Fehlspekulationen WestLB streicht 1500 Arbeitsplätze


Die Eigentümer der WestLB haben sich auf eine Risikoabschirmung für die angeschlagene Landesbank verständigt. Jährliche Einsparungen von 300 Millionen Euro sollen die Zukunft der Bank sichern, in einem ersten Schritt sollen 1500 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Die angeschlagene WestLB soll mit einem neuen milliardenschweren Hilfspaket der Eigentümer und einem massiven Stellenabbau wieder auf Kurs gebracht werden. Auf Druck von Finanzaufsicht und Bundesbank verständigten sich die chronisch zerstrittenen Eigner in einer nächtlichen Krisensitzung auf die dringend benötigten zusätzlichen Garantien in Höhe von drei Milliarden Euro. Dafür muss im Notfall der Steuerzahler aufkommen. Die WestLB will nun auf die vom Land gewünschte Fusion mit der Helaba hinarbeiten. Ob Bankchef Alexander Stuhlmann dann noch das Ruder in der Hand hält, ist unwahrscheinlich.

In einem Verhandlungsmarathon von Donnerstagnachmittag bis zum frühen Freitagmorgen hatten Aufsichtsrat und Eigner das Rettungspaket geschnürt. Dieses löse "gemischte Gefühle" aus, sagte WestLB-Chef Alexander Stuhlmann. Einerseits sei er erfreut, dass die Eigentümer der Bank mit den Milliarden-Zusagen ihr Vertrauen ausgesprochen hätten. Andererseits sollen bis zum Jahr 2010 zwischen 1300 und 1500 der derzeit knapp 6000 Mitarbeiter sowohl im In- als auch im Ausland ihren Job verlieren.

Hohe Einsparungen

"Die Arbeit fängt eigentlich erst an", kündigte Stuhlmann an. Er ließ aber offen, wie lang er diese noch begleiten werde. Es sei leichter, eine Lösung für die Spitze der Bank zu finden, nachdem grundlegende Entscheidungen für ihre Zukunft getroffen seien. NRW-Finanzminister Helmut Linssen hat angedeutet, dass ein Nachfolger für Stuhlmann gesucht wird.

Mit dem Personalabbau sowie einem Umbau der Bank sollen 300 Millionen Euro gespart werden, um das mit hohen Kosten kämpfende Geldhaus wieder auf Kurs zu bringen. Aufsichtsratschef Michael Breuer sprach von "schmerzhaften Einschnitten" bei dem Institut, das als "Bank der neuen Antworten" für sich wirbt. Der Jobabbau sei aber nötig, um die anderen Arbeitsplätze bei der WestLB zu retten, die durch hohe Verluste im Eigenhandel und die US-Finanzmarktkrise in eine Schieflage geraten war.

Positives Echo

Um die Bilanzen der Bank dauerhaft zu entlasten, sollen riskante Investments mit einem Volumen von nominal 23 Milliarden Euro in einer Zweckgesellschaft ausgegliedert werden. Dafür werden auch die drei Milliarden Euro Garantien des Landes fällig. Wird das Land tatsächlich zur Kasse gebeten, kann es im Gegenzug Aktien der WestLB von den anderen Anteilseignern - Sparkassen und Landschaftsverbänden - übernehmen. "Das Land strebt nicht von sich aus die Mehrheit an", stellte Linssen aber klar. Die Einigung sieht vor, dass auch ein Barausgleich erfolgen könne.

Die Vereinbarung muss noch einige Hürden nehmen. So muss die EU-Kommission prüfen, ob die öffentliche Garantie für die WestLB mit dem EU-Wettbewerbsrecht in Einklang steht. Auch hatten die Sparkassen dem Land vorgeworfen, die Institute und die WestLB letztlich an private Investoren weitergeben zu wollen. Aus seiner Sicht sei dies vom Tisch, betonte Breuer, der auch Chef der rheinischen Sparkassen ist. Übertragungen der Trägerschaft von Sparkassen an die WestLB seien nur "auf Zeit" möglich.

Die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin haben die Verhandlungen nach Angaben der Bank "begleitet". Bundesbank- Präsident Axel Weber und BaFin-Chef Jochen Sanio hatten sich persönlich eingeschaltet. "Die Bundesbank und die BaFin begrüßen die Einigung der Anteilseigner auf eine umfassende Abschirmung der Risiken", teilten sie mit. Die Anteilseigner der WestLB hätten damit "auch im Interesse des Finanzplatzes Deutschland" Handlungsfähigkeit bewiesen.

Die WestLB-Eigner hatten erst im Januar ein Hilfspaket von rund zwei Milliarden Euro geschnürt, um Verluste und Risiken aus der US-Immobilienkrise auszugleichen. Diese Milliarden-Zusage reichte aber nicht mehr aus, denn in den Büchern der Bank schlummern weitere Risiken. Insgesamt stehen der Bank nun fünf Milliarden Euro aus Finanzspritzen und Garantien zur Verfügung. Die Garantien sind für die Bank von entscheidender Bedeutung, drohte doch eine schlechtere Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit. Dies hätte die Refinanzierung der Bank verteuert und sie weiter in den Abwärtsstrudel gerissen.

Reuters Reuters

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