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Börse: Dax rutscht unter 7500 Punkte

Der deutsche Aktienindex ist im Sinkflug - er liegt rund neun Prozent unter dem Rekordwert vor zwei Wochen. Vor allem Finanzwerte verlieren, darunter die Aktie der deutschen Börse. Sorgen bereitet den Anlegern unter anderem die Krise des US-Hypothekenmarkts.

Die Pessimisten haben auch am Freitag die Oberhand am deutschen Aktienmarkt behalten. Der Dax setzte unter heftigen Schwankungen und bei außerordentlich hohen Umsätzen seine Talfahrt fort und notierte am Nachmittag 0,6 Prozent tiefer bei 7463 Punkten. Kurz nach Handelsbeginn war der Leitindex sogar um mehr als 100 Punkte auf fast 7370 Zähler abgerutscht. Im weiteren Verlauf drehte der Markt dann zeitweilig sogar ins Plus, und der Dax lugte kurz über die Marke von 7500 Zählern.

Börsianer führten wie in den vergangenen Tagen die Furcht der Anleger vor einem Übergreifen der US-Hypothekenkrise auf andere Bereiche wie die Kreditmärkte oder den US-Konsum als Grund für die massiven Aktienverkäufe an. "Es wollen alle zur gleichen Tür hinaus, und da wird's natürlich ein bisschen eng am Ausgang", kommentierte Händler Dirk Müller von ICF Kursmakler. In den vergangenen drei Handelstagen hatte der Dax bereits 5,5 Prozent verloren. Seit seinem Rekordhoch vor zwei Wochen bei 8151 Punkten beträgt der Abschlag inzwischen sogar rund neun Prozent.

Der lnagfristige Aufwärtstrend ist intakt

Ein mit 3,4 Prozent etwas stärker als erwartet ausgefallenes US-Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal gab dem deutschen Markt am Nachmittag Auftrieb. Boris Boehm, Fondsmanager bei Nordinvest, sieht trotz der jüngsten Kursverluste den langfristigen Aufwärtstrend intakt. "Der Dax hat in den vergangenen Monaten eine fulminante Rally hingelegt, dass sich da mal eine Korrektur einstellt, ist ganz natürlich", sagte er.

Zu den größten Verlierern bei den Standardwerten zählten die Papiere der Deutschen Börse mit einem Abschlag von 2,8 Prozent. Börsianer erklärten dies mit der Erwartung nachlassender Handelsumsätze an den Aktienmärkten. "Viele haben die Befürchtung, dass sich einige Anleger die Finger verbrannt haben könnten und den Märkten dann künftig fern bleiben", sagte ein Händler. Angesichts der Krise am US-Hypothekenmarkt und zunehmender Schwierigkeiten bei Firmenkrediten trennten sich die Anleger von Finanzwerten. Die Aktien der Commerzbank gaben 1,75 Prozent, die Titel der Deutschen Bank 1,1 Prozent nach.

Ausblick von Infineon überzeugt Anleger

Die Hoffnung auf Besserung nach tiefroten Zahlen im vergangenen Quartal trieb die Aktien des Chipherstellers Infineon 2,5 Prozent nach oben. Infineon sehe Anzeichen für ein besseres Ergebnis und einen Umsatzanstieg im laufenden Quartal, sagte ein Händler. "Das freut offenbar einige Anleger." Zudem hatte Infineon mitgeteilt, seine verlustreiche Tochter Qimonda loswerden zu wollen.

Auch Volkswagen gehörte zu den Lieblingen der Börsianer. Die Papiere von Europas größtem Autobauer verteuerten sich um 2,9 Prozent und waren damit die größten Gewinner im Dax. "Der Ausblick, den sie hoch genommen haben, hilft", sagte ein Händler. "Bei VW sieht man, dass die Restrukturierung gegriffen hat. Es läuft wieder."

Siemens - von den Börsianern in den vergangenen zwei Tagen noch abgestraft - erholten sich wieder und zogen um 1,8 Prozent an. Zusätzlich half ein positiver Analystenkommentar der Deutschen Bank.

Immer tiefer nach unten ging es im TecDax für die Aktie von GPC Biotech. Nach dem Rückschlag bei der angestrebten US-Zulassung seines Krebsmittels Orplatna sieht sich das Biotechunternehmen mit einer Klage in den USA konfrontiert. Die Aktie brach um 13 Prozent ein.

Reuters / Reuters