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Machtkampf im VW-Aufsichtsrat: Piëch darf an der Spitze bleiben

Der Machtkampf bei Volkswagen ist beendet: Im Streit um den Vorsitz des Aufsichtsrats hat das Land Niedersachen eingelenkt - Ferdinand Piëch darf für eine weitere Amtszeit kandidieren. Doch auch Porsche hat allen Grund, zufrieden zu sein.

Der Machtkampf im Aufsichtsrat von Volkswagen ist entschieden. Das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär hat seinen Widerstand gegen eine weitere Amtszeit von Ferdinand Piëch an der Spitze des Kontrollgremiums aufgegeben. Das verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen. Damit ist der Weg frei für eine Wiederwahl Piëchs bei der VW-Hauptversammlung am 19. April in Hamburg. Der größte VW-Aktionär Porsche bekommt demnach künftig drei statt bisher zwei Mandate im VW-Aufsichtsrat. Porsche-Miteigentümer Piëch wird künftig als Vertreter des Stuttgarter Autobauers gezählt.

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) hatte sich lange gegen eine Wiederwahl Piëchs (69) ausgesprochen und gefordert, dass sich Piëch im April aus dem VW-Aufsichtsrat zurückziehen solle. Piëchs Amtszeit endet mit dem Aktionärstreffen. Wulff war vor allem die Doppelfunktion von Piëch als VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer ein Dorn im Auge. Wulff sah mögliche Interessenkonflikte Piëchs sowie eine Verletzung der Grundsätze der guten Unternehmensführung.

Das Land Niedersachsen hält derzeit einen Anteil von 20,8 Prozent an VW, Porsche 27,4 Prozent. Für das Land Niedersachsen sitzt neben Wulff Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) im VW-Aufsichtsrat, für Porsche bisher Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter. Piëch war von 1993 bis 2002 Vorstandschef von Volkswagen. Danach übernahm er die Spitze des Aufsichtsrats.

Mehr Einfluss für Porsche

Nach dem Einstieg Porsches bei VW hatten sich Wulff und Wiedeking vor einem Jahr zunächst darauf geeinigt, dass ein "neutraler Manager" und kein Vertreter von Porsche Nachfolger Piëchs als VW-Aufsichtsratschef werden soll. Wulff hatte zudem gesagt, er gehe davon aus, dass Piëch 2007 komplett aus dem VW-Aufsichtsrat abtrete.

Im Dezember 2006 allerdings hatte Wiedeking mehr Einfluss für Porsche bei VW gefordert. Bei der Neubesetzung des Gremiums müsse Porsche als Großaktionär "mindestens drei" statt bisher zwei Sitze in dem Gremium besetzen. Auf der Automesse in Detroit Anfang Januar dieses Jahres dann hatten sich sowohl VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh als auch Wiedeking offen für einen Verbleib Piëchs an der Spitze des VW-Kontrollgremiums ausgesprochen und sich damit gegen Wulff gestellt.

Zerreißprobe vermeiden

Piëch und die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat hatten wiederholt zusammengearbeitet - etwa bei der vorzeitigen Ablösung von Bernd Pischetsrieder als Konzernchef im Herbst 2006. Wulff wollte ursprünglich an Pischetsrieder festhalten. Nachfolger Pischetsrieders wurde Audi-Chef Martin Winterkorn, der als Piëch-Vertrauer gilt.

In den Regierungskreisen in Hannover hieß es am Dienstag, Wulff akzeptiere nun den Wunsch des stärksten VW-Aktionärs Porsche nach einem weiteren Aufsichtsratsmandat. Damit akzeptiere er auch eine weitere Amtszeit Piëchs an der Aufsichtsratsspitze.

Offensichtlich wollte Wulff einen längeren Machtkampf und eine Zerreißprobe bei Volkswagen vermeiden. Außerdem ist Porsche mittlerweile mit einem deutlichen Abstand größter VW-Aktionär - anders als zum Zeitpunkt der Verabredung zwischen Wulff und Wiedeking Anfang 2006. In den Regierungskreisen wurde zudem darauf verwiesen, dass inzwischen ein Ausschuss des VW-Aufsichtsrats die Geschäftsbeziehungen zwischen Volkswagen und Porsche überwache. Dies sei ein wichtiger Punkt.

DPA / DPA