Deutsche Flugsicherung Luftverkehr droht Kontrollverlust


Die Jahresbilanz der Deutschen Flugsicherung offenbart keine rosigen Zahlen. Weil die aber immer mehr Flüge zu kontrollieren hat, gehen die Airlines nun auf Konfrontationskurs.

Die vor der Privatisierung stehende Deutsche Flugsicherung (DFS) hat im vorigen Jahr trotz eines stärkeren Flugverkehrs an Umsatz und Gewinn eingebüßt. Der Grund dafür seien die gesunkenen Gebühren gewesen, teilte das Unternehmen in Langen bei Frankfurt mit. Der Umsatz sei um knapp fünf Prozent auf 882 Millionen gesunken, der Jahresüberschuss habe sich auf 18 Millionen Euro halbiert. Die Zahl der Flüge im deutschen Luftraum, die die DFS-Lotsen zu kontrollieren hatten, sei dagegen um 5,4 Prozent auf 2,9 Millionen gestiegen. Das Verkehrswachstum halte auch 2006 an.

Weiterer Umsatzrückgang erwartet

Bis zur Jahresmitte verzeichne die DFS einen Zuwachs von vier Prozent. Dennoch sei für 2006 wegen der erneut reduzierten Gebühren mit einem weiteren Umsatzrückgang zu rechnen. Unter dem Strich werde es aber wieder einen Gewinn geben, teilte die DFS mit, von der der Bund bis zum Jahresende knapp 75 Prozent verkaufen will.

Die vorlegte Jahresbilanz erfolgte noch nach dem deutschen Handelsgesetzbuch. Eine Bilanz nach dem europäischen IFRS-Standard, die Grundlage für den Verkaufsprozess sein wird, soll in den kommenden Wochen erstellt werden. Dort werden zusätzliche Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen die Bilanz möglicherweise erheblich belasten. Die DFS plant deshalb für 2007 drastische Gebührenerhöhungen, was bei den Fluggesellschaften derzeit auf massive Kritik stößt. Der Gebührenstreit belastet auch die Verkaufspläne des Bundes.

Kaufinteresse an der DFS haben deutsche Fluggesellschaften wie Lufthansa, Air Berlin und der Reisekonzern TUI sowie zahlreiche internationale Finanzinvestoren angemeldet.

"Garant für die Sicherheit im deutschen Luftraum"

Die möglichen Käufer der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung (DFS) werden voraussichtlich im Spätherbst vorgestellt. Dies sagte Dieter Kaden, Vorsitzender der DFS-Geschäftsführung. Die Bundesrepublik will 74,9 Prozent ihrer Anteile verkaufen, aber eine Sperrminorität von 25,1 Prozent behalten. Kaden widersprach Gewerkschaftern, die durch die Privatisierung einen Rückgang der Sicherheit fürchten. "Die deutsche Flugsicherung wird das bleiben, was sie in den letzten Jahren immer war: Ein Garant für die Sicherheit im deutschen Luftraum."

Deutschlands führende Fluggesellschaften gehen bei der geplanten Privatisierung der bislang staatlichen Flugsicherung auf Konfrontationskurs zur Bundesregierung. Die Airlines halten den Verkauf von knapp 75 Prozent an der Deutschen Flugsicherung (DFS) an private Eigner zwar grundsätzlich für richtig, lehnen aber wichtige Elemente des Planes ab. Sie werfen dem Bund vor, er wolle lediglich abkassieren und tue gleichzeitig zu wenig, die Überwachung des Luftverkehrs in und über Deutschland durch die DFS-Fluglotsen effektiver und kostengünstiger zu machen.

Mehrkosten befürchtet

Die Fluggesellschaften befürchteten, dass im Zuge der Privatisierung auf sie und damit auf die Passagiere erhebliche Mehrkosten zukämen, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold als Präsident des neu formierten Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) in Berlin. "Die Bundesregierung will mit dem Verkauf offensichtlich nur Kasse machen", warf der Verbandschef der Regierung vor. Es fehlten konkrete Maßnahmen, die Flugsicherung mit 5000 Beschäftigten effizienter zu machen. Stattdessen sollten den Mitarbeitern 15 Jahre lang jährlich drei Prozent mehr Gehalt garantiert werden. "Das gibt es in keinem Unternehmen", sagte Hunold.

Die Fluglinien, die selbst im Rahmen eines Bieterkonsortiums bei der Flugsicherung einsteigen wollen, stoßen sich insbesondere an 1,2 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen. Diese sollen auf die neuen Eigentümer übergehen und machen zusätzliche Rückstellungen notwendig. Die Fluggesellschaften fordern laut Hunold, dass der Bund die Pensionszusagen übernehmen müsse, ähnlich wie bei früheren Privatisierungen von Bahn und Post. Bislang ist geplant, für Rückstellungen bei der DFS im nächsten Jahr die Flugsicherungsgebühren um fast 13 Prozent zu erhöhen.

Das Verkehrsministerium wies die Kritik zurück. "Die polemischen Vorwürfe des BDF sind unzutreffend", sagte ein Sprecher. Es gehe der Regierung darum, die DFS für die Neuordnung der Flugsicherungen in Europa in eine gute Position zu bringen. Die Rückstellungen seien nach EU-Vorgaben völlig unabhängig von der Privatisierung notwendig.

Reuters Reuters

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