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Dax auf Jahrestief: Anleger verlieren Vertrauen in Krisenmanagement

Talfahrt auf dem Aktienmarkt: Der Dax setzt seine Negativ-Serie fort, Eurostoxx und DowJones schließen im Minus. Experten gehen davon aus, dass sich die Anleger noch stärker aus dem Aktienmarkt zurückziehen. Das Vertrauen in eine Bewältigung der Schuldenkrise ist zutiefst erschüttert.

Schwindendes Vertrauen in das Krisenmanagement von Politik und Notenbanken hat Anleger am Donnerstag in Scharen aus dem Aktienmarkt vertrieben. "Alle wissen, dass viele Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben, aber niemand hat eine Lösung, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist", sagte ein Börsianer. Daran änderten auch Rettungsschirme und Anleihekäufe nichts. "Denn damit ist die Krise noch lange nicht überwunden."

Der Dax beendete den Xetra-Handel 3,4 Prozent im Minus bei 6414,76 Punkten und verbuchte damit seinen siebten Tagesverlust in Folge. Dies ist die längste Negativ-Serie seit zweieinhalb Jahren. Das Minus der vergangenen Tage summiert sich auf rund etwa 13 Prozent. Dadurch schrumpfte der Börsenwert aller 30 im deutschen Leitindex gelisteten Unternehmen um knapp 100 Milliarden Euro. Dies entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung Neuseelands.

Der EuroStoxx50 büßte am Donnerstag 3,3 Prozent auf 2415,86 Zähler ein. Die Leitindizes der beiden Krisen-Staaten Italien und Spanien brachen um jeweils rund 3,5 Prozent ein. Auch an der Wall Street standen die Zeichen auf Verkauf: Der US-Standardwerteindex Dow Jones notierte 2,3 Prozent schwächer. Für Jean-Yves Dumont, Investment-Experte bei Dexia Asset Management, ist die Talsohle noch lange nicht erreicht. "Die Leute verabschieden sich in großem Stil aus Aktien. Punkt. Und es wird eine Weile dauern, bis sie zurückkehren."

EZB warnt vor Inflation: Italien-Renditen über sechs VH

Für trübe Stimmung am Aktienmarkt sorgte die schwindende Hoffnung auf ein baldiges Ende der Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB). "Das ist Gift für den Markt", betonte ein Aktienhändler. "Denn das letzte, was sich die Euro-Zone in der aktuellen Wirtschaftslage leisten kann, sind Zinserhöhungen. Auf der anderen Seite ist es die einzige Möglichkeit, die Inflation in den Griff zu bekommen."

EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte in einer Pressekonferenz zwar auf die Verlangsamung des Wachstums hingewiesen, gleichzeitig aber vor Inflationsrisiken gewarnt. Volkswirt Thomas Amend von HSBC Trinkaus wertete dies als Hinweis darauf, dass die Notenbank mehr Zeit zwischen Zinserhöhungen verstreichen lassen, auf diese aber nicht ganz verzichten wird.

Die Ankündigung der EZB, ihr Anleiheankaufprogramm fortzusetzen, brachte nur kurzzeitig Entspannung. Die Renditen der zehnjährigen italienischen Anleihen bewegten sich am Abend bei etwa 6,2 Prozent. Der Risikoaufschlag (Spread) zu den entsprechenden deutschen Titeln, der sich zeitweise auf 357 Basispunkte verengt hatte, lag bei knapp 400 Basispunkten.

Beiersdorf-Zahlen überzeugen - ProSieben im Minus

Beiersdorf und Adidas überzeugten Anleger mit ihren Geschäftszahlen. Dem Sog des Gesamtmarktes konnten aber auch sie sich nicht entziehen. Mit einem Kursminus von jeweils etwa 0,5 Prozent waren sie aber die Spitzenreiter im Dax. Ähnlich erging es auch den Aktien der Swiss Re, die trotz starker Zahlen ebenfalls 0,5 Prozent auf 39,95 Franken nachgaben. Konkurrent Münchener Rück verbuchte sogar ein Kursminus von 2,3 Prozent auf 95,52 Euro. Die Analysten der DZ Bank monierten hier die vergleichsweise hohe Schaden-Kosten-Quote von 99,6 Prozent.

Trotz eines Quartalsergebnisses über Markterwartungen brachen ProSiebenSat.1 um 6,4 Prozent auf 15,63 Euro ein. Analystin Sonia Rabussier von Silvia Quandt Research bemängelte, dass die TV-Senderkette ihre Gesamtjahresziele nicht angehoben hatte. Außerdem hatte ProSieben für 2011 nur ein moderates Wachstum des deutschen Werbemarktes vorhergesagt.

Reuters / Reuters