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Milliardendeal in der Autoindustrie: General Motors schmiedet Allianz mit PSA Peugeot Citroën

Transatlantisches Auto-Bündnis: Frankreichs PSA Peugeot Citroën und der Opel-Mutterkonzern General Motors kooperieren miteinander. Für die Franzosen und auch Opel könnte dies einen Ausweg aus der Krise weisen.

Neue Hoffnung für Opel: Der Mutterkonzern General Motors schmiedet eine strategische Allianz mit dem angeschlagenen französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën. Die beiden Unternehmen gaben am Mittwochabend die Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung bekannt. GM und Peugeot-Citroën wollen künftig gemeinsam Autos entwickeln und gemeinsam einkaufen. Das soll zu milliardenschweren Einsparungen führen, die sich allerdings erst in einigen Jahren zeigen.

General Motors wird nach der Übereinkunft im Zuge einer PSA-Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro eine 7-Prozent-Beteiligung an der traditionsreichen französischen Gruppe mit dem Löwen im Logo erwerben. GM wird damit zweitgrößter Aktionär bei dem französischen Traditionsunternehmen, in dem die Gründerfamilie über ihre Holding stärkster Anteilseigner bleibt. Gesteuert werden soll die Allianz durch ein paritätisch besetztes Lenkungsgremium.

GM und PSA wollen den Angaben zufolge künftig gemeinsame Fahrzeugplattformen nutzen. Damit könnten sie schneller und günstiger Autos entwickeln und Modelle auch in höheren Stückzahlen fertigen.

Die Opelaner müssen sich trotz der GM-Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën zunächst aber weiter auf Einschnitte gefasst machen. "Diese Allianz ersetzt nicht unsere anhaltenden Bemühungen, unser Europageschäft profitabel zu machen", sagte der Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors, Dan Akerson, in einer Telefonkonferenz. GM-Strategiechef Stephen Girsky ergänzte, die Allianz sei ein "weiteres Werkzeug im Werkzeugkasten".

Gemischte Reaktionen bei Opel

Der Opel-Betriebsrat sprach in einer ersten Reaktion davon, die Allianz habe "Chancen und Risiken" für Opel. Im vergangenen Jahr hatte das Europageschäft von GM mit der Hauptmarke Opel einen operativen Verlust von 747 Millionen Dollar eingefahren. Nun laufen Gespräche zwischen dem Management und den Arbeitnehmervertretern über einen neuen Sparplan. Immer wieder kochen dabei Spekulationen hoch, dass das Werk Bochum geschlossen werden könnte.

Von einer "sehr guten Nachricht" für die Opel-Mitarbeiter sprach dagegen der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die Allianz sei für die Unternehmen eine "große Chance". Opel werde langfristig gestärkt und könne seine Kostenposition deutlich verbessern.

Erstes gemeinsames Modell erst 2016

Die Allianz der beiden Autobauer GM und PSA basiert auf zwei Säulen: Zum einen geht es um die gemeinsame Nutzung von Komponenten und Modulen sowie dem Aufbau eines weltweiten Einkaufs-Joint-Ventures. Das erste gemeinsam entwickelte Modell wird für 2016 erwartet. Zum anderen geht es um die gemeinsamen Auslotung weiterer Kooperationsmöglichkeiten. Die Kooperation sieht auch integrierte Transport- und Logistikketten vor. Beide Konzerne wenden zusammen jährlich 125 Milliarden Dollar (94 Milliarden Euro) für Rohstoffe, Teile und Dienstleistungen auf.

Die beiden Unternehmen gehen davon aus, dass nach rund fünf Jahren im Rahmen der Allianz Synergien in Höhe von ungefähr zwei Milliarden US Dollar (1,5 Milliarden Euro) pro Jahr entstehen. Diese würden im Wesentlichen mit den neuen gemeinsamen Fahrzeugprogrammen entstehen.

Der größte französische Autobauer PSA steckt seit Monaten durch schrumpfende Marktanteile und Verluste im Kerngeschäft tief in der Krise. Nach den jüngst veröffentlichten Bilanzzahlen verbuchte die Autosparte im vergangenen Jahr einen Verlust von 92 Millionen Euro - nach einem Gewinn von 621 Millionen Euro im Vorjahr. Der Absatz sank auf 3,55 Millionen Fahrzeuge. Bislang hat sich die Peugeot-Familie als größter Aktionär stets gegen Kapitalverflechtungen ausgesprochen. PSA kooperiert unter anderem bereits mit BMW, Ford und Mitsubishi.

kng/DPA / DPA