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BenQ-Insolvenz: Die letzten Mohikaner von BenQ

Leere Gänge, ausgeräumte Büros - bei BenQ gehen endgültig die Lichter aus: Am 29. Juni ist auch für die letzten sechs Mitarbeiter der letzte Arbeitstag gekommen. Danach beginnt auch für sie die bittere Suche nach neuen Jobs.

Am Freitag ist für sechs der verbliebenen sieben Beschäftigten des insolventen Unternehmens in München der letzte Arbeitstag. Dann erfahren sie das gleiche Schicksal wie ihre ursprünglich rund 1300 Kollegen in der BenQ-Zentrale: die Entlassung - bis Ende 2007 noch leicht abgemildert durch eine Transfergesellschaft, in der sie 80 Prozent ihres früheren Einkommens erhalten. Rund 360 ehemalige Mitarbeiter sind dort derzeit noch beschäftigt, die übrigen haben inzwischen neue Jobs gefunden.

Der 58-jährige Georg Greiling ist einer der "letzten Mohikaner von BenQ", wie er sich und seine Kollegen nennt. Die vergangenen Monate hat er Insolvenzverwalter Martin Prager dabei geholfen, die Formalien abzuwickeln und noch so viel Geld wie möglich für die Insolvenzmasse herauszuholen. Nun ist das weitgehend erledigt. "Ich habe schon sehr wehmütige Gefühle", sagt Greiling, "schließlich habe ich über Jahrzehnte etwas mit aufgebaut und muss nun zusehen, wie es zugrunde geht."

1979 hatte der studierte Betriebswirt bei Siemens angefangen. Er stieg ins mittlere kaufmännische Management auf. Die Telekommunikation war sein Bereich. Sorgen um den Arbeitsplatz machte sich Greiling in den ersten 20 Jahren eigentlich nie. Schließlich war er bei Siemens angestellt. Etwas Sichereres habe man sich damals kaum vorstellen können.

"Chance, etwas ganz Neues anzufangen"

Doch nach dem Verkauf der Mobilfunksparte an den taiwanesischen Konzern BenQ und die folgende Pleite muss der Vater von drei Kindern, von denen zwei noch in der Ausbildung stecken, nun noch einmal von vorn anfangen, obwohl er mit Siemens bereits einen Altersteilzeitvertrag abgeschlossen hatte. "Es wird schwierig, einen vergleichbaren Job zu finden - in meinem Alter", sagt Greiling ganz nüchtern. Natürlich ist er traurig über die Entwicklung, aber er will nicht aufgeben: "Ich sehe das als Chance, etwas ganz Neues anzufangen."

Ein Problem dabei sei aber, dass ihm die finanzielle Basis fehlt. Wenn die Beschäftigungsgesellschaft ausläuft, bekommt er zweieinhalb Monatsgehälter als Überbrückungsgeld. Und das war's. Greiling ärgert daran vor allem, dass seine lange Betriebszugehörigkeit zu Siemens sich nicht in der Abfindungshöhe niederschlägt. "Man fühlt sich ungerecht behandelt, da kriegt man schon die Wut." Zumal die ehemalige Muttergesellschaft Siemens und die IG Metall ausgehandelt haben, dass bei seinen früheren Kollegen am BenQ-Standort im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort die Dauer der Betriebszugehörigkeit berücksichtigt wird.

Neun Monate seit dem am 29. September 2006 gestellten Insolvenzantrag hat Greiling für den Insolvenzverwalter gearbeitet. Alle paar Wochen wurde die Zahl der noch beschäftigten Kollegen kleiner. Immer mehr Räume des großen Gebäudes standen leer. "Man kommt morgens hier rein, und es ist wie in einem Geisterhaus", beschreibt Greiling die Atmosphäre. Leere Gänge, ausgeräumte Büros. "Und die noch übrig gebliebenen Pflanzen vertrocknen." Ziemlich deprimierend sei das für die letzten sieben BenQler, die sich auf drei Büros verteilen. "Immerhin habe ich jetzt einen eigenen Haustürschlüssel für das Gebäude", versucht es Greiling mit Humor.

Es kommt immer noch Kundenpost

Das Empfangspersonal hat der Insolvenzverwalter längst heimgeschickt. Damit Gäste und Lieferanten sich melden können, haben die noch verbliebenen selbst eine Wechselsprechanlage an der Eingangstür installiert. Stapelweise kommt noch immer Post in der ehemaligen Unternehmenszentrale an. Fachmagazine, Werbung und auch weiterhin Briefe von Kunden, die zum Beispiel Fragen zu ihren Handys haben. "Unseren Möglichkeiten, den Leuten zu helfen, sind aber Grenzen gesetzt", betont Greiling. Und am Freitag ist für ihn ganz Schluss damit.

Ulrich Meyer/DDP / DDP