HOME

Lokführer-Warnstreik: Stille auf allen Gleisen

Der Bahnverkehr in Deutschland steht am Donnerstagmorgen weitgehend still. Sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr legten die Lokführer ihre Arbeit nieder. Besonders stark betroffen sind offenbar Pendler in Berlin, Köln, Hamburg, München, Nürnberg und Stuttgart. Die Ausstände sollen noch bis 10 Uhr dauern.

Der Streik der Lokführer hat am Donnerstagmorgen bundesweit zu erheblichen Störungen im Personen- und Güterverkehr geführt. Den Arbeitsniederlegungen im Güterbereich folgten am Donnerstagmorgen umfassende Streiks im Personenverkehr. Die auf sechs Stunden angelegten Ausstände erstrecken sich über ganz Deutschland. Vor allem in den Metropolen fahren nur wenige Züge, mehrere hundert fielen am Morgen schon aus. Die Ausstände sollen nach GDL-Angaben um 10 Uhr enden.

Stark betroffen sind nach DB-Angaben die S-Bahnen in Berlin, Hamburg, München, Nürnberg und Stuttgart. "Ein Schwerpunkt scheint auch in Köln zu liegen", sagte ein Bahnsprecher in Nordrhein-Westfalen. Bayernweit fuhren ebenfalls nur wenige Züge. "In München haben wir einen Ersatzfahrplan organisiert, der zuverlässig gefahren wird und der im Internet abrufbar ist", sagte ein Sprecher. Schon in Nürnberg aber beispielsweise gebe es einen solchen nicht.

Die Bahn teilte mit, die "erneuten, drastischen Einschränkungen" für ihre Kunden zu bedauern. Pendler und Reisende müssen sich den ganzen Donnerstagvormittag über auf Chaos an den Bahnsteigen einstellen - Millionen Bahnkunden droht eine Geduldsprobe. Die GDL hat es nach eigenen Angaben auch auf mehrere Knotenpunkte im Fernverkehr abgesehen - etwa Frankfurt oder Berlin.

Die Versorgung von Kraftwerken, Hochöfen und anderen zentralen Industrien sei gewährleist, hieß es bei der Bahn. Der Konzern setzte Hunderte zusätzliche Mitarbeiter unter anderem auf Bahnhöfen ein, um Reisende über Verspätungen und Verzögerungen zumindest zu informieren.

Bereits seit Mittwochabend wird der Güterverkehr auf der Schiene bestreikt. Dort liegt der Schwerpunkt in Ostdeutschland. Dank rund 500 streikender Lokführer kamen insgesamt laut GDL mehr als 600 Güterzüge bis zum Donnerstagmorgen gar nicht oder allenfalls stark verspätet bei ihren Zielorten an. "Auch unsere Kollegen im Güterverkehr brauchen und vor allem wollen den Flächentarifvertrag", sagte der stellvertretende GDL-Bundesvorsitzende Norbert Quitter der Deutschen Presse-Agentur. Wegen des Ausstands wichen zahlreiche Firmen auf die Straße aus und bestückten Lastwagen mit ihren Gütern.

In einer Urabstimmung hatten sich mehr als 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder am Wochenanfang für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Die GDL fordert von der Deutschen Bahn sowie deren sechs wichtigsten privaten Konkurrenten einen bundesweit gültigen Flächentarifvertrag für Lokführer bei allen Unternehmen im Nah-, Fern- und Güterverkehr. Ziele sind ein einheitliches Mindesteinkommen auf dem Niveau des Marktführers Deutsche Bahn sowie weitere einheitliche Regelungen.

cjf/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters