Klaus Volkert Der starke Mann der eigenen Interessen


Als Gesamtbetriebsratschef hatte Klaus Volkert eine zentrale Rolle im Volkswagen-Konzern. An der traditionell starken Arbeitnehmervertretung kam auch die Konzernführung nicht vorbei. Eine Position, die Volkert wohl nicht nur zum Vorteil der VW-Angestellten nutzte.

Klaus Volkert (64) gehörte jahrzehntelang zu den mächtigen Männern bei Volkswagen: Als Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates vertrat er die Stimme der Arbeitnehmer bei VW - die Macht der Gewerkschaften und des Betriebsrates ist traditionell groß bei dem Wolfsburger Autobauer.

Der gelernte Schmied kam 1969 zu VW nach Wolfsburg und startete dort als Mechaniker. Bei Europas größtem Autobauer absolvierte er eine klassische Gewerkschaftskarriere: Vom Vertrauensmann der IG Metall (1970) zum Betriebsrat (1978) und Mitglied des geschäftsführenden Betriebsausschusses (1986) bis an die Spitze des Gesamt-Betriebsrates (1990).

Entwicklung zahlreicher Beschäftigungsmodelle

Dort war Volkert an der Entwicklung vieler Beschäftigungs-Modelle beteiligt, die bundesweit für Aufsehen sorgten: So wurde 1993 die Vier-Tage-Woche bei VW eingeführt und damit die Entlassung von bis zu 30.000 Mitarbeitern verhindert. Das Modell war denkbar einfach: Alle Beschäftigten arbeiteten nur noch 28,8 Stunden statt zuvor 36 und verzichteten auf etwa 15 Prozent ihres Einkommens.

2001 war Volkert auch am Projekt "5000 mal 5000" beteiligt, mit dem neue Jobs für Arbeitslose geschaffen werden sollten: 5000 Langzeitarbeitslose sollten für je 5000 D-Mark Monatslohn eingestellt werden - insgesamt gesehen war das deutlich weniger als der reguläre Haustarif bei Volkswagen. Doch ohne "5000 mal 5000" stand bei VW die Drohung im Raum, den Compakt-Van Touran in einem Billiglohnland zu produzieren. Für die Entwicklung der diversen Sozialkonzepte, an denen Volkert beteiligt war, verlieh die Uni Braunschweig dem Betriebsratschef vor drei Jahren den Ehrendoktor-Titel.

Ein klassischer Arbeiterführer

Volkert repräsentiert den klassischen Arbeiterführer: Seinem Auftreten fehlen die gedrechselten Sätze der Manager, seine Sprache ist einfach und klar, direkt, bisweilen derb. In der Affäre um SPD- Abgeordnete, die neben ihren Diäten jahrelang ihr Gehalt von VW weiterbezogen, griff Volkert die CDU-geführte niedersächsische Landesregierung scharf an und warf ihr eine Kampagne gegen Volkswagen, gegen die Gewerkschaft und die Sozialpartnerschaft vor.

In der Belegschaft war Volkert geachtet, doch zuletzt auch nicht mehr unumstritten. Der häufigste Vorwurf lautete, Volkert habe im Laufe der Jahre eine zu große Nähe zu den Vorstandsmitgliedern des Autokonzerns wie Personalchef Peter Hartz entwickelt. Im Juni 2005 trat der Betriebsratsvorsitzende knapp ein Jahr vor seinem geplanten Ausscheiden aus dem Konzern ab. Wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe in der VW-Affäre wurde Volkert im November 2006 verhaftet. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig sah eine Verdunkelungsgefahr.

tk mit DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker