IG Metall Führungspitze, wechsel dich


IG Metall-Chef Zwickel hat seinen Hut genommen. Damit will er den Weg für einen Neuanfang freimachen - sein Vize Peters wartet nur darauf, die Macht zu übernehmen. Als potenziellen neuen Vize hat er Berthold Huber an seiner Seite.

Im Führungschaos der IG Metall hat der Gewerkschaftsvorsitzende Klaus Zwickel jetzt die Konsequenzen gezogen - nur sechs Wochen vor dem Ende seiner regulären Amtiszeit: "Heute muss ich definitv feststellen, dass es einen solchen - auch personellen Neuanfang - den ich für dringend notwendig halte ... so nicht geben wird", sagte Zwickel vor Journalisten in Frankfurt. "Daher habe ich mich entschieden, mit sofortiger Wirkung als Erster Vorsitzender der IG Metall zurückzutreten. "Mit diesem Schritt übernehme ich ausdrücklich nicht die alleinige Verantwortung für die tarifpolitische Niederlage in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie. Die Hauptverantwortung für den verlorenen Arbeitskampf tragen Jürgen Peters und der Bezirksleiter von Berlin-Brandenburg, Hasso Düvel." IG-Metall Vize Jürgen Peters und der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber sollen sich darauf verständigt haben, das neue Führungstandem zu bilden - Peters als Vorsitzender und Huber als Stellvertreter, schrieb das Blatt weiter. Heute kommen in Frankfurt die geschäftsführenden Vorstandsmitglieder der IG-Metall zu einer turnusmäßigen Sitzung zusammen.

"Zwickel ist nicht mehr Herr des Geschehens"

Die 'Financial Times Deutschland' berichtet in ihrer Montagausgabe, dass innerhalb der IG Metall die Kritik an Zwickel wachse. "Zwickel ist nicht mehr Herr des Geschehens", sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Detlev Kunkel dem Blatt. Der nicht abgestimmte Vorstoß Zwickels für eine Pressekonferenz zu Personalfragen, die er dann kurzfristig wieder absagte, habe in der Gewerkschaft große Verärgerung ausgelöst.

Tandem-Lösung mit Peters und Huber?

Der umstrittene stellvertretende Vorsitzende Peters soll sich erneut für eine Neuauflage der Tandem-Lösung mit seinem Gegenspieler Huber als zweitem Vorsitzenden ausgesprochen haben. Huber ist laut 'Financial Times Deutschland' nun doch wieder zu einer Kandidatur als Vize-Vorsitzender der Gewerkschaft bereit. Er habe dies bereits am Mittwochabend bei einem Treffen des Reformflügels der IG Metall zugesagt, berichtet die Zeitung. Zuvor habe DaimlerChrysler-Betriebsrat Helmut Lense eine Kampfkandidatur abgelehnt.

Kampfabstimmung vermeiden

Die 'Bild'-Zeitung hatte am Samstag berichtet, Peters und Huber suchten gemeinsam nach einer Lösung. Ein IG-Metall-Sprecher wollte diesen Bericht nicht kommentieren. "Ich bin überzeugt: Berthold Huber und ich wären ein gutes Team, weil wir zusammen am ehesten in der Lage sein werden, die Einigung der IG Metall zu erreichen", sagte Peters der 'Bild am Sonntag'. Mit einer solchen Lösung würde für den nach dem Streikdebakel in Ostdeutschland umstrittenen Peters eine Kampfabstimmung auf dem Gewerkschaftstag Ende August vermieden. Die 'Bild' schrieb, Peters und Huber hätten sich bereits am Donnerstag und Freitag zu Gesprächen getroffen, um bis zur wöchentlichen Sitzung der geschäftsführenden Vorstandsmitglieder am Montag einen gemeinsamen Vorschlag für die Nachfolge des scheidenden Chefs Zwickel zu erarbeiten.

Glaubwürdiger Neuanfang gewünscht

Gewerkschaftssprecher Claus Eilrich wollte den Bericht nicht kommentieren. "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen über Namen und angebliche Vier-Augen-Gespräche", sagte er. Es werde weiter versucht, eine Lösung zu finden, die für die ganze IG Metall tragfähig sei und einen glaubwürdigen Neuanfang ermögliche. Orientierungspunkt sei die außerordentliche Vorstandssitzung am Mittwoch.

Nach dem gescheiterten Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland war in der IG Metall ein heftiger Streit über die Verantwortung für die Niederlage und die fälligen Konsequenzen ausgebrochen. Vor allem Vize Peters, der für Tarifpolitik verantwortlich ist, steht im Kreuzfeuer der Kritik. Er will beim Gewerkschaftstag dennoch für die Zwickel-Nachfolge kandidieren.

'Bremse des Aufschwungs'

Das Ansehen der Gewerkschaften insgesamt ist unterdessen schwer angeschlagen. Laut einer aktuellen Umfrage des Institutes polis sieht etwa jeder zweite Deutsche in den Gewe´rkschaften eine Bremse für den wirtschaftlichen Aufschwung. Nur 55 Prozent denken, dass die Gewerkschaften eine Zukunft haben. Mit 93 Prozent glauben nach dem gescheiterten Streik der IG Metall im Osten fast alle, dass die Gewerkschaften gemeinsam mit den Arbeitgebern Lösungen finden müssen. polis befragte repräsentativ 1010 Menschen.


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