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Kein Nato-Draht für Ungarn: Berliner Unternehmen will nicht am Elend der Flüchtlinge verdienen

Ungarns Regierung kauft Europas Bestände an dem gefährlichen Nato-Stacheldraht auf. Auch eine Berliner Firma hätte einen Großauftrag erhalten können - und lehnte ab. "Ich kann Flüchtlinge doch nicht durch Nato-Draht laufen lassen", sagt der Firmen-Chef. 

Der sogenannte Nato-Draht wird gegen Piraten am Horn von Afrika eingesetzte oder auch zu Sicherung von Atomkraftwerken. Eine Berliner Firma sollte diesen nun an die ungarische Grenze liefern, um Flüchtlinge aufzuhalten - und entschied sich dagegen. 

Der sogenannte Nato-Draht wird gegen Piraten am Horn von Afrika eingesetzte oder auch zu Sicherung von Atomkraftwerken. Eine Berliner Firma sollte diesen nun an die ungarische Grenze liefern, um Flüchtlinge aufzuhalten - und entschied sich dagegen. 

Klingendraht, so wird der Stacheldrahttyp auch genannt. Statt kleiner Spitzen säumen rasiermesserscharfe Klingen den Draht. Daher ist diese Metallschnur auch deutlich gefährlicher als üblicher Stacheldraht. Eingesetzt wurde der Draht lange nur im Militärbereich - heute sollen die Klingen Piraten von Schiffen am Horn von Afrika fernhalten oder Inhaftierte am Ausbruch aus dem Gefängnis hindern. In wird mit diesem Draht die Grenze gesichert, um Flüchtlinge von der Weiterreise abzuhalten.

Und weil die Grenze noch weiter befestigt und auch verlängert werden soll, benötigt die Regierung in noch unzählig viele Rollen dieses Spezialdrahts. Daher baten die Ungarn ab Mitte Juli Hersteller Angebote für eine Nato-Draht-Großlieferung einzureichen. Eine der angefragten Firmen: Das Unternehmen Mutanox aus Berlin-Neukölln. 

Absicherung durch Nato-Draht

Das Unternehmen verkauft Draht- und Gittermatten für Zäune, verschiedene Lochbleche, Alurampen - aber auch Stachel- und Nato-Draht. Auf der Firmen-Homepage heißt es: "Die rasiermesserscharfen Widerhaken beim Nato-Draht und die geringen Abstände der Klingen zueinander sprechen für eine effektive Absicherung Ihres Objektes."

Doch offenbar verkauft Firmenchef Talat Deger nicht allen diesen höchst gefährlichen Zaun. Obwohl der Auftrag aus Ungarn rund 500.000 Euro Umsatz eingebracht hätte, nahm Geschäftsführer Deger den Auftrag nicht an. "Nato-Draht ist dafür da, kriminellen Taten vorzubeugen. Aber ich kann doch nicht einen Flüchtling, der nichts weiter hat als das, was er trägt, mit einem Kind auf dem Arm durch einen Nato-Draht laufen lassen", sagt Deger der "Berliner-Zeitung".

Nato-Draht kann töten

Normalerweise wird der Draht auf höhere Zäune befestigt, damit diese nicht überklettert werden können. Doch an Ungarns Grenze wickeln sich Rollen des Nato-Drahts vom Boden bis in die Höhe. "Es könnten Menschen in der Nacht durchlaufen, den Draht nicht sehen und sich dann arge Verletzungen zuziehen, die zum Tod führen können", sagt Deger der "BZ". Trauriger Fakt: Auch wenn das Berliner Unternehmen sich weigert den Draht zu liefern - Ungarn wird dennoch seine Grenzen weiter zur Festung ausbauen. 

kg

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