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KRANKENVERSICHERUNG: Beitragserhöhungen auf über 14 Prozent?

AOK-Chef Ahrens erwartet schon im nächsten halben Jahr einen heftigen Anstieg der Beträge zur gesetzlichen Krankenversicherung. Den Kassen droht eine 5-Mrd-Mark Lücke.

Der AOK-Vorsitzende Hans Jürgen Ahrens rechnet mit einem Anstieg der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung auf über 14 Prozent des Bruttolohns im nächsten halben Jahr. »Wenn ich eine Prognose wage, dann glaube ich, dass der durchschnittliche Beitragssatz aller Kassen von ungefähr 13,5 auf über 14 Prozent steigen wird«, sagte Ahrens am Freitag im Berliner Inforadio. Das erwartete Milliardendefizit bei den gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr beruht vor allem auf erheblichen Einnahmeausfällen infolge der aktuellen Konjunkturschwäche. Die derzeit hohe Arbeitslosigkeit und der gleichzeitige Ausgabenanstieg bringen die Kassen in eine schwierige Finanzlage.

Senkung der Lohnnebenkosten fraglich

Auch die Ersatzkassen erwarten einen derartigen Beitragsanstieg. Die Bundesregierung strebt an, die Lohnnebenkosten aus den Beiträgen zur Pflege-, Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung im Wahljahr 2002 auf unter 40 Prozent des Bruttolohns abzusenken. Derzeit liegt diese Quote bei knapp 41 Prozent. Wirtschaftsexperten rechnen nicht mehr damit, dass dieses Regierungsziel erreicht wird. Unter anderem wird wegen der schlechten Arbeitsmarktsituation auch ein Anstieg der Rentenbeiträge erwartet. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte vor rund zwei Wochen eingeräumt, die Absenkung der Lohnnebenkosten werde nicht mehr um jeden Preis verfolgt.

Lücke von fünf Milliarden Mark

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt rechnet bis zum Jahresende mit einem Defizit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von bis zu fünf Milliarden Mark. Sie schloss aber aus, dass die Lücke mit Steuermitteln geschlossen wird. Ob die Beiträge für die Versicherten erhöht werden, konnte sie nicht sagen: »Ich weiß nicht, wie die Kassen entscheiden.« Opposition und Krankenkassen forderten von Schmidt angesichts des drohenden Defizits sofortige Maßnahmen.