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Datenaffäre: Bahn-Vorstände schwer belastet

In der Datenaffäre bei der Bahn geraten nun auch die Vorstände Margret Suckale und Norbert Bensel stark unter Druck. Hochrangige Mitarbeiter werfen ihnen vor, in den Skandal verstrickt zu sein.

Von Leo Klimm und Jens Tartler

Margret Suckale und Norbert Bensel sollen als Personalvorstände der Herausgabe von Mitarbeiterdaten für heimliche Massenscreenings zugestimmt haben. Suckale sei zudem frühzeitig in die Kooperation der Bahn mit teils illegal operierenden Detekteien eingeweiht gewesen, hieß es aus Konzernkreisen.

Bislang bestreitet die Bahn-Spitze, von der systematischen Überprüfung der Mitarbeiter gewusst zu haben. Der heutige Logistikvorstand Bensel war von 2002 bis 2005 Personalvorstand, darauf folgte Suckale - die zuvor die Rechtsabteilung leitete. Auch der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte jede Beteiligung an Spähaktionen stets zurückgewiesen. Auf Druck der Regierung hatte er Ende März dennoch die Verantwortung für die Affäre übernommen und seinen Rücktritt angeboten.

Aufklärung hat absolute Priorität

Ein Bahn-Sprecher wollte die Vorwürfe gegen Bensel und Suckale nicht kommentieren. Er verwies auf den für kommende Woche angekündigten Abschlussbericht der Bahn-Sonderermittler, der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG sowie der Ex-Minister Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin. Mehdorns Nachfolger Rüdiger Grube bezeichnete die Aufklärung der Affäre als "absolute Priorität". Nach dem Bericht werde er "ein paar Tage benötigen, um strukturelle und personelle Maßnahmen einzuleiten".

Aus der Bahn-Zentrale hieß es, dass die Weitergabe von Mitarbeiterdaten an die Konzernrevision mit Bensel und später mit Suckale abgestimmt werden musste. Auch beim Abgleich unter dem Codenamen "Eichhörnchen" soll Bensel der Datenverwendung zugestimmt haben. Die Aktion sah vor, Führungskräfte der Bahn im Jahr 2003 durch die Detektei Network rastern zu lassen. Der Konzern hatte bis zuletzt beteuert, nicht gegen Datenschutzgesetze verstoßen zu haben.

Äußerste Diskretion gefragt

Suckale war als Chefin der Rechtsabteilung Bahn-internen Papieren zufolge dabei, als im damaligen "Lenkungskreis Compliance" die Zusammenarbeit mit Dienstleistern wie Network erörtert wurde. So wurde am 5. Mai 2004 äußerste Diskretion im Umgang mit diesen Firmen empfohlen. In der Sitzung vom 1. März 2004, in der es nach Angaben des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix auch um Network ging, war Suckale nach Informationen der "Financial Times Deutschland" zumindest zeitweise anwesend.

Ob Mehdorn über die Mitarbeiterkontrollen informiert war, ist weiter unklar. Insidern zufolge soll er aber aus Verärgerung über Medienberichte den Anstoß zum Projekt "Leakage" gegeben haben. Dabei wurden E-Mails der Mitarbeiter systematisch nach Kontakten zu Bahn-Kritikern gefiltert.

FTD