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Fracking im großen Stil: So will Großbritannien ran ans Schiefergas

Unsere britischen Nachbarn setzen auf Fracking. Um unabhängiger vom russischen Gas zu werden, will das Land schon im Herbst beginnen. Doch die besondere Geologie Englands könnte die Pläne erschweren.

In den USA ist Fracking seit Jahren möglich. In der Nähe von Lost Hill in Kalifornien wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohen Druck in den Boden gepresst, um Gas aus dem Gestein zu lösen.

In den USA ist Fracking seit Jahren möglich. In der Nähe von Lost Hill in Kalifornien wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohen Druck in den Boden gepresst, um Gas aus dem Gestein zu lösen.

Es darf wieder gefrackt werden: Großbritannien will das umstrittene Verfahren der Gas-Gewinnung erstmals nach sechs Jahren wieder ermöglichen. Bis Ende 2012 lief ein Moratorium, das es den Energieunternehmen untersagte durch Fracking Gas zu gewinnen. Grund dafür war ein Erdbeben nach Probebohrungen gewesen. Nun hat die Regierung wieder Bohrlizenzen für die Öl- und Gasindustrie auf dem Festland vergeben.

Hintergrund der Fracking-Freude auf der Insel ist der aktuelle Konflikt in der Ukraine - und die sich immer weiter verschärfenden Sanktionen gegen Russland. Bisher beschränken sich diese Handelsbarrieren auf wenige Wirtschaftszweige, wie beispielsweise die Waffen-Industrie. Solle Russland aber mit Sanktionen antworten, könnte der Kreml Europa schnell den Gashahn zudrehen. Um unabhängiger von russischen Gas-Lieferungen zu werden, rücken auch die eigenen Gas-Reserven wieder in den Mittelpunkt. "Ich will, dass Großbritannien bei der Schiefergas-Revolution vorne mit dabei ist", sagte der britische Finanzminister George Osborne.

Die britische Regierung will keine Zeit mehr verlieren und hofft, dass die lizensierten Unternehmen bereits im Herbst mit Probebohrungen beginnen. So sind die beiden französischen Energie-Riesen Total und GDF Suez mit Beteiligungen an anderen Firmen indirekt an der Gas-Förderung beteiligt. Um das Fracking auch anderen Unternehmen schmackhaft zu machen, will man in London ein lukratives Steuerangebot an die Konzerne machen: Statt der üblichen 62 Prozent, die Großbritannien bei den Unternehmensgewinnen in der Öl- und Gas-Industrie abschöpft, sollen beim Fracking nur 30 Prozent fällig werden. Die Gemeinden, auf deren Grund künftig gefrackt wird, sollen umgerechnet rund 120.000 Euro bekommen und ein Prozent des Umsatzes.

Gasvorkommen reichen für Jahrzehnte

Die US-Energieinformationsbehörde EIA beziffert das mögliche Schiefergasvorkommen auf der britischen Insel auf 736 Milliarden Kubikmeter. Zum Vergleich: Deutschland verbraucht jährlich bis zu 90 Milliarden Kubikmeter Gas. Experten erwarten, dass die Vorkommen Großbritanniens Verbrauch für mehrere Jahrzehnte decken könnten.

Fracking-Gegner haben bereits scharfe Proteste angekündigt. Sie fürchten, dass auch in Nationalparks und geschützten Regionen gefrackt werden könnte. Experten erwarten vor allem dort und in den umliegenden Gebieten das größte Vorkommen von Schiefergas. Unsicher macht der Passus "unter besonderen Umständen". Eigentlich sind Nationalparks vom Fracking ausgenommen. Allerdings ermöglicht die Formulierung, künftig doch zu fracken, beispielsweise wenn dies dem "öffentlichen Interesse dient". Die Regierung in London hatte dieses Schlupfloch mit dieser Formulierung in die Ankündigung fließen lassen.

Die Gewinnung von Schiefergas steht in der Kritik. Ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien wird unter hohem Druck in die unterirdischen Gesteinsschichten gepresst, um an die Gasvorkommen darin zu gelangen. Der Einsatz von chemischen Mitteln bringt die Protestler auf den Plan: Zu unsicher scheint ihnen diese Methode für Mensch, Natur - und vor allem für das Trinkwasser.

Die Angst vor verunreinigtem Trinkwasser könnte der größte Knackpunkt werden, denn die Geologie Englands ist komplex. Bei rund einem Drittel der Fläche des Landes liegen Schiefergasfelder und Trinkwasserreservoirs nur knapp übereinander.

Katharina Grimm