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Start-up Ubirch Der Corona-Impfpass für Deutschland kommt von einer kleinen Kölner Firma

Impfpass
Im bayerischen Altötting sind bereits Ubirch-Impfausweise in Form von Scheckkarten im Einsatz. Künftig soll es auch eine Impfausweis-App geben.
© DPA
Wie in Israel soll es auch in Deutschland in wenigen Wochen einen digitalen Corona-Impfnachweis geben. Die Blockchain-Technologie dafür kommt vom Kölner Start-up Ubirch.

Beim Impfvorreiter Israel gibt es ihn bereits für Millionen Menschen: einen digitalen Impfnachweis für gegen das Coronavirus Geimpfte. Wer den sogenannten "Grünen Pass" auf seinem Smartphone vorzeigt, darf in Israel wieder Hotels, Theater, Fitnessstudios oder Sportveranstaltungen besuchen.

Eine ähnliche technische Lösung wird es demnächst auch in Deutschland geben. Weil der gelbe Impfausweis aus Papier nicht besonders praktikabel ist, wird mit Hochdruck an der Einführung einer digitalen Variante gearbeitet. Die Technik für den deutschen Impfpass kommt  - anders als bei der pannenbehafteten Corona-Warn-App – nicht von Telekom oder SAP, sondern von einer kleinen IT-Firma mit kaum mehr als 30 Mitarbeitern. Wie am Dienstag bekannt wurde, wird der digitale Impfnachweis auf der Blockchain-Technologie des Kölner Start-ups Ubirch laufen. 

Millionenschwerer Auftrag

Das Bundesgesundheitsministerium hat die 2014 gegründete Firma in einem Eilverfahren per Dringlichkeitsvergabe ausgewählt. Gemeinsam mit dem US-Riesen IBM soll Ubirch den Impfpass innerhalb von acht Wochen deutschlandweit an den Start bringen. Der Auftrag ist 2,7 Millionen Euro schwer. "Ich finde es cool, dass diesmal nicht einfach nur irgendein etablierter Big-Tech-Konzern die Lösung liefert, sondern eine kluge Kombination aus Big-Tech und Start-ups", sagte Ubirch-Chef Stephan Noller dem Spiegel.

Dass seine kleine Firma bei dem großen Auftrag zum Zuge kommt, dürfte maßgeblich daran liegen, dass das System bereits auf lokaler Ebene im Einsatz ist. Der bayerische Landkreis Altötting und der Zollernalbkreis in Baden-Württemberg setzen den digitalen Impfnachweis von Ubirch bereits seit Februar ein.

Menschen, die etwa im Kreisimpfzentrum Meßstetten ihren Piks bekommen, erhalten vor Ort eine Scheckkarte mit einem individuellen QR-Code. Genauso gut könnte der Code künftig auch per Mail oder App kommen. Entscheidend ist, dass der Geimpfte ihn jederzeit bei sich führen kann. So kann er ihn beim Besuch einer Veranstaltung oder bei Antritt einer Reise vorzeigen, wo er wie ein digitales Eintrittsticket kontrolliert werden kann. 

Daten in der Blockchain gesichert

Persönliche Daten und Impfstatus werden nicht in einer zentralen Datenbank gespeichert, sondern in einer verschlüsselten Blockchain, was den Ausweis fälschungssicher machen soll. Die Blockchain-Technologie kennt man bislang vor allem im Zusammenhang mit Kryptowährungen wie Bitcoin. Ubirch stellt zusammen mit weiteren Partnern wie Govdigital für den Impfausweis sogar fünf Blockchains zur Verfügung. Auch der schwäbische IT-Dienstleister Bechtle ist an der Entwicklung beteiligt.

Das Vertrauen der Bundesregierung in Ubirch dürfte auch dadurch gestärkt werden, dass die Firma bei früheren Projekten nicht nur mit namhaften Konzernen, sondern auch schon mit der Bundesdruckerei zusammengearbeitet hat, die für amtliche Ausweisdokumente zuständig ist. Um den engen Zeitplan für das Impfpass-Projekt einzuhalten, ist zudem mit IBM ein großer Partner mit ordentlich Manpower im Boot. Der Auftrag umfasst laut Ausschreibung des Ministeriums eine "Impfnachweis-App, eine Prüf-App und ein Backendsystem für die Integration in Arztpraxen und Impfzentren". Dafür muss noch einiges programmiert werden.

EU plant grünen Pass

Welche Privilegien der digitale Impfausweis künftig seinen Besitzern verschaffen wird, ist noch unklar. Doch das Thema wird bereits europäisch gedacht. Am 17. März will die EU-Kommission einen Gesetzentwurf für einen "digitalen Grünen Pass" vorlegen. Dieser könnte unter anderem bei grenzüberschreitenden Reisen eingesetzt werden. Der Impfpass von Ubirch soll mit den europäischen Regeln daher in jedem Fall kompatibel sein.

Der Unternehmensname leitet sich übrigens vom englischen Wort für Birke (birch) ab. Eine solche, so heißt es auf der Unternehmenshomepage, stehe im Vorgarten von Firmengründer Noller. Die Birke hat einen eigenen Twitter-Account: @sternibirke. Wird dieser in der Weihnachtszeit in einem Tweet erwähnt, schaltet sich die im Baum hängende Lichterkette automatisch einmal kurz aus und wieder an. Die Anekdote soll die Leidenschaft der Firma für das Internet of Things, also die Einbindung digitaler Lösungen in der echten Welt verdeutlichen.


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