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EU-Abgasrichtlinie: Autoindustrie läuft Sturm gegen Brüssel

Wirtschaftsminister Michael Glos hat sich massiv gegen die Einführung einer neuen EU-Abgasrichtlinie ausgesprochen. Dies hätte den Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen zur Folge, sagte Glos. Mehrere Autobosse haben bereits Post nach Brüssel geschickt.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat vor dem Verlust zehntausender Arbeitsplätze in der Autobranche gewarnt, wenn EU-Umweltkommissar Stavros Dimas seinen Vorschlag für neue Abgas-Grenzwerte durchsetzen sollte. "Die Pläne, die der griechische EU-Kommissar Dimas und Umweltminister Sigmar Gabriel gegen die deutsche Automobilindustrie verfolgen, müssen dringend gestoppt werden", sagte der CSU-Politiker der Zeitung "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht.

DaimlerChrysler müsste dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Erich Klemm zufolge mehrere Fabriken schließen. "Betroffen wären in Sindelfingen, Untertürkheim und Bremen rund 65.000 Mitarbeiter."

Auch IG-Metall-Chef Jürgen Peters macht nach dem Bericht Druck auf die EU. In einem Brief an Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso schreibe Peters, er bitte "eindringlichst um Aufschub der Entscheidung über die EU-Direktive, damit eine Beteiligung der Gewerkschaften an der europäischen Meinungsbildung möglich ist".

Schreiben von Automobilbossen

Zudem kritisierten die Chefs der fünf großen Automobilhersteller in Deutschland die europäische Klimapolitik in einem Schreiben an die EU-Kommission. "Die Maßnahmen bedeuteten eine massive industriepolitische Intervention zu Lasten der gesamten europäischen, aber im Besonderen der deutschen Automobilindustrie", zitierte "Bild am Sonntag" aus dem Brief der Chefs von BMW, Opel, Volkswagen, DaimlerChrysler und Ford.

EU-Kommissar will Senkung

Dimas will den Durchschnittsausstoß bei allen von 2012 an neu zugelassenen Autos auf 120 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer begrenzen. Dies wäre die Reaktion darauf, dass die Autoindustrie ihre Zusagen für eine Senkung des Ausstoßes von klimaschädlichen Treibhausgasen nicht einhält. Derzeit gilt eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie auf einen Durchschnitt von 140 Gramm CO2 pro Kilometer bis Ende kommenden Jahres, der aller Voraussicht nach aber verfehlt wird. Asiatische Hersteller haben ein Jahr länger Zeit. Die Industrie macht für die Überschreitung auch die Vorliebe der Autokäufer für große und schwere Modelle verantwortlich. Derzeit liegt der Durchschnittsausstoß bei 161 Gramm je Kilometer.

Der CO2-Ausstoß hängt direkt mit dem Verbrauch zusammen. Die Hersteller kleiner Autos aus Frankreich oder Italien haben deshalb weniger Probleme mit einer CO2-Begrenzung als etwa Mercedes, BMW oder Porsche.

DPA/AP / AP / DPA