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Metallerstreiks: Bewegung im Metall-Tarifstreit

Der seit Wochen anhaltende Tarifkonflikt der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie könnte bald zu einer Einigung kommen. IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kommen zu einem Spitzengespräch zusammen.

Metall-Tarifstreit: Einigung bis Wochenende möglich

In den seit Wochen anhaltenden Tarifkonflikt der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie kommt Bewegung. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird eine Einigung über die umstrittene Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland von Arbeitgebern und IG Metall noch bis zu diesem Wochenende für möglich gehalten.

An diesem Donnerstag kommen IG Metall-Chef Klaus Zwickel und sein Stellvertreter Jürgen Peters mit der Spitze des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Präsident Martin Kannegiesser und Hauptgeschäftsführer Hans-Werner Busch, zu einem Spitzengespräch zusammen. "Das Gespräch wird mit Sicherheit länger als zwei Stunden dauern", verlautete aus Kreisen der Tarifpartner. Der Ort des Spitzentreffens sei noch offen.

Nach dem Treffen der Gewerkschafts- und Verbandsspitze sollen die Verhandlungen noch an diesem Wochenende aufgenommen werden. Ein Ergebnis am Sonnabend- oder Sonntagmorgen werde nicht ausgeschlossen.

Die Streiks in der ostdeutschen Metallindustrie dauern seit mehr als drei Wochen an. Zuletzt hatten sich auch zahlreiche Politiker gegen die Arbeitskämpfe unter Hinweis auf die angespannte wirtschaftliche Lage in den neuen Ländern ausgesprochen. Unter den Ausfällen leiden zudem die großen Automobilhersteller. Auch kam es vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen streikenden und arbeitswilligen Metallern.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat einen Appell des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zurückgewiesen, die Streiks zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metallbranche aufzugeben. Am Montag hatte die IG Metall angekündigt, ihren seit mehr als drei Wochen andauernden Kampf um die Einführung der 35-Stunden-Woche möglicherweise auch auf den Westen auszuweiten.

Metallerstreiks in Berlin und Brandenburg fortgesetzt

Die IG Metall hat mit Beginn der Frühschicht am Dienstag die Streiks zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in Berlin und Brandenburg fortgesetzt. Betroffen sind nach Angaben eines Gewerkschaftssprechers DeTeWe Service und Otis in Berlin, ZF Getriebe in Brandenburg/Havel sowie DaimlerChrysler und Thyssen Umformtechnik in Ludwigsfelde. Auch in Sachsen geht der Streik trotz der angekündigten Wiederaufnahme der Verhandlungen in sieben Betrieben weiter. Einen Gesprächstermin gibt es allerdings noch nicht.

Insgesamt hat die Gewerkschaft wieder rund 9500 Beschäftigte zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. In Sachsen haben mittlerweile acht Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie einen Haustarifvertrag mit der Gewerkschaft ausgehandelt. Im Osten zählt die Branche 310.000 Beschäftigte.

BDI-Chef warnt, der Streik könne tausende Arbeitsplätze kosten

DGB-Chef Michael Sommer sagte am Dienstag im ZDF, die IG Metall werde in ihrem Arbeitskampf nicht einknicken. Zuvor hatte BDI-Präsident Michael Rogowski in der "Bild"-Zeitung gewarnt, der seit mehr als drei Wochen laufende Arbeitskampf könne am Ende tausende Arbeitsplätze kosten und vor allem die Schaffung neuer Stellen verhindern. "Ich appelliere an die Vernünftigen in der IG Metall, so etwas nicht zuzulassen." Die IG Metall will ihren Kampf für eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden möglicherweise auf den Westen ausweiten, falls in dieser Woche kein Ergebnis erreicht wird. Nach einem Bericht des "Handelsblatt" versuchen die Tarifparteien, einen Termin für neue Verhandlungen noch in dieser Woche zu finden. In Berlin, Brandenburg und Sachsen waren am Dienstag rund 9500 Beschäftigte in zwölf Betrieben zum Streik aufgerufen.

Spätestens ab Donnerstag will IG-Metall mit Arbeitgebern verhandeln

Der künftige IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters hatte erklärt, seine Gewerkschaft wolle spätestens ab Donnerstag wieder mit den Arbeitgebern verhandeln. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Hans Werner Busch, sagte dem "Handelsblatt", neue Gespräche machten nur Sinn, wenn die Gewerkschaft von ihrer Forderung nach einem festen Stufenplan für die Einführung der 35-Stunden-Woche abrücke, die in der Metallbranche im Westen bereits gilt. Nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" wollen die Arbeitgeber den SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi als Schlichter vorschlagen.

Autoproduktion im Westen geriet ins Stocken

Am Montag war erstmals seit Streikbeginn die Autoproduktion im Westen ins Stocken geraten. Bei BMW musste wegen fehlender Lieferungen aus dem Osten kurz gearbeitet werden. Nach Unternehmensangaben blieben 10.000 Mitarbeiter zu Hause. Bei dem Autobauer ist zunächst die Produktion der 3er-Serie in den Werken in Regensburg, München und Dingolfing betroffen. Wie lange die Kurzarbeit dauere, sei unklar, sagte ein BMW-Sprecher. Nach Angaben von Volkswagen droht ab Freitag ein Produktionstopp für den Golf und den Lupo. Vom Streik betroffen ist auch DaimlerChrysler. Händler an der Frankfurter Börse erklärten, die Autowerte litten unter dem Streik.

VDA warnt vor Rückschlag für Aufbau Ost

Der Automobilverband VDA, Unternehmen und Politiker hatten wegen des Arbeitskampfes der IG Metall mehrfach vor einem Rückschlag für den Aufbau Ost gewarnt.

FDP will zur 40-Stunden-Woche zurück

Die "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe) zitierte vorab den Vize-Chef der FDP-Bundestagsfraktion Rainer Brüderle mit der Aussage, statt für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland solle die IG Metall sich für eine Rückkehr zu einer längeren Arbeitszeit im Westen stark machen. "Wir können unseren Wohlstand in Deutschland nur halten, wenn wir wieder mehr arbeiten", zitierte das Blatt Brüderle. "Schon heute machen die Investoren einen großen Bogen um Deutschland, weil die tariflichen Arbeitszeiten so unattraktiv sind."