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Benzin, Strom, Gas: Energiekosten treiben Inflation auf Rekordniveau

Preistreiber Energie: Besonders für Benzin, Heizöl, Strom und Gas müssen die Verbraucher immer mehr bezahlen. Die Inflation kletterte im Juli auf ein Rekordniveau von 2,4 Prozent - eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Trotz des nachlassenden Aufschwungs zieht die Inflation in Deutschland wieder an. Im Juli kosteten Waren und Dienstleistungen durchschnittlich 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch nach einer ersten Schätzung mitteilte. Preistreiber waren im Juli erneut Benzin und Heizöl mit zweistelligen Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr, aber auch die Gas- und Stromkosten zogen an. Viele Versorger hatten ihre Preise zum 1. Juli erhöht. Von Juni auf Juli stiegen die Lebenshaltungskosten um 0,4 Prozent, vor allem Ferienaktivitäten wurden in der Urlaubszeit teurer.

Die Inflationsrate liegt nun wieder auf dem Zweieinhalb-Jahreshoch von April. Experten hatten damit gerechnet, dass die Jahresteuerung auf dem Juni-Niveau von 2,3 Prozent verharrt. Für die nächsten Monate rechnen viele Fachleute damit, dass die Inflation weiter steigt. "Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht", sagte Thilo Heidrich von der Postbank. "Die Erzeuger- und die Importpreise sorgen weiter für Druck. Die Inflation dürfte gegen Ende des Jahres auf dem Höhepunkt bei 2,8 oder 2,9 Prozent liegen."

Drei-Prozent-Marke in Sicht

Unicredit-Experte Alexander Koch geht davon aus, dass zahlreiche Unternehmen die Chance nutzen wollen, steigende Kosten weiterzureichen. "Viele Firmen wollen in nächster Zeit ihre Preise noch anheben." Deshalb werde auch die Inflation weiter anziehen. "Zum Jahresende könnten wir an der Drei-Prozent-Marke kratzen."

Bis zu einer Teuerung von knapp unter zwei Prozent sieht die Europäische Zentralbank (EZB) stabile Preise gewährleistet. Anfang Juli hat sie im Kampf gegen die Inflation die Leitzinsen im Euro-Raum auf 1,5 Prozent erhöht. Kommenden Donnerstag werden die Währungshüter bei ihrer Zinssitzung nach Ansicht von Experten allerdings nicht weiter nachlegen. Für schwächelnde Euro-Staaten, die sich mit der Erholung ohnehin schwer tun, mag dies ein gutes Zeichen sein. Für die heimische Wirtschaft eher nicht, wie Commerzbankerin Ulrike Rondorf betonte: "Die EZB kann ihre Geldpolitik nicht an der prosperierenden deutschen Wirtschaft ausrichten, was die Inflationsrisiken in Deutschland beträchtlich erhöht."

Tanken deutlich teurer als vor einem Jahr

In Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg schnellte die Jahresteuerung je auf 2,7 Prozent hoch. Im NRW war es der höchste Stand seit August 2008, im Südwesten der höchste Stand seit Oktober 2008. Ohne Mineralölprodukte wie Heizöl und Kraftstoffe hätte die Inflationsrate in Baden-Württemberg nach Angaben des Statistikamtes nur bei 1,9 Prozent gelegen. Die Bürger mussten beim Tanken deutlich tiefer in die Tasche greifen als vor Jahresfrist. In den einzelnen Bundesländern kostete Kraftstoff zwischen elf und rund 13 Prozent mehr. Auch Gas und Strom wurden teurer.

Dass steigende Preise die Verbraucher trotz des Aufschwungs nicht kalt lassen, zeigte jüngst die GfK-Konsumklima. Die Stimmung der Verbraucher sank zuletzt in vier von fünf Monaten. Im März hatte das Barometer noch das höchste Niveau seit Herbst 2007 erreicht.

joe/Reuters/DPA / DPA / Reuters