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Google: "Schluss mit lustig"

Der unbremsbar erscheinende Konzern Google stößt bei seiner Expansion mit der Videoplattform Youtube an Grenzen. Die Tech-Manager müssen erkennen, dass TV-Konzerne bislang gut auf Youtube verzichten können.

"Unsere Unternehmen teilen gemeinsame Werte: Für beide kommt immer der Nutzer zuerst", sagte Google-Chef Eric Schmidt bei der Übernahmeankündigung von Youtube Anfang Oktober 2006. Der so oft dahingesagte Satz zur Kundenfreundlichkeit könnte Google bei Youtube jedoch das Geschäft vermiesen. Denn Medienmanager sind nicht davon begeistert, wie Google seinen Service am Internetnutzer interpretiert: Mehrere Filmstudios haben sich beschwert, dass Google die Verbreitung von Websites fördert, die das illegale Herunterladen von Filmen ermöglichen.

Von der Euphorie über den Youtube-Kauf ist derzeit nichts mehr zu spüren. Anstatt reihenweise Verträge mit Medienkonzernen und Hollywood-Studios über deren Inhalte abzuschließen, befindet sich der mächtige Suchmaschinenkonzern auf Konfrontationskurs mit potenziellen Lieferanten.

Auf Youtube sind daher immer weniger Videoclips populärer TV-Serien oder Ausschnitte von Kinofilmen zu sehen. Zwar bremst dies nicht unmittelbar den Strom der täglich zigtausend Nutzer. Für die Bestrebungen des Webkonzerns, Millionen mit der Website Youtube umzusetzen, ist diese Entwicklung jedoch Gift. Fehlen weltweit beliebte Inhalte, wird es schwer, werbetreibende Unternehmen für das Angebot zu begeistern. Videos wie von golfenden Papageien mögen zwar unterhaltsam sein, dürften mit rund 100.000 Zuschauern aber kaum die Herzen von Werbern höherschlagen lassen. Hinzu kommt, dass es auf der ganzen Welt Dutzende von Youtube-Konkurrenten gibt.

Vertrag mit CBS auf Eis gelegt

So ist ein wichtiges mehrjähriges Abkommen mit der Fernsehanstalt CBS vorerst auf Eis gelegt worden. Der TV-Konzern wollte Ausschnitte aus beliebten Sendungen wie "CSI" und "Late Show with David Letterman" über Youtube ausstrahlen und es den Nutzern sogar ermöglichen, die Ausschnitte in eigene Videos einzubauen, berichtete die Zeitung "Wall Street Journal". Überdies hätte die Radiosparte CBS Radio Google-Werbekunden Spots verkaufen können. Google hätte CBS Werbeeinnahmen in Höhe von mehr als 500 Mio. $ garantiert. Die Konzerne diskutieren nun über eine bescheidenere Zusammenarbeit.

Google verhandelte zudem mit dem New Yorker Medienkonzern Viacom, dem auch die Sender MTV und Comedy Central gehören. Viacom beschuldigte Google jedoch der Urheberrechtsverletzung und forderte die Videotochter Anfang Februar auf, mehr als 100.000 von Nutzern auf Youtube gestellte Clips von Shows wie "The Daily Show with Jon Stewart" zu entfernen. Die Comedy-Central-Satiresendungen gehören genauso wie Comedy Centrals "The Colbert Report" zu den beliebtesten Youtube-Sendungen. Auch mit NBC Universal hat der Webkonzern Schwierigkeiten. Vor zwei Wochen soll Google eine Aufforderung der NBC-Anwälte bekommen haben, unautorisierte Inhalte nicht auf Youtube zuzulassen.

Wettbewerber profitieren

Profiteure der Streitigkeiten und Fehlschläge sind Konkurrenten wie Joost. So hat Viacom eine Kooperation mit dem Internet-TV-Angebot vereinbart. Das von den beiden Skype-Gründern gestartete Internetvideoportal will vor allem von Film- und Fernsehkonzernen sanktionierte Inhalte mit Werbung liefern, die Einnahmen werden mit den Rechteinhabern geteilt.

Konkurrent Revver hat ebenfalls wenig Sorgen. "Wir haben keine rechtlichen Schwierigkeiten mit den Inhalteanbietern - wir haben weniger als fünf Unterlassungsanordnungen erhalten, andere Anbieter Hunderte und Tausende davon", so Steven Starr, Mitgründer und Chef des Videoportals. Laut Starr hat der Dienst Abkommen unter anderem mit Paramount, Fox, Sony, CBS Digital und Universal Pictures.

Um die Medienkonzerne nicht weiter gegen sich aufzubringen, will Google jetzt ein System zum Schutz gegen Urheberrechtsverletzungen einführen. Dies soll verhindern, dass Nutzer Mitschnitte aus TV-Shows auf die Seite hochladen. Wohl das erste Mal, dass weniger Nutzerfreundlichkeit Fortschritt bedeuten könnte.

Von Helene Laube/Arndt Ohler/Lutz Meier / FTD
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