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Luftverkehr: Lufthansa-Schlichtung unter Druck geglückt

Für eine Einigung im Tarifstreit beim Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa war für beide Seiten höchste Zeit. Wegen der Konjunkturflaute schwanden der Gewerkschaft zunehmend die Argumente.

Während die Gewerkschaft ver.di und der Vorstand monatelang um Prozente pokerten, brauten sich am Himmel schwere Turbulenzen zusammen. Wegen der Konjunkturflaute und des drohenden Irak-Krieges verordnete Konzernchef Jürgen Weber bereits massive Kostenschnitte und höhere Ticketpreise. ver.di schwand im Zeichen der Krise zusehends die Macht der Argumente. Mit dem Spruch des Schlichters Klaus von Dohnanyi ist zumindest ein Stück hausgemachter Ungewissheit beseitigt.

Hoher Preis

Für die Einigung auf ein dreistufiges Gehaltsplus bis Ende 2004 zahlt die Lufthansa einen hohen Preis. Noch längere Verhandlungen oder gar neue Warnstreiks hätte sich Europas zweitgrößte Airline aber kaum erlauben können. Schon seit Wochen warnt Konzernkapitän Weber eindringlich vor einer «Durststrecke 2003» und mahnt, die Hand «fest auf dem Portemonnaie» zu halten. Die ursprüngliche ver.di-Forderung von neun Prozent für die 52.000 Beschäftigten mit möglichen Kosten von rund 200 Millionen Euro war da für ihn ein Alarmsignal.

Weniger Auslastung

Schon seit Herbst registrieren die Manager in der Lufthansa-Basis weniger Buchungen für die gewinnträchtigen Sessel der Business-Class. Die Auslastung der Passagierjets ging zu Jahresbeginn zurück. Obwohl ein Großteil des Kerosinbedarfs zu vereinbarten Preisen gesichert ist, wächst die Sorge vor steigenden Ölkosten wegen des Irak- Konflikts. Mit diesem Argument verlangt die Airline von ihren Kunden bald 4,5 Prozent mehr für ihre Tickets, um die Einnahmeseite zu verbessern. Auch die Niedrigpreisangebote im Wettbewerb mit den Billigfliegern werden teurer.

Investitionsstopp als Rückenwind

Zugleich sollen wie schon einmal nach den Terroranschlägen in den USA im Herbst 2001 rasche Einschnitte die Kosten drücken. Neben einem sofortigen Einstellungsstopp werden Investitionen um 200 Millionen Euro gekappt, alle Konzernbereiche sollen noch in diesem Jahr bis zu 100 Millionen Euro sparen. 31 Maschinen der eigenen Flotte und 15 bei Partnergesellschaften bleiben mangels Nachfrage am Boden. Eine extra Vereinbarung soll es künftig möglich machen, bei Zuspitzung einer Krise mit Arbeitszeitverkürzungen - zum Teil ohne Lohnausgleich - schnell Kosten zu senken. Die Lufthansa sagt im Gegenzug Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zu.

Zahlung als "Anerkennung"

Für Zugeständnisse der Beschäftigten zu Beginn der Krise 2001 handelte die Gewerkschaft nun eine «Anerkennung» als Sonderzahlung heraus. Sie muss den Abschluss den Beschäftigten vermitteln, die mit hohen Erwartungen auf diese Tarifrunde blickten. Verhandlungsführer Jan Kahmann hatte keinen Hehl daraus gemacht, wie tief der Gedanke an das zweistellige Gehaltsplus sitzt, das sich die Piloten im Tarifkampf 2001 erstritten. ver.di hatte damals 3,5 Prozent für die Beschäftigten in Kabinen herausgeholt.

Weber bereitet nachfolge vor

Lufthansa-Chef Weber, der seinen Sessel im Juni an den bisherigen Vize Wolfgang Mayrhuber abgibt, hat den letzten Tarifstreit seiner Amtszeit noch vor dem Stabwechsel beigelegt. Für die nächste Zeit ist wegen der drohenden Eskalation in Nahost allerdings weiter die Parole erhöhter Wachsamkeit ausgegeben. Ein Krieg im Irak würde harte und schnelle zusätzliche Maßnahmen erfordern.