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Börsencrash: Domino-Effekt erreicht Asiens Börsen

Rund um den Erdball das gleiche Szenario: Die Börsen befinden sich im freien Fall. Nach Verlusten von 10 Prozent innerhalb einer Stunde wurde in Indien der Handel sogar für eine Stunde ausgesetzt. Politiker warnen vor einem globalen Domino-Effekt - und mahnen zur Ruhe.

Auch nach dem "Schwarzen Montag" ist ein Ende der weltweiten Kurstalfahrt nicht in Sicht: In Asien und Australien stürzten die Kurse am Dienstag aus Angst vor einer von den USA ausgehenden Rezession im Vormittagshandel bis zu 10 Prozent ab, in Indien wurde der Handel deswegen nur wenige Minuten nach der Eröffnung für eine Stunde ausgesetzt. Neben Bombay waren Hongkong mit 8,0 und Australien mit 7,1 Prozent die großen Verlierer.

In Tokio ging der Nikkei-Index im Nachmittagshandel um 5,1 Prozent zurück. Am Vortag war das japanische Börsenbarometer um 3,9 Prozent gefallen. Seit Jahresbeginn hat der Nikkei 17 Prozent verloren. Wirtschaftsministerin Hiroko Ota warnte vor einem globalen Domino-Effekt: "Wir müssen in dieser Sache mit anderen zusammenarbeiten", sagte sie. Die Zentralbank ließ unterdessen einen zentralen Tagesgeldsatz unverändert bei 0,5 Prozent.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat angesichts der schweren Verluste an der Frankfurter Börse vor einer übertriebenen Panik gewarnt. Dies führe nur zu Kollateralschäden, was niemand wolle, sagte Glos am Montagabend in einem ZDF-Interview. "Natürlich gibt es da schon Anlass, nervös zu werden", erklärte Glos mit Blick auf den größten prozentualen Tagesverlust am DAX seit den September-Anschlägen in den USA.

Glos warnt vor übertriebener Börsen-Panik

Man müsse aber nur auf die Fakten schauen, um zu sehen, dass die deutsche Volkswirtschaft gut aufgestellt sei, fuhr der CSU-Minister fort. Auch die großen Schwellenländer würden ein gesundes Wachstum aufweisen. "Ich sehe nicht, dass wir zu einer raschen, durchgreifenden Depression kommen, sondern ich sehe Wachstumschancen für die Weltwirtschaft", sagte Glos.

Einem Notpaket der Bundesregierung - ähnlich dem von US-Präsident George W. Bush geplanten Konjunkturprogramm - erteilte der Minister eine Absage. Dafür gebe es derzeit noch keinen Grund. Schließlich seien in Deutschland nur ganz wenige Banken von der Krise betroffen. Die meisten Großbanken seien dagegen in Ordnung. Wenn sich die Lage aber dennoch verschlechtern sollte, würde er in erster Linie an Steuersenkungen denken, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen.

Aus Angst vor einer Rezession in den USA und den Folgen für die Weltwirtschaft brachen am Montag die Aktienkurse an vielen Börsen weltweit ein. Wegen eines Feiertages waren in den USA die Börsen geschlossen. Deswegen wird mit Spannung der Handel an der Wall Street am Dienstag erwartet. Vorbörsliche Indikatoren deuteten aber auf einen Rückgang des Dow-Jones-Indexes um bis zu 4,1 Prozent hin. Der Deutsche Aktienindex (DAX) büßte am Montag mehr als 7 Prozent ein und erlitt damit den schlimmsten Einbruch seit den Anschlägen vom 11. September 2001.

Handel für eine Stunde ausgesetzt

Der Börsenhandel in Indien wurde nach einem Kurssturz von 9,75 Prozent in den ersten Minuten nach Eröffnung gestoppt. Das Kursbarometer Sensex stürzte in Bombay um 1.716 Punkte auf 15.888, an der rivalisierenden National Stock Exchange erreichte der Sturz sogar 12 Prozent: Hier fiel der S&P Nifty 630 Punkte auf 4.578. Als die Märkte die Zehn-Prozent-Marke erreichten, wurde der Handel für eine Stunde ausgesetzt. Danach wurde der Handel wieder aufgenommen.

In Australien stürzte das Kursbarometer auf ein 15-Monats-Tief: Erneut 7,1 Prozent Verlust bedeuteten bei einem Stand von 5.186,85 Punkte eine Wertminderung des S&P/ASX200 von 23 Prozent gegenüber dem Rekordstand von 6.851 Punkten am 1. November. Es war zudem der zwölfte Tag mit Kursverlusten in Folge und der tiefste Kurssturz an einem Tag seit Oktober 1997. Ein Kursrückgang von 20 Prozent definiert eine Börsenbaisse. Auch in Hongkong hat der Hang Seng seit Jahresbeginn 22 Prozent verloren. Auch in Südkorea, Singapur, Taiwan, Indonesien, den Philippinen sowie Neuseeland gab es kräftige Abschläge. "Solange wir nicht einige positive 'Schock-Effekte' wie etwa drastische Maßnahmen der US-Regierung bekommen, gibt es keine Hoffnung auf eine Kurserholung", sagte der leitende Analyst des Mizuhu-Forschungsinstituts in Tokio, Koji Takeuchi.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters