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Deutsche Bahn: Warten auf den Streik

Schlechte Nachrichten für Pendler: Wegen der Zuspitzung im laufenden Tarifkonflikt könnte es in den kommenden Tagen zu erheblichen Störungen des Zugverkehrs kommen. Die Gewerkschaft der Lokführer drohte mit "massivem Stillstand". Eine Hotline soll Kunden informieren.

Die Deutsche Bahn bereitet sich angesichts des schwelenden Tarifkonflikts auf Störungen des Zugverkehrs durch Warnstreiks vor. Zwar wollten die Bahn und die Gewerkschaften Transnet und GDBA am Samstagnachmittag einen letzten Versuch unternehmen, vor Ende der Friedenspflicht einen neuen Tarifvertrag für rund 134. 000 Beschäftigte auszuhandeln. Doch die Vorstellungen beider Seiten lagen vor Verhandlungsbeginn weit auseinander. Unmittelbar nach Ende der Friedenspflicht um Mitternacht wären damit bereits am Sonntag Warnstreiks möglich.

Lokführer drohten schon

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) hat für die kommende Woche einen bundesweiten Streik angedroht, der den Bahnverkehr in allen Bereichen massiv behindern soll. GDL-Chef Manfred Schell sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", ein punktueller Streik bringe nicht die erhoffte Wirkung. Daher solle der Arbeitskampf flächendeckend über alle Transportbereiche - Güter-, Fern- und im Regionalverkehr - geführt werden. "Wir gehen davon aus, dass es massiven Stillstand geben wird." An welchem Tag der Ausstand stattfinden soll, werde am Montag bekannt geben, hieß es in dem Vorabbericht weiter.

Die Deutsche Bahn AG teilte am Samstag in Berlin mit, dass von sofort an eine Service-Hotline für die Fahrgäste geschaltet ist. Unter der kostenfreien Telefonnummer 08000 996633 können sich die Reisenden über eventuelle streikbedingte Behinderungen informieren. Die Bahn wies darauf hin, dass Fahrgäste, die ihre Reise wegen Verspätungen oder Zugausfällen nicht antreten können, ihre Fahrkarte kostenlos umtauschen oder den Preis erstatten lassen können.

"Flächendeckender Arbeitskampf"

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL), Manfred Schell, kündigte im "Tagesspiegel am Sonntag" einen Arbeitskampf an, der "flächendeckend über alle Transportbereiche, also im Güter-, Fern- und im Regionalverkehr" stattfinden solle. Ein punktueller Streik bringe nicht die erhoffte Wirkung. "Wir gehen davon aus, dass es massiven Stillstand geben wird." Die Entlohnung der Lokführer sei völlig ungerecht.

Schell verlangt ein Einstiegsgehalt von 2500 Euro statt der bisher gezahlten 1980 Euro. Er geht davon aus, dass sich 10.000 Lokführer und Zugbegleiter an Warnstreiks beteiligen werden. "Wir werden um das Verständnis der Fahrgäste werben und hoffen, dass wir sie nicht allzu lange behelligen müssen." Die GDL will einen eigenen Tarifvertrag für Lokführer und Zugbegleiter durchsetzen. Die Bahn lehnt Verhandlungen mit der GDL bisher ab. Von den 31.500 Angehörigen des Fahrpersonals sind nach Schätzungen etwa 40 Prozent in der GDL organisiert.

Positionen liegen weit auseinander

Transnet und GDBA fordern sieben Prozent mehr Lohn für die 134.000 Beschäftigten, mindestens aber 150 Euro im Monat. Die Bahn hatte eine Lohnerhöhung für 2008 und 2009 von jeweils zwei Prozent sowie eine Einmalzahlung von 300 Euro angeboten. Die Gewerkschaften haben dies als Farce abgelehnt, allerdings auch die Bereitschaft bekundet, bei einem verbesserten Angebot über das Ende der Friedenspflicht hinaus weiterzuverhandeln. Die Tarifkommission soll am Sonntagnachmittag über das weitere Vorgehen beraten.

DPA/Reuters / DPA / Reuters