Finanzkrise Dow Jones bricht massiv ein


Schwarzer Freitag an den Weltbörsen: Nachdem zuvor bereits die Kurse in Asien und Europa in die Tiefe gerauscht sind, hat sich auch der Dow Jones dem Abwärtstrend angeschlossen. Der Index brach zu Handelsbeginn an der Wall Street um mehr als 400 Punkte ein. In Frankfurt hatte der Dax zum Teil elf Prozent verloren und zeitweise auf dem tiefsten Stand seit November 2004 notiert.

Die US-Börsen sind am Freitag zu Handelsbeginn kräftig abgesackt. Der Dow Jones Index sackte in den ersten Handelsminuten um 5,19 Prozent oder 451 Punkte auf 8240,20 Zähler ab. Händlern zufolge hat die Angst vor einer globalen Rezession die weltweiten Aktienmärkte in eine Abwärtsspirale getrieben. Auch die zuletzt veröffentlichten US-Unternehmenszahlen und Ausblicke drückten auf die Stimmung, hieß es am Markt. Aus Furcht vor noch stärkeren Verlusten hätten zudem Hedge Fonds und andere institutionelle Investoren Geld aus den Märkten abgezogen.

Zuvor hatte bereits eine Welle von Gewinnwarnungen großer Konzerne die Aktienkurse rund um den Globus abstürzen lassen. Bis Freitagmittag rauschte der Dax um elf Prozent auf 4017 Punkte in die Tiefe und notierte damit so tief wie seit vier Jahren nicht mehr. Kein einziger der 30 Titel in dem Index lag weniger als fünf Prozent im Minus. Im Laufe des Monats hat der Dax damit knapp 30 Prozent eingebüßt - das ist der schlechteste Monat für den Index in seiner Geschichte.

In London, Paris und Amsterdam verloren die Aktienkurse am Freitag über acht Prozent, und der Stoxx50 büßte 8,7 Prozent ein. Ebenso heftig waren die Kurse am japanischen Aktienmarkt gerutscht: Der Nikkei schloss 9,6 Prozent im Minus und beendete die Woche damit zwölf Prozent tiefer.

Die Börsen seien beherrscht von der Angst vor einer weltweit schrumpfenden Wirtschaft, sagten Händler. Sony, Renault, Peugeot und Volvo äußerten sich düster über ihre Geschäftsaussichten. "Es gibt einfach nichts Positives", stöhnte ein Händler. "So langsam verbreitet sich Fassungslosigkeit", sagte ein anderer Börsianer.

Sony löst Talfahrt aus

Auslöser der Talfahrt war Händlern zufolge die Gewinnwarnung von Sony. Der japanische Elektronik-Gigant hatte am Donnerstag nach Börsenschluss seine Jahresprognose um 57 Prozent gekürzt. Die schlechte Wirtschaftslage könnte zu Stellenabbau und Schließung von Werken führen, kündigte Sony-Finanzchef Nobuyuki Oneda an. Die Aktien von Sony brachen daraufhin um mehr als 14 Prozent ein und zogen viele andere Werte mit sich. Sony macht gut zwei Drittel seines Umsatzes im Ausland und gibt daher einen Vorgeschmack auf das, was von anderen Export-Unternehmen noch kommen könnte.

Horror-Nachrichten von den Autoherstellern

Einige zogen bereits nach, vor allem aus der Automobilbranche: In Europa kürzten Renault, Volvo und Peugeot ihre Prognosen. "Die Autohersteller überbieten sich mit Gewinnwarnungen", sagte ein Händler. Der Gewinn des zu VW gehörenden Lastwagenbauers Scania lag im dritten Quartal unter den Erwartungen der Analysten. Der weltweit zweitgrößte Lkw-Hersteller Volvo meldete für das dritte Quartal einen Auftragseingang in Europa von 115 Wagen netto - nach 41.970 im Vorjahreszeitraum.

Bereits am Vortag hatte Daimler eine Gewinnwarnung ausgesprochen - die zweite in diesem Jahr. Dementsprechend kamen an den Märkten vor allem die Aktien der Automobilbranche unter die Räder: In Frankfurt gaben Daimler, VW und MAN um rund elf Prozent nach. In Paris bremsten Renault mit einem Abschlag von 19 Prozent den Index aus, und die Papiere von Peugeot verloren 14 Prozent. In Stockholm stürzten Volvo um über 22 Prozent ab, während Scania um 13 Prozent sanken.

"Wie weit kann das noch gehen?"

Doch trotz der heftigen Kursverluste blieben die Marktteilnehmer ruhig. "Man gewöhnt sich an die Schwankungen", sagte ein Händler. "Es geht ziemlich geordnet zu." Marktstratege Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors macht mittlerweile wieder Hoffnungen auf ein Ende der Talfahrt an den Aktienmärkten. "Wir sind inzwischen in einer Pessimismus-Phase angelangt, wo man sich fragen muss, wie weit das noch gehen kann. Der Höhepunkt der Krise ist meiner Meinung nach überschritten, jetzt beginnen die Aufräumarbeiten."

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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