Kommentar Die Angst vor den VW-Prostituierten


Er hat lange gelogen und sich gegen die Medien gewehrt. Nun hat der Abgeordnete Uhl endlich seine Beteiligung am VW-Sex-Skandal zugegeben. Sein Geständnis kommt aber zu spät und es ist nur Taktik. Denn Uhl hat wohl Angst davor, die Prostituierten vor Gericht wieder zu treffen.
Von Johannes Röhrig

Fast zwei Jahre lang hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Uhl beharrlich gelogen. Er hat seine Verwicklung in den VW-Skandal um Prostituierte auf Firmenkosten geleugnet, um sein gut dotiertes Mandat halten zu können. Er hat versucht, Unrecht in "Recht" umzubiegen und Medien per Gericht die Berichterstattung verbieten zu lassen - auch dem stern. Nun hat Uhl endlich zugegeben, dass er Protagonist in der Sex-Affäre ist. Doch das Geständnis kommt viel zu spät und nicht aus Reue. Dahinter steckt wieder nur Taktik.

Angst vor der peinlichen Verhandlung

Uhl ist wegen Beihilfe zur Untreue und der Abgabe falscher eidesstattlicher Versicherungen angeklagt. Am 14. Juni beginnt in Braunschweig der Prozess. Ein Blick auf die Zeugenliste reicht aus um zu erahnen, was ihm dort droht: In der Anklageschrift sind 21 Namen aufgeführt, darunter auch die von Prostituierten und Bordellbetreibern. Mindestens eine, so viel steht schon fest, kann sich an Uhl als Kunde bei einer Sex-Party in Hannover noch sehr gut erinnern.

So ist es wohl mehr die Angst vor einer hochnotpeinlichen Gerichtsverhandlung als späte Einsicht, die den langjährigen VW-Betriebsrat und heutigen Abgeordneten Uhl zu seinem Eingeständnis treibt. "Im Umgang mit den in diesem Zusammenhang gegen mich erhobenen Vorwürfen habe ich nicht die Wahrheit gesagt", erklärte er hölzern. Seine Versicherungen seien "zu erheblichen Teilen falsch". Ein Geständnis kann Uhl den Auftritt der Damen vor Gericht - man erinnert sich an den Prozess gegen Ex-VW-Vorstand Peter Hartz - nun möglicherweise ersparen.

Schwer belastet worden war Uhl vor allem durch die Aussagen des ehemaligen Hartz-Mitarbeiters Klaus-Joachim Gebauer, einer Schlüsselfigur in dem VW-Skandal. Gebauer hatte Ende September 2005 im stern-Interview gesagt, neben Betriebsratschef Klaus Volkert und Hartz selbst habe auch "ein Kollege, der heute für die SPD im Bundestag sitzt", zum "Kreis der Eingeweihten" gehört, denen er regelmäßig Prostituierte zugeführt habe. Uhl hatte dies bestritten und zudem erklärt, er habe sich "auch sonst nicht auf Firmenkosten mit Prostituierten vergnügt". In presserechtlichen Verfahren kam Uhl damit zunächst durch, und der stern durfte über den Fall nicht mehr berichten. Derjenige, der im Unrecht war, bekam Recht. Der stern und andere, die über Uhls Verfehlung berichtet hatten, einen Maulkorb.

Uhl möchte sich sicher wähnen

Dass der niedersächsische Abgeordnete Uhl diese Lüge nicht durchhalten konnte, hängt nun auch mit einem juristischen Trick der Staatsanwaltschaft zusammen. Nur zwei der ihm vorgeworfenen Taten - Treffen mit Damen aus dem Milieu in Barcelona und Seoul auf VW-Kosten - sind noch nicht verjährt. Doch die sind nur schwer zu beweisen, Zeugen für die Vorfälle im Ausland schwer aufzutreiben. Für eine Sex-Party in einem Bungalow in Hannover Ende der 90er Jahre hingegen ist die Lage genau umgekehrt: viele Zeugen, aber verjährt. Uhl mochte sich sicher wähnen.

Zu sicher: Denn durch seine Aussage gegenüber dem stern, sich "aus sonst nicht" auf VW-Kosten bedient zu haben, rückten auch diese Vorfälle bei den Ermittlungen wieder ins Licht. Gegenüber fünf Medien gab Uhl diese Falsch-Erklärung an Eides statt insgesamt ab. Das ist strafbar.

So strauchelt Uhl letztlich an seiner eigenen Vertuschungsaktion. Die Wahrheit wäre damals sicher unangenehm gewesen. Aber das ist sie heute genauso. Mit dem Unterschied allerdings, dass nun die Strafe höher ausfallen dürfte. Zu Recht.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker