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Betrugsprozess: Vierteljahrhundert Haft für Enron-Boss

Der ehemalige Manager des US-Energiekonzerns Enron, Jeffrey Skilling, ist wegen Verschwörung und Betrug zu einer Haftstrafe von 24 Jahren veruteilt worden. Für das Millionen-Vermögen von Skilling dachten sich die Richter etwas Besonderes aus.

Wegen Betrugsgeschäften vor dem Zusammenbruch des US-Energiekonzerns Enron ist der ehemalige Manager Jeffrey Skilling zu einer Haftstrafe von 24 Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Richter Sim Lake verkündete das Strafmaß in Houston. Der 52-Jährige war bereits im Mai der Verschwörung und des Betrugs schuldig gesprochen worden - ebenso wie Enron-Gründer Kenneth Lay, der im Juli im Alter von 64 Jahren starb. Richter Lake lehnte den Antrag Skillings ab, gegen Zahlung einer Kaution zunächst auf freiem Fuß zu bleiben. Er bewilligte ihm aber, sich bis zum Antritt der Haftstrafe im eigenen Hause aufhalten zu können, wobei Skilling eine elektronische Fußfessel tragen muss.

Lake empfahl der Justizverwaltung, Skilling in das Gefängnis in Butner, North Carolina, einzuweisen. Bei guter Führung kann der Straftäter 54 Tage für jedes Jahr seiner Haft erlassen bekommen. Außerdem kann er ein Jahr Haftverschonung erhalten, wenn er sich erfolgreich einer beratenden Therapie wegen Alkoholkonsums und psychischer Probleme unterzieht. "Seine Verbrechen haben hunderte, wenn nicht tausende zu einer lebenslangen Strafe der Armut verurteilt", sagte der Richter.

Enron-Pleite schrieb Wirtschaftsgeschichte

Im Mittelpunkt des Verfahrens standen Scheingeschäfte, mit denen ein überhöhter Konzerngewinn ausgewiesen wurde. Die Insolvenz von Enron im Jahr 2001 war eine der größten Pleiten in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. Tausende wurden arbeitslos, die Wall Street musste Milliardenverluste an Vermögenswerten hinnehmen. Das Energieunternehmen zählte einst zu den zehn größten Konzernen der USA und beschäftigte weltweit 20.000 Mitarbeiter.

Der ehemalige Finanzchef von Enron, Andrew Fastow, wurde im September zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich schuldig bekannt und bei den Ermittlungen gegen Skilling geholfen. Dieser erklärte sich bis zuletzt für unschuldig, äußerte aber während der zweistündigen Urteilsverkündung Bedauern für das, was geschehen ist.

Von den verbliebenen Vermögenswerten Skillings, etwa 60 Millionen Dollar, sollen 45 Millionen in einen Opferfonds fließen. Mit dem Rest sollen Anwalts- und Gerichtsgebühren bezahlt werden. Vor dem Gerichtsgebäude kündigte Skilling an, er werde Berufung einlegen. Der gegen ihn verhängte Schuldspruch erstreckt sich auf 19 Fälle von Betrug, Verschwörung, Insider-Handel und falscher Angaben gegenüber den Rechnungsprüfern; freigesprochen wurde er in neun Anklagepunkten des Insider-Handels. Eine höhere Strafe in einem Wirtschaftsdelikt erhielt zuletzt nur WorldCom-Vorstandschef Bernard Ebbers, der wegen seiner Beteiligung an Bilanzbetrug zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde.

AP / AP