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Krise bei Arcandor: Luxus zu verkaufen

Das Kaufhaus des Westen in Berlin, dazu das Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München: Der Handelskonzern Arcandor versilbert seine bekanntesten Häuser. Das liegt nicht an den Umsätzen der Luxustempel, sondern zeigt die tiefe Krise, in der die gesamte Branche steckt.

Von Axel Hildebrand

Am Anfang war der Luxus. Er lag in der Obstabteilung. Das waren die Zitronen, die es erstmals in Deutschland gab und nur hier, im neuen Tempel des kultivierten Konsums angeboten wurden. Im Kaufhaus des Westens, anno 1907.

Das Haus unweit des Kurfürstendamms zählt auch heute noch zu den edelsten Adressen Berlins. Wer hier regelmäßig einkehrt, hat es finanziell geschafft oder macht, zum Beispiel an der Champagnerbar, zumindest den Eindruck. Es gibt hier keine Wühltische mit weißen Sportsocken im Sechser-Pack oder neogelbe "Rabatt"-Schilder.

Bislang gehörte das traditionsreiche Kaufhaus dem Handels- und Touristikkonzern Arcandor. Doch dessen finanzielle Probleme sind so tief greifend, dass der Verkauf des KaDeWe ernsthaft zur Debatte steht. Daneben, wohl auch demnächst zum Verkauf: die Häuser Alsterhaus und Oberpollinger in Hamburg und München. Es könnte das Ende dreier Konsum-Ikonen sein. Zumindest ist es ein Sinnbild für die tiefe Krise, in der sich der Verkauf auf großen Flächen in Innenstädten befindet.

Die Geschäfte mit dem Luxus sind dabei noch das geringste Problem. Denn auch wenn das KaDeWe ebenso wie die beiden anderen Häuser vor allem für seine exquisiten Waren bekannt ist, macht das Haus an der Berliner Tauentzienstraße sein Geld zu einem guten Teil mit Waren zu normalen Preisen. "Sie können mit Prada keine 5000 Quadratmeter füllen", sagt Johannes Siemes, Leiter Handel beim Wirtschaftsprüfer KPMG. So vereinte die Edel-Konsumstätte mittlerweile die Dior-Freundin, die das Gaucho Saddle Bag aus Leder vom Pythonbauch schon lange auf der Shoppingliste hatte, mit der Berlin-Touristin aus Remscheid, die sich eine KaDeWe-Umhängetasche mitbringt. "Irgendwann", sagt Siemes, "kommen Sie auch zu den Hans-Müller-Marken."

Seit Jahren kämpfen die Warenhäuser

So waren die Häuser nie reine Luxus-Tempel - und der anstehende Verkauf ist nun nicht Ausdruck einer Krise im Luxussegment, sondern der schweren See, in der die gesamte Branche der Kauf- und Warenhäuser hin und her gerissen wird.

Die Häuser befinden sich seit Jahren in einem Kampf gegen Shopping-Center, spezialisierte Ketten und Online-Versandhäuser. Sie bieten alle ihre Waren "unter einem Dach" an. Doch wer eine neue Mikrowelle braucht, fährt im Zweifel zum Elektronik-Discounter am Stadtrand. Und die neue Jeans ist im Zweifel bei H&M günstiger und moderner - so jedenfalls die Wahrnehmung.

Unter dieser Entwicklung leiden alle Warenhäuser, auch die drei Vorzeigehäuser in Berlin, Hamburg und München. Doch die Luxuskaufhäuser haben wenigstens einen Vorteil: Sie setzen auch auf eine Schicht von Wohlhabenden, die unter der Krise weniger stark leidet.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte in ihrer jüngsten Konsumenten-Befragung eine Gruppe an Verbrauchern (27 Prozent), die sich "fast alles" leisten kann. "Diese Schicht von Verbrauchern ist relativ immun gegen Krisenzeiten", sagt GfK-Marketingleiter Wolfgang Twardawa. Die Zahlen stammen vom Oktober 2008, damals war die Finanzkrise bereits abzusehen. Während die Gruppe der Befragten, die sich kaum etwas leisten können, in Krisenzeiten auf Kosten der Mittelschicht größer werde, bleibe die Gruppe der wohlhabenden Konsumenten konstant. Davon profitieren Häuser wie das KaDeWe.

Es wird schwer, einen Käufer zu finden

Branchenkenner gehen davon aus, dass diese Häuser immer noch gutes Geld verdienen. "Die Luxuskaufhäuser sind im Prinzip große Kaufhäuser", sagt Siemes. Ab 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche verdiene ein Kaufhaus in der Regel deutlich mehr. Das KaDeWe überspringt diese Hürde locker. Acht Etagen mit insgesamt 60.000 Quadratmetern sind mit Waren bestückt. Es ist - neben dem Harrod's in London - das größte Warenhaus in Europa. Der Verkauf der profitablen Häuser zeigt umso mehr, wie dringend Arcandor auf das Geld angewiesen ist. Die Finanzierungslücke ist bis zu 900 Millionen Euro groß.

Doch es wird schwer werden, einen Käufer für jedes der drei großen Häuser zu finden. Der deutsche Markt gilt stark durch Groß-Anbieter besetzt und als einer mit eigenen Gesetzmäßigkeiten. So kann sich Handelsfachmann Siemes "keine lange Warteschlange" an Interessenten vorstellen: "Da traut sich auch kein ausländischer Wettbewerber so schnell rein." Jeder Investor, der nur ein Haus kauft und ansonsten in Deutschland nicht vertreten ist, hat auch das Problem des teuren Wareneinkaufs. Anders als die Ketten kann er nur geringe Mengen einkaufen - zu schlechteren Konditionen. Das macht das ganze Objekt uninteressanter.

Der Käufer, sollte er für seine Einkaufstour eine Finanzierung bei den Banken bekommen, würde das Ladengeschäft mit dem Personal komplett übernehmen. Die Immobilien in Hamburg und Berlin selber gibt es allerdings nicht mehr dazu - Arcandor-Vorgänger KarstadtQuelle hatte sein Tafelsilber bereits 2006 verkaufen müssen.