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Heathrow: Flughafen-Streik geht zuende

Die streikenden British-Airways-Mitarbeiter auf dem Londoner Flughafen Heathrow haben ihre Arbeit wieder aufgenommen. Am Abend sollen die ersten Flugzeuge fliegen. Für die wartenden Fluggäste ist das Chaos aber noch nicht vorbei.

Alle streikenden Mitarbeiter von British Airways am Londoner Flughafen Heathrow haben am Freitag ihren Ausstand nach 24 Stunden beendet. Wie die Fluggesellschaft mitteilte, soll um 21.00 Uhr (MESZ) eine begrenzte Anzahl von Flügen wieder aufgenommen werden. Durch den Streik waren weltweit mindestens 70.000 Fluggästen gestrandet. Auch in Deutschland waren tausende Reisende betroffen.

Nach Angaben von BA hatten schon am Nachmittag zwei Drittel der Streikenden auf dem Flughafen Heathrow ihre Arbeit wieder aufgenommen. Die Parteien einigten sich zuvor auf Gespräche zur Beilegung des Streiks unter Vermittlung der Schlichtungsbehörde ACAS. Die Verhandlungen würden sofort aufgenommen, erklärte die ACAS. Der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Heathrow, Mick Temple, warnte jedoch, mit Beeinträchtigungen sei noch mehrere Tage zu rechnen.

Allein am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wurden sechs Flüge nach London und sieben aus der britischen Hauptstadt abgesagt. In München wurden fünf Starts nach London und vier Landungen gestrichen. Betroffen waren auch die Flughäfen Düsseldorf, Stuttgart und Berlin-Tegel. In London verbrachten rund 1.000 Menschen die Nacht zum Freitag am Flughafen, weil Gepäckarbeiter und Abfertigungspersonal von British Airways ihre Arbeit niedergelegt hatten. 4.000 Fluggäste wurden in Hotels untergebracht, zahlreiche fuhren nach Hause, wie BA-Sprecher Tony Cane mitteilte.

Klagen über schlechtes Management

Am Freitag strichen auch die nationale Fluggesellschaft von Sri Lanka und die australische Qantas ihre Flüge ab Heathrow. Die beiden Airlines sind dort auf das Bodenpersonal der BA angewiesen. Fluggäste in Heathrow klagten über schlechtes Management. Der Hongkonger Geschäftsmann Allen Sing sagte, angesichts der Probleme habe er am Donnerstagabend in sein Hotel zurückkehren wollen. Man habe ihn aber gewarnt, er würde sein bereits aufgegebenes Gepäck womöglich nie wiedersehen.

Ein anderer Fluggast sagte: "Wie die BA mit den Leuten umgeht, ist widerwärtig." Hintergrund der Arbeitsniederlegungen war die Entlassung von mehreren hundert Angestellten durch den Caterer, der die Mahlzeiten für British-Airways-Flüge zubereitet. Nach Angaben der Transportgewerkschaft stellte der Caterer Gate Gourmet am Mittwoch 800 Angestellte vor die Wahl zwischen einem neuen Vertrag mit schlechteren Bedingungen und der sofortigen Kündigung. Gate Gourmet selbst, das dem US-Unternehmen Texas Pacific Group gehört, sprach von 667 Entlassungen. Aus Solidarität legten die ebenfalls in der Transportgesellschaft organisierten Gepäckarbeiter von British Airways die Arbeit nieder. Wenig später folgte das Personal an den Abfertigungsschaltern von British Airways. Einige Passagiere hatten ihren Ärger am Schalterpersonal ausgelassen.

Der Vorstandsvorsitzende von British Airways, Rod Eddington, erklärte, wegen des Streiks befänden sich fast 100 Flugzeuge am falschen Platz "irgendwo in der Welt". PA zitierte einen Analysten der Barclays-Bank mit der Einschätzung, der Streik könnte die Fluggesellschaft rund zehn Millionen Pfund (15 Millionen Euro) kosten.