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Banken im Stresstest: Die nächste Krise kann kommen

Deutschlands Banken sind krisenfest: Nur die Pleitebank HRE fiel beim Stresstest durch. Andere haben aber nur knapp bestanden. Verheerend war der Test für Spanien.

Europas Banken wollen die Krise hinter sich lassen: Die Stresstests sind nach langem Gezerre abgeschlossen. Von den 14 größten deutschen Banken hat nur der verstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) den europaweiten Test nicht bestanden. Allerdings bestanden die Postbank, immerhin eine der größten deutschen Privatkundenbanken, und die NordLB den Test nur knapp. Wie aus den am Freitag von der Bundesbank und der Finanzaufsicht Bafin veröffentlichten Ergebnissen hervorgeht, wiesen die beiden Institute in den beiden härtesten Krisen-Szenarien jeweils Kernkapitalquoten von unter sieben Prozent aus. Die Messlatte, um den Test zu bestehen, lag bei sechs Prozent. Europaweit fielen sieben von 91 Banken durch - davon gleich fünf aus Spanien. Allerdings stellt Spanien mit der Banca March mit einer Kernkapitalquote von 19,0 Prozent auch das Insitut, das am besten abgeschnitten hat.

Es hatten sich zuletzt bereits die Anzeichen verdichtet, dass die HRE durchgerasselt ist, während die Postbank nicht als Wackelkandidat angesehen wurde. Alles andere als ein Durchfallen der HRE wäre verwunderlich gewesen und hätte die Zweifel an der Aussagekraft des Stresstests noch vermehrt. Die Bank konnte nur mit staatlicher Milliardenhilfe vor der Pleite bewahrt werden und wird in ihrer bisherigen Form nicht mehr lange bestehen. Die Münchener Bank würde in beiden Szenarien des Planspiels die als Maßstab verwendete Kernkapitalquote von sechs Prozent Ende 2011 verfehlen. Im Extremfall würde die Kapitalquote der HRE von zuletzt 9,4 Prozent dann auf 4,7 Prozent zusammenschmelzen. Sie laufe allerdings "außer Konkurrenz", weil sie ohnehin in einer tiefgreifenden Umstrukturierung sei.

Bei den Stresstests war geprüft worden, wie belastbar die Kapitalausstattung der Banken ist, wenn die Wirtschaft einbricht und sich die Situation am Markt für Staatsanleihen wieder so zuspitzt wie zuletzt im Mai. In Deutschland wurden neben der HRE getestet: Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank, der Sparkassenfondsdienstleister Dekabank, sieben Landesbanken sowie die genossenschaftlichen Zentralinstitute DZ Bank und WGZ Bank. Am besten schnitt die Landesbank Berlin ab (Kernkapitalquote von 11,2 Prozent).

Schäuble ist zufrieden

Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler und der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Jochen Sanio, attestierten den großen deutschen Banken im Allgemeinen Widerstandsfähigkeit in Krisen. Im Durchschnitt würde ihre Kernkapitalquote selbst bei einer Rückkehr in die Rezession und eines Crashs bei europäischen Staatsanleihen nur auf 8,5 Prozent abschmelzen. Ende 2009 waren es 10,5 Prozent. Neun lägen mit Quoten von acht Prozent und mehr beim Doppelten der vorgeschriebenen Mindestausstattung. "Die deutschen Institute sind bei der Bilanzreparatur ein gutes Stück vorangekommen, aber der Prozess ist sicher noch nicht am Ende", bilanzierte Zeitler. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wertete die Ergebnisse als Erfolg und "positives Signal".

Die EU sieht in den Stresstest-Ergebnissen trotz der sieben durchgefallenen Banken einen Beweis für die grundlegende Robustheit der Branche. Es seien Negativszenarien geprüft worden, deren Eintreten nicht sehr wahrscheinlich sei, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und dem Komitee der Europäischen Bankenaufseher (CEBS). "Die Resultate bestätigen die allgemeine Widerstandsfähigkeit des Bankensystems gegen Konjunktur- und Finanzmarktschocks." Die Tests seien ein wichtiger Schritt, um das Marktvertrauen wiederherzustellen. Vor Verkündung der Ergebnisse herrschte an den Börsen allerdings Nervosität. Der Euro stand am Freitagnachmittag deutlich unter Druck.

Fünf Spanier fallen durch

Fällt eine Bank durch, ist dies jedoch nur ein Warnsignal und hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf ihre Kunden. Denkbar ist, dass sich durchgefallene Kandidaten am Markt um frisches Geld bemühen - etwa über Ausgabe neuer Aktien. Klappt das nicht, müssten die Regierungen einspringen. Sollte ein EU-Staat einen Problemfall nicht alleine bewältigen können, stehen Mittel aus dem europäischen Notfallpaket bereit.

Noch vor Veröffentlichung der Resultate genehmigte die EU-Kommission den Schuldenländern Spanien und Portugal, angeschlagenen Instituten bis Ende 2010 zu helfen. Aus gutem Grund: Während alle geprüften portugiesischen Geldhäuser den Test bestanden, fielen in Spanien gleich fünf Sparkassen durch, die nach Angaben der spanischen Notenbank einen Kapitalbedarf von 1,835 Milliarden Euro haben. Die Sparkassengruppe Diada erzielte mit 3,9 Prozent Kernkapitalquote das schlechste Ergebnis aller teilnehmenden Instiute. Der siebte Versager war die griechische ATEbank. Diese teilte noch am Abend mit, am Markt neues Kapital aufnehmen zu wollen.

Der Test hatte viele Kritiker. Zwar bestand an der Notwendigkeit einer solchen Übung kaum Zweifel, die Aussagekraft wird aber bestritten, weil die Kritierien vielen Experten zu weich sind. So hält der Finanzwissenschaftler Wolfgang Gerke die Hürden für so niedrig, "dass wir Beruhigungspillen in den Markt geben". Sinnvoller wäre eine harte Prüfung: "Dazu gehört auch die Einbeziehung eines Marktversagens, wie es erst jüngst in der Finanzkrise geschehen ist." Zudem, so Gerke, seien in dem Test Äpfel mit Birnen verglichen worden. "Hier werden in den einzelnen Ländern unterschiedliche Bilanzierungskriterien angewendet, die im Test keine Berücksichtigung finden", sagte der Nürnberger Professor im ARD-Mittagsmagazin. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Manfred Weber, widerspricht dem scharf. Er betonte im Deutschlandfunk, bei den Tests könne von "weichgespült" keine Rede sein.

DPA/Reuters/DPA/Reuters