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Bankenkrise: Niemand will die WestLB

Die WestLB sucht verzweifelt nach einem möglichen Fusionspartner. Aus den Reihen der anderen Landesbanken hagelt es jedoch Absagen. Neben den Löchern in der Bilanzen spielen dabei wohl auch die hohen Gehälter für die Manager der Landesbank aus NRW eine Rolle.

Die Partnersuche für die angeschlagene WestLB gestaltet sich immer schwieriger: Nach der geplatzten Fusion mit der Helaba hat nun auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) einer Übernahme des Düsseldorfer Instituts eine Absage erteilt. "Im Moment steht ein Zusammenschluss mit einer anderen Landesbank nicht zur Debatte", machte Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters deutlich.

Die LBBW sei in diesem Jahr vollauf mit der Integration der Landesbank Rheinland-Pfalz und der SachsenLB beschäftigt. Erst gegen Ende 2008 werde dies abgeschlossen sein. Auch die Sparkassen in Baden-Württemberg erklärten, sie seien derzeit nicht auf "Brautschau". Das Land und die Sparkassen halten jeweils rund 36 Prozent an der LBBW.

Zukunft offen

Die Zukunft der WestLB ist damit wieder völlig offen. Die Mehrheitseigner der Helaba - die Sparkassen aus Hessen und Thüringen - hatten am Vortag erklärt, Überlegungen für eine Fusion der beiden Häuser nicht weiter zu verfolgen. Aus dem Umfeld der WestLB hieß es nun, die WestLB-Eigner müssten sich erneut auf eine gemeinsame Linie verständigen, wie es mit der wegen Fehlspekulationen im Zuge der US-Hypothekenkrise ins Schlingern geratenen Landesbank weitergehe. Die Sparkassen in NRW als Mehrheitseigner der WestLB hatten sich im August für Verhandlungen mit der LBBW stark gemacht, das Land NRW hatte dies aber vehement verhindert. Der damals getroffene Beschluss der Sparkassenverbände könne nun wieder in den Mittelpunkt rücken, hieß es in den Kreisen.

Auch die NordLB wird im Umfeld der WestLB-Eigner als möglicher Partner gehandelt. Deren Großaktionär - das Land Niedersachsen - hatte kürzlich deutlich gemacht, dass die Bank in der bevorstehenden Neuordnung des Landesbanken-Sektors ein gewichtiges Wörtchen mitreden wolle. "Man soll sich nie der Verantwortung entziehen, und daher könnte die Rolle der NordLB unter den Landesbanken noch größer werden", hatte Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) zu Reuters gesagt.

Zu hohe Gehälter

In Finanzkreisen hieß es, die WestLB müsse erst einmal ihre strukturellen Probleme in den Griff bekommen, ehe sie für mögliche Fusionen interessant werde. Der WestLB fehle ein tragfähiges Geschäftsmodell. Zudem sei das Gehaltsniveau der dort angestellten Banker im Vergleich mit anderen Banken wesentlich höher, was viele abschrecke. Die WestLB hatte sich am US-Hypothekenmarkt und in ihrem Eigenhandel verspekuliert und musste von ihren Eignern mit Milliardengeldern gestützt werden.

Möglicherweise gelangen im Poker um die Zukunft der Landesbanken auch Pläne für größere Fusionen in den Fokus. "Ziel der nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände ist es jetzt, dass die Sparkassen-Finanzgruppe in Deutschland zeitnah und gemeinsam Modelle für eine umfassende Neuordnung des Landesbankensektors entwickelt und vorantreibt", hatten die beiden Verbände mitgeteilt. Damit wäre der Dachverband der Sparkassenorganisation DSGV am Zug. Das nordrhein-westfälische Finanzministerium beharrte darauf, dass die WestLB einen "aktiven Beitrag" zur Konsolidierung der Landesbanken leisten werde. Entscheidend sei aber auch, dass die Sparkassenorganisationen dabei eine "aktive Rolle übernehmen und ihren Worten Taten folgen lassen".

Reuters/msg / Reuters