HOME

Deutsche Bahn: Lokführer wollen erst nach Feiertags-Wochenende streiken

Die Lokführer haben in einer Urabstimmung für weitere Streiks gestimmt. Diese sollen jedoch erst nach dem verlängerten Wochenende stattfinden. Die GDL will außerdem ein neues Angebot der Bahn prüfen.

Bahnkunden müssen sich auf weitere Streiks gefasst machen - aber erst in der kommenden Woche. In einer Urabstimmung der Lokführer-Gewerkschaft GDL hatten 91 Prozent für Arbeitsniederlegungen votiert. "Wir haben mit einer großen Zustimmung des Zugpersonals gerechnet, dieses Ergebnis ist jedoch absolut überzeugend", sagte GDL-Chef Claus Weselsky nach Auszählung der Stimmen von mehr als 16.000 Mitgliedern. Über das verlängerte Wochenende will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) aber nicht zum Streik aufrufen.

Die Gewerkschaft will nach Weselsky Worten zunächst ein neues Bahn-Angebot prüfen und sich dazu am Montag äußern. Nach einer ersten Durchsicht bleibe er aber skeptisch. Die GDL werde dennoch verantwortungsvoll mit ihrer Streikmacht umgehen. "Wir werden Schritt für Schritt den Druck erhöhen", kündigte Weselsky an. Die Deutsche Bahn kritisierte die Haltung der GDL. "Wir versuchen, uns bestmöglich vorzubereiten", erklärte ihr Personalvorstand Ulrich Weber. Allerdings sei das schwierig, weil unklar sei, wann, wo und wie lange gestreikt werde.

Bahn kritisiert mangelnde Gesprächsbereitschaft

Das Management des Staatskonzerns warf der Lokführer-Gewerkschaft mangelnde Gesprächsbereitschaft vor. "Wir können nur zu Ergebnissen kommen, wenn ein Partner da ist, mit dem wir sprechen können", sagte Weber. Angesichts der harten Haltung der Gegenseite sehe er derzeit für eine Schlichtung "noch keinen Raum". Wenn über Streiks gesprochen werde, gehe es um täglich über fünf Millionen Bahnkunden. Weber kündigte Gespräche mit Bahn-Mitarbeitern - auch von der Konkurrenzgewerkschaft EVG - darüber an, wer im Zuge von Einsatz- und Schichtplänen im Streikfall zur Arbeit bereit sei.

Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn, eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei auf 37 Stunden und zudem bessere Schichtpläne. Ein zentraler Punkt des Konflikts ist außerdem der Anspruch der GDL, künftig neben den Lokführern auch Zugbegleiter und Rangierführer vertreten zu wollen. Darüber streitet sich die Lokführer-Gewerkschaft auch mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Gesetz zur Tarifeinheit geplant

Die Bahn lehnt rivalisierende Verhandlungen und Tarifabschlüsse für gleiche Berufsgruppen ab. Sie schlug zuletzt vor, die Tarifverhandlungen solange auszusetzen, bis die gesetzliche Grundlage geklärt ist. In der Zwischenzeit sollen die Lokführer bis zur Fortsetzung von Verhandlungen eine Zulage von zwei Prozent erhalten.

Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Tarifeinheit, wonach in einem Konzern nur der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gelten soll. Damit will sie Konflikte zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften entschärfen. Kleine Spartengewerkschaften wie die GDL oder die Pilotengewerkschaft Cockpit sehen dadurch ihr Streikrecht eingeschränkt. Das Vorhaben ist ihnen daher ein Dorn im Auge.

In der vergangenen Woche war ein erneuter Versuch gescheitert, wieder Bewegung in die festgefahrenen Bahn-Tarifverhandlungen zu bringen. Die Lokführer hatten bereits zwei mal für drei Stunden gestreikt und damit den Zugverkehr bundesweit erheblich durcheinandergewirbelt. Parallele Streiks der Lokführer und der Lufthansa-Piloten, deren Tarifkonflikt sich zuletzt ebenfalls verschärft hatte, will die GDL jedoch vermeiden.

kis/Reuters / Reuters