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EuGh-Urteil: "In Wolfsburg beginnt jetzt eine neue Ära"

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat das Volkswagen-Gesetz für unvereinbar mit dem Recht der Europäischen Union erklärt. Politik und Wirtschaft kommentierten das Urteil recht unaufgeregt - nicht aber die Folgen.

LBBW-Analyst Frank Biller: "Über den Zeitpunkt der wahrscheinlichen Aufstockung des Anteils an VW durch Porsche kann man nur spekulieren. Wir gehen davon aus, dass vor der nächsten Hauptversammlung von VW kein zeitlicher Druck entsteht, da bis dahin keine Notwendigkeit für einen höheren Stimmrechtsanteil besteht."

NordLB-Analyst Frank Schwope:

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass Porsche noch in diesem Jahr die Mehrheit an VW übernimmt. Vielleicht verständigt man sich aber auch mit Niedersachsen und wartet die Landtagswahl (am 27. Januar) ab. Porsche hat keinen Druck und wird sicherlich nicht zu hohen Preisen kaufen. In Wolfsburg beginnt jetzt eine neue Ära."

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU): "Die Volkswagen AG ist durch die Beteiligung der Porsche AG und des Landes Niedersachsen vor dem Zugriff von Finanzinvestoren geschützt. Gegen Eigentümer mit mehr als 50 Prozent kann man nicht spekulieren."

Niedersachsen Finanzminister Hartmut Möllring (CDU):

"Eine Aufstockung (unseres Anteils an VW) haben wir nicht geplant. Wie stehen zu unserer VW-Beteiligung."

Niedersachsens Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP):

"Porsche und Niedersachsen haben sich zum Erhalt der Arbeitsplätze bei VW und der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit verbündet."

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh:

"Die Regierungen Europas haben anscheinend auch nach den massiven Protesten der Gewerkschaften gegen die EU-Dienstleistungsrichtlinie nicht verstanden, dass die EU arbeitnehmerfreundlicher und sozialer werden muss, wenn sie sich nicht endgültig von der Lebenswirklichkeit der Menschen verabschieden will."

Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine: "Mit dem Urteil des EuGH werden die Interessen des Kapitalmarktes höher bewertet als die der Beschäftigten und des Landes Niedersachsen."

BDI-Präsident Jürgen Thumann:

"Wir haben die Entscheidung erwartet, und in diesem Sinne war sie keine Überraschung. Das liegt auf einer Linie mit dem langfristigen Kurs zu einer vollständigen Liberalisierung, den wir vom BDI seit Jahren gefordert haben und unterstützen."

Professor Ferdinand Dudenhöffer, Fachhochschule Gelsenkirchen:

"Porsche wird relativ schnell seine Kaufpreisoptionen ausüben und auf 50 plus X gehen. Das Land Niedersachsen wird seinen Anteil von gut 21 Prozent voraussichtlich so schnell wie möglich abbauen und Kasse machen - am besten, bevor die Spekulationsblase im Kurs platzt."

Reuters / Reuters