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Fussball: Der heimliche Mitspieler

Leo Kirch hält die Fussball-Bundesliga in Atem: Bayern versteckte seine Millionen im Geschäftsbericht. Bei Schalke stieg der Medien-Pleitier still und leise ein.

Wenn Uli Hoeneß der Kragen platzt, gerät dem Manager des FC Bayern München schon mal ein kleiner Pressetermin zur großen Abrechnung: "Wirtschaftskriminalität" warf der 51-Jährige vergangene Woche dem stern vor, weil der aus dem Geschäftsbericht des Clubs zitiert hatte. "Wenn sich Magazine neuerdings über unerlaubte Wege Zugang verschaffen zu Verträgen und Unterlagen, die sie eigentlich nichts angehen", polterte der Ex-Kicker, müsse man sich Gedanken machen, "ob das alles noch mit rechten Dingen zugeht."

Hoeneß' Attacke sollte ablenken von immer neuen peinlichen Enthüllungen rund um Deutschlands führende Fußballfirma. Zunächst hatte das "Manager Magazin" offen gelegt, dass der Klub über seine Tochter FC Bayern Sport-Werbe GmbH einen Vertrag mit Medienzar Leo Kirch geschlossen hatte, der dem Verein über mehrere Jahre 190 Millionen Mark bringen sollte - für Sonderrechte bei der Vermarktung, die nie in Anspruch genommen wurden. 43 Millionen Mark überwies Kirch den Bayern, dann war er pleite, und der Vertrag wurde aufgelöst.

Vergangene Woche machte der stern dann publik, wie sehr sich die Bayern bemühten, den dubiosen Deal mit Kirch vor anderen zu verbergen. So versteckten die Chefs der FC Bayern Sport-Werbe GmbH, unter ihnen Uli Hoeneß, die Kirch-Gelder in ihrem Geschäftsbericht unter "Sonstige". Der Posten wuchs in der Saison 2000/ 2001 mit 30,44 Millionen Mark - Vorjahr: 573.578 Mark - zum zweitgrößten Umsatzbringer der Firma nach "Sponsoring".

Gegen den Vorwurf der Verschleierung wehrte sich Bayern-Vorstand Karl Hopfner: Es könnten nicht alle Einnahmen einzeln aufgeführt werden. Auch das ein Ablenkungsmanöver: Ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt, dass die Bayern sonst sehr viel offener zu Werke gingen als bei dem 30-Millionen-Batzen. So ist die Stadionvermarktung mit 9,73 Millionen Mark extra ausgewiesen. Unter "sonstige betriebliche Erträge" wird sogar der "Gewinnanteil Euro Lloyd Reisebüro" mit 104.286 Mark aufgeführt. Und "Erträge aus abgeschriebenen Forderungen": sage und schreibe 5,13 Mark.

Auch im "Lagebericht" umgingen die Bayern jeden Hinweis auf den Gönner Kirch. Schwammig ist die Rede davon, dass die Siege in Meisterschaft und Champions League "sich positiv auf die Umsätze in allen Geschäftsfeldern" ausgewirkt hätten. Die Finanzlage könne als "sehr gut bezeichnet werden". Das war noch untertrieben: Der Jahresüberschuss (nach Steuern) stieg auf 42,2 Millionen Mark. Davon führte die Firma 20 Millionen an den Verein Bayern München ab, der Rest ging in die mit 54,9 Millionen Mark üppig ausgestattete Gewinnrücklage - Kirch sei Dank.

Doch nicht nur Bayern hing finanziell am Tropf des Medienmoguls. Immer neue "Beraterverträge" mit Kirch kommen ans Licht, der vor der Pleite den Fußball im Fernsehen flächendeckend auf seinen TV-Kanälen vermarktete und dafür Milliarden zahlte. Mehr als 150 Empfänger derartiger Zuwendungen soll es gegeben haben. Außer Bayern stand etwa Fedor Radmann, Mitglied im Organisationskomitee zur WM 2006, auf Kirchs Zahlzettel. Und auch Jürgen W. Möllemann bekam Geld von Kirch: Seine Firma WebTec kassierte von 1995 an fünf Jahre lang jeweils 800.000 Mark für "Beratungsleistungen". Alle bestreiten, dass es sich um Schmiermittel für reibungslose Geschäfte gehandelt habe.

Der Sumpf rund um Kirch ist noch lange nicht trockengelegt. Kirch hatte sich still und leise auch an einem Tochterunternehmen des Traditionsvereins Schalke 04 beteiligt. Die Sportrechtefirma ISPR, die der Münchner Medienhändler zusammen mit dem Springer-Verlag betrieb, hielt seit Ende der neunziger Jahre 15,15 Prozent an der "FC Schalke 04 Stadion-Beteiligungsgesellschaft & Co. Immobilienverwaltungs-KG" und zahlte zehn Millionen Mark ein. Nur zwei Kapitalgeber besitzen größere Anteile an der Betreiberfirma der neuen Arena: der Klub selbst und die Plakat-Werbefirma Deutsche Städte-Medien.

Ein Vorgang, der nun auch bei Vereinsverantwortlichen auf Argwohn stößt. "Kirch konnte doch kein wirtschaftliches Interesse daran haben, sich an dem Stadion zu beteiligen, um dort sechs Prozent Zinsen zu kassieren", sagte der Chef des Schalke-Aufsichtsrats, Clemens Tönnies, dem stern: "Der dachte, damit habe ich ein Bein drin, und es kommt vielleicht noch was hinterher." Tönnies verlangt Aufklärung von einem Mann: Jürgen W. Möllemann, dem damaligen Chef des Aufsichtsrats von Schalke. Tönnies: "Er hat Kirch ins Spiel gebracht für seine Vision vom modernen Schalke. Da fragt man sich im Nachhinein: Welche Interessen wurden über Herrn Möllemann vertreten?"

Mitarbeit: Brigitte Zander

Johannes Röhrig / print