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Von wegen A+++: Warum Haushaltsgeräte viel mehr Strom verbrauchen als angegeben

Kühlschränke, Geschirrspüler und Fernseher werben meist mit beeindruckender Energieeffizienz. Eine Studie von Umweltorganisationen zeigt: Mit der Realität haben die schönen Energielabel nicht allzu viel zu tun.

Einen Kühlschrank macht man üblicherweise auch mal auf und zu. In den Normtests ist das aber nicht berücksichtigt.

Einen Kühlschrank macht man üblicherweise auch mal auf und zu. In den Normtests ist das aber nicht berücksichtigt.

Wer ein stromsparendes Haushaltsgerät kaufen will, hat es gar nicht so leicht. Zwar prangt auf jedem Kühlschrank oder Fernseher ein Energieeffizienzlabel. Doch was dieses Label bedeutet, ist oft unklar. Gerade erst hat die EU beschlossen, all die verwirrenden Plusse zu streichen und die Skala wieder auf A bis G umzustellen. Ein grundsätzliches Problem wird damit aber nicht behoben: In der Praxis halten die Haushaltsgeräte oft gar nicht das, was ihr Label auf dem Papier verspricht.

Viele verbrauchen im Alltag deutlich mehr Energie als angegeben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf eine Studie mehrerer europäischer Umweltschutzorganisationen. Schuld an den teils drastischen Differenzen zwischen Labor und Wohnzimmer sind demnach vor allem nicht eindeutige und technisch veraltete Tests, nach denen der Verbrauch der Geräte gemessen wird. 

Energieverbrauch oft 20 bis 30 Prozent höher

Für ihre Studie ließen die Organisationen dem Bericht zufolge neue Tests entwickeln, die näher am Alltag und der aktuellen Technik sein sollen. So wurden beispielsweise Ultra-HD-Fernseher auch mit entsprechendem Videomaterial und der aktuellsten Software geprüft, bei der Verbrauchsmessung von Kühlschränken wurden auch die Türen geöffnet und geschlossen. So etwas ist in den Norm-Messungen nicht vorgesehen, auf deren Basis das EU-weite Energielabel zwischen "A+++" und "G" vergeben wird.

Je nach Gerät stieg der Verbrauch demnach häufig um 20 bis 30 Prozent, in einem Extremfall war er sogar mehr als doppelt so hoch, wie die "SZ" berichtet. Allerdings nennt die Studie weder Herstellernamen noch Modelle, weil jeweils nur ein Gerät getestet wurde. Offizieller Standard wären mindestens vier Geräte desselben Modells. Die Untersuchung könnte also angreifbar sein. Allerdings haben frühere Studien bereits ähnliche Ergebnisse geliefert


Industrie spricht bei Testverfahren mit

Die aktuelle Studie der Umweltschutzorganisationen Clasp, Ecos, EEB und Topten kritisiert zudem fehlende oder verwirrende Informationen für die Verbraucher, wenn sich durch veränderte Geräteeinstellungen oder eine neue Software der Stromverbrauch erhöhe. 


Durch strengere Design- und Effizienz-Vorgaben will die den Energieverbrauch in Europa bis 2020 um fast ein Zehntel senken. Jeder Haushalt könnte dadurch jährlich fast 500 Euro sparen, zugleich würden Klima und Umwelt geschont.

Die konkreten Verbrauchstests für die Geräte auszuarbeiten sei aber Sache der verschiedenen Standardisierungs-Organisationen, heißt es laut " " von der EU-Kommission. Dort handelten Vertreter aus Industrie, Forschung und Verbraucherschutz im Konsens entsprechende Normen aus. Diese anzupassen sei oft ein langwieriger Prozess. 

Von Geschirrspüler bis Fernseher: Strom-Schummel: Diese Haushaltsgeräte verbrauchen mehr Energie als angegeben
Ein Geschirrspüler des Herstellers OK spülte so schlecht, dass Intensivprogramme genutzt werden mussten, um ein sauberes Ergebnis zu erzielen. Der zusätzliche Stromverbrauch verursacht für einen Haushalt 23,46 Euro pro Jahr (Symbolbild).

Ein Geschirrspüler des Herstellers OK spülte so schlecht, dass Intensivprogramme genutzt werden mussten, um ein sauberes Ergebnis zu erzielen. Der zusätzliche Stromverbrauch verursacht für einen Haushalt 23,46 Euro pro Jahr (Symbolbild).

bak/AFP