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ILA 2012: Airbus zieht durchwachsene Bilanz

Anders als noch vor zwei Jahren verspricht die ILA 2012 keine extremen Verkaufszahlen für den Flugzeugbarer Airbus. Stattdessen sendet das Unternehmen deutliche Warnungen an die Politik.

Trotz fehlender Impulse von der Berliner Luftfahrtmesse ILA sieht der Flugzeugbauer Airbus seine Jahresziele nicht in Gefahr. "Wir haben im Januar gesagt, wir werden 650 Flugzeuge verkaufen, und wir sind auf Kurs, dies zu tun, vielleicht schaffen wir sogar ein bisschen mehr", sagte Airbus-Vertriebschef John Leahy in Berlin. Er rechne aber nicht damit, auf der Messe neue Aufträge zu verkünden.

Ähnlich wie Leahy schätzen auch die Partner-Staaten der Airbus-Mutter EADS die Lage zuversichtlich ein. Der deutsche Regierungskoordinator für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, sprach von guten Aussichten. Beispielsweise werde die Fertigung beim Verkaufsschlager A320 auf 42 von bislang 40 Flugzeugen im Monat hochgefahren. Um jedoch die extrem wichtige Nachfrage aus China und den USA nicht abzuwürgen, müsse schnell eine Lösung im CO2-Streit mit China und den USA gefunden werden. Hintze einigte sich mit seinen Kollegen aus Frankreich, Großbritannien und Spanien darauf, eine globale Lösung für die Emissionsabgaben voranzutreiben und nicht wie bisher auf europaweite Vorgaben zu setzen.

Die optimistischen Äußerungen von Leahy und Hintze zum Ausblick können jedoch nicht verdecken, dass die Branche mit konjunkturellen Unsicherheiten vor allem in Europa, schwierigen Finanzierungsbedingungen und der Abkühlung in China kämpft. Auf der ILA 2010 hatte Airbus noch mit einem Großauftrag für das Großraumflugzeug Airbus A380 durch die arabische Airline Emirates aufgetrumpft. Gerade dieser Riesenflieger sorgt allerdings weiter für negative Schlagzeilen. Leahy bestätigte, es gebe Schwierigkeiten rund um den A380. Es werde immer schwieriger, die Verkaufsziele zu schaffen, denn die Zeit laufe davon. Airbus will dieses Jahr 30 A380 verkaufen.

Anteilskauf wird konkret verhandelt

Hintze betonte die besondere Bedeutung, die China künftig für die Flugzeugbranche haben werde. Das Land werde bis 2031 zum größten Flugzeugmarkt der Welt aufrücken. Deswegen bereitet dem Luftverkehrsbeauftragten auch der CO2-Streit große Sorgen. Wenn ein so wichtiger Wirtschafspartner als Reaktion darauf Sanktionen erwäge, dann könnte das insbesondere Airbus ganz empfindlich treffen. Für die Europäer wäre es ein "schwerer Schlag", wenn ihre Flugzeugunternehmen durch den Emissionshandelsstreit gerade auf diesem Markt ausgebremst würden, betonte Hintze. Ziel sei es, eine Lösung noch vor April 2013 zu finden - dem Datum, an dem die europäische Regelung letztlich voll zur Geltung kommt. Leahy schlug als eine Möglichkeit vor, dass alle Airlines weltweit eine Abgabe an die internationale Luftfahrtorganisation ICAO für ihre Emissionen zahlen - ganz gleich, wo sich ihr Sitz befindet.

Alles in allem bleibt die Luftfahrt laut Hintze weltweit eine Wachstumsbranche. "Insgesamt ist es so, dass die Luftfahrt nach vorliegenden Schätzungen Jahr für Jahr um viereinhalb Prozent wachsen wird". Angesichts des hohen Modernisierungsbedarfs bei den Airlines blieben die Aussichten für den europäischen Flugzeugbauer und seine Zulieferer günstig. Airbus rechnet in den kommenden zwei Jahrzehnten in Deutschland mit einem Bedarf von mehr als 1000 neuen Passagier- und Frachtmaschinen.

Die Bundesregierung wird aller Voraussicht nach wie geplant im Laufe dieses Jahres über die Staatsbank KfW zum Großaktionär bei EADS aufrücken. Die Frage, ob mit einem Abschluss der Verkaufsgespräche zwischen dem aktuellen EADS-Anteilseigner Daimler und der KfW noch in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen ist, beantwortete Hintze mit einem klaren "Ja". Die KfW spricht bereits seit Monaten mit Daimler über den Kauf eines Anteilspakets von 7,5 Prozent an EADS, der Hälfte der aktuellen Kapitalbeteiligung des Autokonzerns an dem Luft- und Raumfahrtunternehmen. Offenbar noch nicht gelöst ist aber unter anderem das Problem der notwendigen Zustimmung der französischen Seite, die im EADS-Aktionärskreis wie die deutsche mit gut 22 Prozent vertreten ist. Neben dem zum Verkauf stehenden Aktienpaket von Daimler könnte die KfW noch weitere EADS-Anteile kaufen, die derzeit von einem Konsortium aus vorwiegend deutschen Finanzinvestoren namens Dedalus gehalten werden. Dieses kommt ebenfalls auf einen Anteil von 7,5 Prozent.

ono/Reuters / Reuters