er Streiks", erklärte die Gewerkschaft.

++++ Streik kostet eine Million Euro pro Tag ++++

Der Ausstand bei der Deutschen Bahn kostet das Unternehmen viel Geld. "Allein im Personenverkehr ist das ein Schaden von über einer Million Euro pro Streiktag", sagte Sprecher Achim Stauß dem Fernsehsender N24. "Wir haben auch Angst, dass Kunden dann das Vertrauen in die Bahn verlieren."

++++ Bahn verweist Schell vom Bahnhof ++++

Die Bahn ist gegen eine Demonstration der Lokführergewerkschaft GDL im Frankfurter Hauptbahnhof vorgegangen. Sie habe von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und die Streikenden gebeten, außerhalb des Bahnhofs zu demonstrieren, sagte ein Bahnsprecher. Die streikenden Lokführer hätten Kollegen massiv bedrängt, sich am Streik zu beteiligen, erklärte er. Die Demonstranten seien «fast einvernehmlich» und problemlos hinausgegangen, sagte der Sprecher. Auch GDL-Chef Manfred Schell war unter den "Vertriebenen" und sei freiwillig gegangen, so GDL-Mitglieder vor dem Bahnhof.

++++ Bsirske hadert mit der GDL ++++

Mit Blick auf die Tarifauseinandersetzung bei der Deutschen Bahn hat Verdi-Chef Frank Bsirske vor einer Zersplitterung der Gewerkschaften gewarnt. Es führe zum Zusammenbruch des Gesamtsystems, wenn sich immer mehr Gruppen aus der Solidarität verabschiedeten und versuchten, "im Alleingang für sich das Maximale herauszuholen", sagte er in einer Grundsatzrede auf dem Verdi-Bundeskongress in Leipzig.
Schon vor der Lokführergewerkschaft GDL hätten der Ärzteverband Marburger Bund oder die Pilotenvereinigung Cockpit durch ihre Alleingänge der Mehrheit die Solidarität aufgekündigt. Solche Alleingänge "reißen tiefe Gräben im Unternehmen", warnte Bsirske.

++++ Bahn kontert Schell ++++

Die Bahn hat den Vorwurf zurückgewiesen, die Lokführergewerkschaft GDL arglistig getäuscht zu haben. GDL-Chef Manfred Schell falle außer Beschimpfungen und Beleidigungen "offensichtlich nichts mehr ein", sagte Konzernsprecher Oliver Schumacher. Schell hatte zuvor der Bahn vorgehalten, sie habe ursprünglich zugesagt, einen Tarifvertrag auszuhandeln, dies jetzt aber unter den Tisch fallen lassen.
Schumacher nannte den Stil Schells inakzeptabel. "Noch erschreckender als diese verbalen Entgleisungen ist allerdings der Realitätsverlust von Herrn Schell." Der Bahnsprecher verwies auf den Vorwurf Schells, Bahnchef Hartmut Mehdorn habe die Vertraulichkeit eines Gesprächs mit dem Gewerkschaftsvorsitzenden in der vergangenen Woche gebrochen. Tatsächlich sei es Schell gewesen, der die Medien über das Treffen informiert habe.

++++ Hälfte der Regionalzüge blockiert ++++

Mit einem groß angelegten Streik hat die Lokführergewerkschaft GDL am Freitagmorgen einen großen Teil des Bahnverkehrs blockiert. Nach Konzernangaben fuhren nur zwei Drittel der 750 Fernverkehrszüge und bis zu 50 Prozent der 19.000 Regionalzüge planmäßig.

++++ GDL sieht sich "arglistig getäuscht" ++++

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, hat der Bahn "arglistige Täuschung" vorgeworfen. Ursprünglich habe man zugesagt, einen Tarifvertrag auszuhandeln, dies sei jetzt aber unter den Tisch gefallen, sagte Schell zum Streikauftakt im Frankfurter Hauptbahnhof. "Das Angebot der Bahn ist kein Angebot, sondern Verdummbeutelung", sagte er.
Die Bahn hatte zuletzt angeboten, den mit den anderen Bahn-Gewerkschaften ausgehandelten Abschluss mit einem Einkommensplus in Höhe von 4,5 Prozent auch für die GDL zu übernehmen. Zudem könnten die GDL- Mitglieder für mehr geleistete Arbeitsstunden am Ende bis zu zehn Prozent mehr Geld in die Tasche bekommen. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag und 31 Prozent mehr Geld.

++++ Bahn auf langen Streik vorbereitet ++++

Die Bahn ist nach eigenen Angaben für einen wochenlangen Streik gerüstet. "Die Bahn kann das sehr, sehr lange durchstehen. Wir sind wirklich gut darauf vorbereitet. Wir haben gelernt aus den alten Streiks", sagte Personalvorstand Margret Suckale unmittelbar vor Beginn des Lokführer-Ausstands. Das Unternehmen habe den Notfahrplan in Kraft gesetzt.
In der Sache zeigte sie sich das Unternehmen unnachgiebig. Suckale lehnte die Forderung der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) nach 31 Prozent mehr Lohn strikt ab. Es sei den anderen 200.000 Beschäftigten des Konzerns nicht zuzumuten, dass "eine Sondergruppe völlig absurde und irrationale" Rechte für sich einfordere. Ein eigenständiges Abkommen mit der GDL müsse in das generelle Tarifgefüge des Unternehmens passen.

++++ Behinderungen im Süden ++++

In und um München und Nürnberg ist es wegen der angekündigten Streiks der Lokführer und des vorsorglichen Ersatzfahrplans der Deutschen Bahn zu erheblichen Behinderungen im Berufsverkehr gekommen. Hinzu kam auf der Münchner Stammstrecke der S-Bahn ein zwischenzeitlicher Verkehrsstopp auf der Donnersbergerbrücke, weil dort Menschen auf den Gleisen gemeldet wurden. "Das überschattet jetzt alles und staut den kompletten S- Bahn-Verkehr", sagte ein Bahnsprecher in München. Zahlreiche Züge stauten sich in München. Nach dem von der Bahn ab 4.00 Uhr eingesetzten Ersatzplan fahren die S-Bahnen in München nur alle 40 beziehungsweise alle 60 Minuten, die Linien S 20 und S 27 fallen aus.
Auch im S-Bahn- und Regionalbahnverkehr im Großraum Nürnberg mussten Pendler erhebliche Behinderungen hinnehmen. Nach dem Notfahrplan verkehrte in der Region nur etwa jeder zweite Zug. Laut Ersatzfahrplan sollten in Bayern zwei Drittel der Fernverkehrszüge und 50 Prozent der Nahverkehrszüge fahren. Die Regionalzüge fahren im Zweistundentakt. Abgesehen von dem Münchner S-Bahn-Problem laufe der Notfahrplan in Bayern ohne größere Störungen, sagte ein Bahnsprecher.

++++ Ruhe im Norden ++++

Trotz des Streiks bei der Bahn und eines Notfahrplans ist ein befürchtetes Chaos im Norden ausgeblieben. Auf den Bahnhöfen in Hamburg, Flensburg, Lübeck und Kiel ist die Lage relativ entspannt. Auf Hamburgs S-Bahnhöfen drängten sich allerdings stellenweise die Berufspendler und Schüler. Wegen des Arbeitskampfes hat die Bahn auch für die Hamburger S-Bahn Notfahrpläne aufgestellt. Reisende wurden gebeten, längere Fahrtzeiten einzuplanen.
Laut Notfallplan fallen im Norden beispielsweise die Regionalbahnen zwischen Stade und Hamburg oder zwischen Hamburg und Tostedt aus. Der Regionalexpress zwischen Hamburg und Cuxhaven fährt im Ein-Stunden-Takt. Im Norden verkehrten grundsätzlich alle Regionalexpresszüge, so beispielsweise auf der Verbindung Hamburg- Kiel oder Kiel-Lübeck.